
Filmstart: 14. September 2026
RUNNER
USA / 2026
Regie: Scott Waugh
Mit: Alan Ritchson, Owen Wilson, Rodrigo Santoro u.a.
Atemlos durch Brisbane
Dieser Film müsste eigentlich „Transporter“ heißen, wenn der Titel nicht schon vergeben wäre, aber „Runner“ passt schließlich auch, weil hier faktisch vom Anfang bis zum Ende – gerannt wird. Schließlich sind böse Menschen hinter dem Helden her und die Handlung holt für fast hundert Minuten nicht Luft, sondern bleibt atemlos.
So verträgt man gekonnte Action – und was Regisseur Scott Waugh auf die Leinwand bannt, ist erstklassig -, auch wenn die Handlung sich aus lauter Elementen zusammen setzt, die man zur Genüge kennt. Aber letztendlich kommt es darauf an, wie man die alten Elemente immer neu mischt.
Da ist der schweigsame, aber tief problematische Held Hank Malone, natürlich Ex-Soldat, sonst wäre die Geschichte nicht möglich. Normalerweise eigentlich nur als Bote tätig, der Dinge transportiert (und wenn keiner einen exotischen Papagei will, behält er ihn halt bei sich im Auto). Aber dann – dann muss eine Spenderleber vom Flughafen in Brisbane (ja, wir sind in Australien, aber man hat nicht viel davon) in das Spital gebracht werden, wo ein siebenjähriges Mädchen um sein Leben kämpft.
Die Leber kommt in einer Kühlbox, kann digitale Nachrichten versenden und ist mit einem Code gesichert. Vor allem aber bringt sie den Boten mit sich, der darauf besteht, bis zum Spital mitzufahren, wobei er sich als überaus geschwätzig herausstellt. Der Schweigsame und der Plauderer – aber hier funktionieren eine zeitlang die klassischen und auch humoristischen Buddy-Elemente, bevor die Handlung so dramatisch wird, dass… aber dergleichen sollte man nicht spoilern.
Jedenfalls fahren den beiden (und dem Papagei), sobald sie im Auto sitzen, ein paar Jeeps nach, reißen die Türe auf und verlangen die Leber, die auf dem Schwarzmarkt gut eine Million (Dollar vermutlich) wert ist. Ein Kartell-Boß will das gute Stück allerdings für einen Familienangehörigen und ist sozusagen bis zur letzten Minute nicht bereit, hier aufzugeben – noch im Krankenhaus rangeln sich alle um die Kühlbox, auch die Mutter des Mädchens.
Denn, auch das nicht ungewöhnlich, die Szenen im Spital, wo man verzweifelt auf die Leber wartet (und hat vielleicht eine Krankenschwester hier Verrat geübt?), das todkranke kleine Mädchen in seinem Bett, das sind natürlich nötige Zugabe, um Rührung zu verbreiten, zwischen den allgemeinen Prügeleien, Schießereien, Explosionen und auch komischen Einlagen (wenn sich die beiden Helden zeitweise auf einem Fahrrad fortbewegen, bis sie wieder – weiß der Teufel, wie – zu einem Auto kommen).
Bis zum rührseligen Happyend geht weder dem Drehbuch noch dem Regisseur der Atem aus, wenn die Sache natürlich, wie bei Action-Filmen immer, voll von logischen Brüchen und Löchern ist, aber wer fragt schon danach? Diese Art von Entertainment will nur von permanenter Bewegung gefüttert werden, und die gibt es reichlich.

Im übrigen ist dieser Film vermutlich als Vehikel gedacht, mit Alan Ritchson einen neuen Action-Helden zu lancieren und ihn von seinem Fernseh-Ruhm („Reacher“) auf die Leinwand zu holen. Denn in einem Genre, wo früher mit Schwarzenegger, Stallone, Willis, Norris, Seagal und auch Cruise reichlich Protagonisten zur Verfügung standen, ist heutzutage Jason Statham sozusagen allein auf weiter Flur, und der ist auch bald 60. Der 44jährige Ritchson hat beeindruckende Muskeln mit Tattoos darauf und ein sympathisches, wenn auch nicht sonderlich interessantes Gesicht. Als Schläger bewährt er sich eher denn als Schauspieler, wo ihm doch Gefühlsnuancen abverlangt würden. Aber wenn nicht schnell ein anderer kommt, hat er wohl den Action-Job für die nächsten Jahre…
Owen Wilson ist der blonde Lockenkopf wie immer und im Vergleich zum Kollegen darstellerisch ziemlich souverän unterwegs. Obzwar der „Bösewicht“ wie aus dem Bilderbuch, bietet der Brasilianer Rodrigo Santoro doch die eindrücklichste Leistung.
Aber als Schauspieler-Feste sind Filme dieser Art ja nicht gedacht. Was ein Action-Knaller braucht, „Runner“ hat es.
Renate Wagner

