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Film: ROBIN HOOD

09.01.2019 | FILM/TV, KRITIKEN

Filmstart: 11. Januar 2019
ROBIN HOOD
USA / 2018
Regie: Otto Bathurst
Mit: Taron Egerton, Jamie Foxx, Ben Mendelsohn, Eve Hewson, F. Murray Abraham u.a.

Nein, niemand weint Errol Flynn nach – wenn er 1938 im grünen Wams und mit spitzem Hütchen durch den Sherwood Forest streifte, war er ein Kind seiner Zeit, wie es Filme immer sind. „Robin Hood“ ist wohl eines der meist verfilmten Sujets unserer Welt – dabei durchaus nicht unproblematisch. 1976 schuf man „Robin und Marian“, um Sean Connery und Audrey Hepburn – beide nicht mehr die Jüngsten – die schöne Gelegenheit zu geben, als das alternde Liebespaar auf der Leinwand zu erscheinen. 1991 war Robin Hood ein Star-Vehikel für den damals explodierenden Ruhm von Kevin Costner (nach „Wer mit dem Wolf tanzt“). 2010 ging es mit Russell Crowe und Cate Blanchett um zwei große Schauspieler, die schon eine variierte, um historische Figuren angereicherte Version der alten Geschichte lieferten.

Aber so weit, wie sich die Drehbuchautoren und Regisseur Otto Bathurst von dem Flynn-Mythos des edlen, auch fröhlichen Diebes entfernt haben, der die Reichen bestiehlt, um den Armen zu geben, war man wohl noch nie von einem Mittelalter-Helden entfernt. (Leonardo DiCarpio fungiert als einer der Produzenten, hat aber klugerweise die Finger davon gelassen, in diesem Film mitzuwirken.) Jede Leichtigkeit ist verloren, denn zugeschlagen hat die politische Korrektheit, hat das Gefühl (vielleicht in der Trump-Welt lobenswert gesteigert, wenn auch nicht unbedingt kinogerecht), dass man Botschaften versenden muss… Ein bisschen erinnert das an die europäischen Theaterregisseure: Wenn man dem Publikum nicht eine Belehrung mitgeben kann, hat man’s falsch gemacht…

Der neue Robin sieht aus wie Taron Egerton und ist damit ungewöhnlich jung (wenn er auch heuer schon 30 wird, er wirkt jetzt schon zehn Jahre jünger): Als man ihn in „Kingsman“ vor fünf Jahren als Cockney-Kid aus Londons Straßen kennenlernte, der von Colin Firth zum eleganten Agenten umerzogen wurde, war er überzeugender. Robin Hood ist, egal wie man ihn „auffasst“, als Figur, als Mythos einfach zu stark – da reicht die Persönlichkeit von Egerton einfach nicht aus. Und, um es gleich zu sagen, seine Maid Marian ist in Gestalt von Eve Hewson dunkeläugig hübsch, aber sonst schon gar nichts.

Es geht in diesem Film auch nicht mehr um Robin und seine bunte Schar (und romantische Wälder, in denen man sich verbirgt, haben wir schon gar nicht): Aus Little John ist Jamie Foxx und ein arabischer Krieger geworden, den Robin bei den Kreuzzügen kennen gelernt hat: Kämpfe im Nahen Osten stehen am Beginn des Films, bevor man heimkehrt (wo Maid Marian gehört hat, Robin sei gefallen, und sich neu orientierte…). Die archaische Welt von Krieg in fernen Burgen, wo es außer Pfeil und Bogen offenbar schon automatische Armbrüste gibt, weicht einer Heimat, in der es keinesfalls gemütlicher zugeht. Da ist es dann Little John, der Robin geradezu zum Kampf gegen die Unterdrücker anwirbt…

Der Sheriff von Nottingham (Ben Mendelsohn) tyrannisiert die Bevölkerung als böser, sadistischer Demagoge („Ich bin hier das Gesetz“), er ist der negative Machtmensch, wie er im Buche steht und der die Angst genießt, die er erzeugt (was der Darsteller ein bisschen triefend überzeichnet). Der gierige Kardinal (F. Murray Abraham) hält mit, was nicht heißt, dass sich die beiden Mächtigen nicht auch gegenseitig an die Gurgel gingen. Und währenddessen verhungert das Volk. Keine Frage, dass die ernsthaften, vom politischen Bewusstsein getragenen Filmemacher da eher ihre bedeutungsschweren, in markige Sätze gekleideten Botschaften absetzen als das Publikum mit einer schönen, alten Geschichte unterhalten wollten…

Es ist ein – auch in der Optik – düster gehaltener Film, der viel vom Elend der einfachen Leute zeigt und auf die politische Aussage hinausläuft: Wie wehrt sich ein Volks gegen seine Unterdrücker? Kann Robin die Mächtigen austricksen, indem er sich scheinbar von ihnen kaufen lässt? Das mag als Problematik natürlich sehr heutig sein, ist aber vielleicht nicht ganz, was sich ein Kinopublikum von Robin Hood erwartet. So läuft es ja fast auf Etikettenschwindel hinaus.

Ja, so einfach, klar und schön wie bei Errol Flynn bekommt man alte Mythen in unseren trüben Zeiten nicht mehr geboten – da muss man sich schon mit einer schmutzigen, unromantische Geschichte von Unterdrückung und Widerstand, Terror und politischer Manipulation begnügen. Die noch dazu kaum filmischen Reiz besitzt.

Renate Wagner

 

 

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