
Filmstart: 25. Juni 2026
OBSESSION – DU SOLLST MICH LIEBEN
Obsession / 2025 / USA
Drehbuch und Regie: Curry Barker
Mit: Michael Johnston, Inde Navarrette u.<.
Achtung bei Wünschen!
Der junge Mann heißt „Bear“, hat aber gar nichts Bäriges an sich (Michael Johnston). Weit eher ist er ein schmales Handtuch, dem man ansieht, dass er sich für einen Verlierer hält. Er arbeitet mit einer Handvoll Gleichaltriger in einem Musik-Shop, und selbstverständlich ist er hoffnungslos in Kollegin Nikki (Inde Navarrette) verliebt, die ihn freundlich-gleichgültig links liegen lässt. Amerikanischer Alltag, wie er hunderttausendfach wohl vorkommt.
Und doch wird „Obsession“ von Curry Barker, der das Drehbuch schrieb und Regie führte, als einer der interessantesten Horrorfilme, die derzeit am Markt sind, gelobt. Weil hier Psycho-Horror in den Alltag eingreift, es aber auch eine irrationale Schiene gibt. Denn wenn Bear in einem seltsamen Shop eine Art Kapsel kauft, die verspricht, dass jeder Wunsch erfüllt wird, wenn man die Kapsel öffnet – was denkt er, wenn er möchte, dass Nikki ihn wahnsinnig liebt? Natürlich nur an ein paar romantische Stunden, in denen er einmal der Begehrte und nicht der hoffnungslos Begehrende ist.

Typisch für unsere Zeit allerdings, dass in manchen amerikanischen Kritiken Bears Wunsch als toxische Männlichkeit und Unterdrückung der Frau gelesen wird, wo es doch nur darum geht, einmal ein bißchen lieb gehabt zu werden…
Wie dem auch sei, Bear zahlt, das sei verraten, teuer für seinen Wunsch. Er hat Nikki zu ihrer Haustür gebracht, sie geht weg, er zerbricht die Kapsel – und von der Sekunde an herrscht Horror, der bis zum Ende des Films nicht aufhört. Nikki dreht sich um, steigt wieder bei Bear ein, bedrängt ihn, besteht darauf, mit ihm nach Hause zu fahren, verführt ihn und ist nicht mehr los zu bekommen…
Seltsam, dass niemandem aufgefallen ist, wie nah der Film eigentlich auf einer „Exorzist“-Ebene spielt, denn Nikkis Verwandlung – mit wilden Auf und Abs – gleicht der in eine Besessenheit, wie sie Exorzisten der Katholische Kirche vorfinden. Schrecken pur, Schritt für Schritt schlimmer werdend. Das kulminiert in einer Mordszene, die blanke Gänsehaut erzeugt. Und was tut ein normaler junger Mann, der sich nun auf einmal von den Krallen eines Wesens gewürgt sieht, dessen Gefühle er sich ganz, ganz anders vorgestellt hat?
So wie Nikki auf ihre Art, gerät Bear in eine andere Art von verzweifelter Besessenheit. Sicher, der Regisseur spielt mit dem „fatalen Requisit“, das tatsächlich Wünsche erfüllt (als ein anderer Geld will, regnet es endlos Dollar-Goldstücke). Aber tatsächlich geht es um die Frage, was man sich von Beziehungen wünscht – und wie schnell diese aus dem Lot geraten können (was ja im Leben gelegentlich auch ganz ohne Wunschkapsel passiert…).. Realer Horror sozusagen, zutiefst erschreckend, wie man es sich kaum vorstellen kann… Das Ungeheuerlichste aber ist der Mensch, wie es in etwa bei Sophokles heißt…
Rnate Wagner

