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Film: NUR EIN KLEINER GEFALLEN

06.11.2018 | FILM/TV, KRITIKEN

Filmstart: 9. November 2018
NUR EIN KLEINER GEFALLEN
A Simple Favor / USA / 2018
Regie: Paul Feig
Mit: Anna Kendrick, Blake Lively, Henry Golding u.a.

Zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, und doch so typisch für das Amerika von heute, in diesem Fall in einer Kleinstadt in Connecticut, wo viele Leute auch verdammt reich sind. Nicht allerdings Stephanie Smothers (Anna Kendrick, ein bisschen im Underdog-Look), allein erziehende Mutter. Sie rechtfertigt ihre Existenz mehr schlecht als recht als Video-Bloggerin (kurz Vlogg genannt), wo sie mit künstlicher Fröhlichkeit Kochrezepte und andere Banalitäten verscherbelt. Als sie bei der Schule Emily kennen lernt (Blake Lively, wie aus der Hochglanzzeitschrift), die total gestylte Blondine mit großer PR-Karriere in der Modebranche (chic!), die nicht nur auch einen kleinen Sohn, sondern noch einen tollen exotischen Mann dazu hat – wow! Der Gatte ist übrigens Henry Golding, der sich mit den „Crazy Rich Asians“ gleich an die Spitze katapultiert hat und nun dafür sorgt, dass neben Afroamerikanern und Latinos (eigentlich sind es ja eher die Latinas, die man auf der Leinwand sieht…) auch die Asiaten in Hollywoods Besetzungslisten mitzureden haben. Langsam klappt es ja mit der politischen Korrektheit und Ansätzen der Gleichheitsbehandlung…

So, wie diese Frauen einander als Gegensätze beäugen, hätte der Film von Paul Feig tatsächlich einen ernst zu nehmenden Ausgangspunkt – da könnte man konträre Lebensformen und situationsbezogenes weibliches Selbstverständnis analysieren. Aber zuerst bekommt man einen Krimi: gut. Emily bittet die hilfsbereite Stephanie, ihren Sohn (zusammen mit Stephanies eigenem) aus der Schule mitzubringen. Kein Problem. Bloß – Emily erscheint nicht, ihn zu holen, der Gatte ist auf Geschäftsreise. Und als er nach ein paar Tagen zurückkommt, ist klar: Emily ist verschwunden. Und, immer noch krimi-glaubwürdig, gibt es nach einiger Zeit eine verrottete Leiche. Und eine Lebensversicherung. Und nebenbei auch noch ein Verhältnis zwischen dem nicht untröstlichen Gatten und der leicht verführten Babysitterin… So weit, so gut.

Aber ist Emily wirklich tot? Ist sie das – die Stimme am Telefon? Da fühlte man sich allgemein an die „Gone Girl“-Geschichte erinnert, wo eine Frau ihre eigene scheinbare Ermordung inszeniert hat, aber von da an werfen Drehbuch und Regisseur alle Voraussetzungen weg, einen ernst zu nehmenden Film zu bieten. Auch wenn Paul Feig hundertmal als „Spezialist für Frauenkomödien“ (darunter die missglückten weiblichen „Ghostbusters“…) gilt, hier ist der Kopfsprung in den Blödsinn einfach zu schwachsinnig.

Das Auftauchen der Toten, der Versicherungsbetrug, das tolle Liebes-Haß-Rache-Dreieck – wer liebt wen, wer fällt wem in den Rücken, wer will wen umbringen, wer legt wen letztendlich herein, das wird zur komplett albernen Slapstick-Geschichte, wo das Geschehen in kreischendem Geblödel untergeht, jede Spannung verschenkt wird, jede Glaubwürdigkeit der Charaktere verjuxt. Und die Frage „Wer ist die Leiche?“ wird mit dem ältesten Trick der Welt beantwortet.

Wenn am Ende nur Kopfschütteln bleibt und die Erkenntnis, tu niemandem einen kleinen Gefallen und hole ja kein fremdes Kind von der Schule ab… dann hat man leider einen nur albernen Film hinter sich gebracht.

Renate Wagner

 

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