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Film: MOTHER MARY

Wenn die Dialoge vor Unnatur knirschen

23.05.2026 | FILM/TV, KRITIKEN

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Filmstart: 21. Mai 2026
MOTHER MARY
USA  /  2026
Drehbuch und Regie: David Lowery
Mit: Anne Hathaway, Michaela Coel u.a.

Wenn die Dialoge vor Unnatur knirschen 

Filmstars, die tatsächlich Schauspieler sind und nicht nur vor die Kamera gehaltene geschminkte Gesicher, haben Angst davor, auf die falsche Art erfolgreich zu sein – etwa als Komödienstars. Es ist nun auch schon ein erstaunliches Vierteljahrhundert her, dass die blutjunge Anne Hathaway auf der Leinwand „plötzlich Prinzessin“ wurde. Und eine Fortsetzung von „Der Teufel trägt Prada“, ebenfalls lockere Lustspielkost, ist derzeit in den Kinos. Dass sie einen Nebenrollen-„Oscar“ für ihre eindrucksvoll tragische Darstellung in der Musical-Vision von „Les Miserables“ erhalten hat, ist lange her. Da sieht man sich nach „Anspruchsvollem“ um – und kann das falsche Angebot wählen.

Das ist bei „Mother Mary“ zweifellos der Fall. Drehbuchautor und Regisseur David Lowery hat sich von einer Persönlichkeit wie Taylor Swift inspirieren lassen und sich überlegt, was wäre wenn… wenn der ultimative Popstar nach einem unerklärlichen Unfall seelisch am Ende wäre und auf eine ComeBackShow hinarbeiten müsste. Sein Star nennt sich „Mother Mary“, was blöd genug ist (aber man weiß ja, von den „Einstürzenden Neubauten“ bis zu den „Toten Hosen“, zu welchen idiotischen Bezeichnungen Pop-Gruppen greifen, um Aufmerksamkeit zu generieren). – aber religiöse Symbolik verkauft sich bekanntlich.  Keine drei Minuten lang erlebt man sie zu Beginn des Films in ihrer Show, tanzend, singend, Zentrum von Effekten und umjubelt von Fans. (Am Ende wird es längere Show-Szenen geben, und diese mögen für Taylor Swift-Fans etwa, die dergleichen lieben, ein Motiv darstellen, sich diesen Film anzusehen.)

Aber gleich danach ist Mary offstage mit wunderbar leerem Gesicht – niemand sage, dass Anne Hathaway keine große Schauspielerin ist. Aber ist ihr nicht aufgefallen, dass sie eigentlich den ganzen Film nicht viel anderes tun muss, als bedrückt und betröpfelt drein zu sehen?

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In dieser Krise geht sie – man versteht es nicht ganz – zu einer alten Freundin, die längst eine Feindin ist, denn irgendwann im Lauf ihres Weges zum Ruhm hat sie Sam Anselm, der sie ihre ersten tollen Kostüme verdankte (und jeder weiß, welche Rolle die Outfits in einer Show spielen) gewissermaßen liegen gelassen. Wie kann sie erwarten, freundlich aufgenommen zu werden, auch wenn sie sich noch so duckt? Und sie, der große Star, den angeblich alle lieben, sich sagen lassen muss: „People give a shit about you.“

Wenn Mary, glanzlos, mit strähnigem Haar, stets verstört ist, darf Michaela Coel als Sam durchwegs maliziös sein, boshaft lächelnd, gewissermaßen zufrieden, dass es der einstigen Freundin so schlecht geht. Was die beiden an Dialogen abliefern müssen, ist abstrus – so reden mit Sicherheit keine Menschen, so schreiben nur Drehbuchautoren, bei denen niemand mit gesundem Menschenverstand eingreift.

Kann Mary „geheilt“ werden, wenn Sam ihr für die nächste  Show das „ultimative“ Kleid entwirft und sie damit quasi erlöst? Das Duell der Frauen, die sich meist im Halbdunkel von Sams Atelier (ein Schuppen in der englischen Landschaft)  anstarren, nimmt aber noch eine Wendung ins Mystische – ist Mary, von schweren Träumen gequält, besessen? Regisseur David Lowery hat vor Jahren schon einmal eine „Ghost Story“ gedreht, wo es um ähnliche Problematik ging, und für Mary wird die Geschichte grausig, wenn man sich dergleichen selbst aus der Brust schneiden muss…

Bis man sich durch das ewige Gerede (die Kamera meist dicht auf den Gesichtern der beiden) bis zur finalen Show durchgekämpft hat (die Anne Hathaway mit aller Überzeugungskraft abliefert), beschert der Autor / Regisseur nicht einmal ein vernünftiges Ende. Sich das sensationell schöne Kleid vom Leib zu reißen und fast nackt auf seine Fans zuzuschreiten… ja und? Was wissen wir jetzt Tiefgründiges über das Seelenleben von Popstars und ihre Vereinnahme durch das Publikum?

Man versteht nicht wirklich, was mit all dem gemeint ist. Man versteht nur, dass der Film, dessen Budget vergleichsweise bescheidene 20 Millionen Dollar ausmachte, diese nie einspielen wird. Derzeit hält man bei drei Millionen Dollar, und Anne Hathaway muss einsehen, dass sie auf der Suche nach einer Herausforderung diesmal falsch entschieden hat.

Renate Wagner

 

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