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Film: MILA MEETS MOSES

25.10.2020 | FILM/TV, KRITIKEN

Filmstart: 30. Oktober 2020
MILA MEETS MOSES
Australien / 2019
Regie: Shannon Murphy
Mit: Eliza Scanlen, Toby Wallace, Ben Mendelsohn, Essie Davis u.a.

Natürlich gibt es Ausnahmen, aber grundsätzlich kann man sagen, dass der US-Film uns mit Klischees versorgt. Entweder mit den althergebrachten oder den „alternativen“. Da werden dann die schrägsten Kunsttypen als Realität auf die Leinwand gebracht, durchgemixt und letztendlich in der Sentimentalitäts-Suppe gekocht. Das steht uns demnächst in „Kajillionaire“ bevor und aktuell in „Mila Meets Moses“ – nur dass das ein australischer Film ist. Was an der Sache nichts ändert… (Und wieder einmal hat man einem Film (der hier im Original „Babyteeth“ heißt, weil die Heldin noch einen Milchzahn hat) für den deutschen Markt einen englischen Titel gegeben. Als ob man es nicht gewöhnt wäre.

Da steht Mila (Eliza Scanlenan) auf einem Bahnsteig, wird von einem wilden Gleichaltrigen fast (lebensgefährlich!) umgerannt. Dieser, er heißt Moses (Toby Wallace), kümmert sich um sie, als die Nasenbluten bekommt, haut sie aber gleichzeitig um Geld an. Sie sagt; Ja, aber…

Schnitt: Eine eher schäbige Wohnung. Eine Liege, eine Frau (Essie Davis) darauf. Ein Mann (Ben Mendelsohn) im Sessel. Eine Psychiater-Situation, allerdings gewissermaßen auf niedrigster Ebene. Er gibt ihr Pillen. Sie macht sich erotisch-lüstern an ihn heran. Eine Situation, die man erst später auflöst – die beiden sind nämlich verheiratet. Und Milas Eltern. Und die bringt den durch und durch schrägen Eltern, wo Papa seine Stellung für Jonglieren mit Medikamenten ausnützt, ihre neue Bekanntschaft ins Haus. Moses, den Stadtstreicher.

Nun erfahren wir alles: Dass Milas wechselnde (und nicht gut sitzenden) Perücken verbergen sollen, dass sie kahlköpfig und krebskrank in einem ziemlich letzten Stadium ist. Dass es den Eltern begreiflicherweise das Herz zerreißt, der Tochter nicht helfen zu können (Psychiater-Papa ist echt hysterisch, Mama weint viel). Und dass die beiden den nicht unbedingt sympathischen Moses akzeptieren, weil ihre Tochter offensichtlich verliebt ist… und sie ihr das erste und letzte Glück gönnen wollen. Der oft ruppig Moses hat jedenfalls die Unbefangenheit, eine Todgeweihte wie eine normale junge Frau zu behandeln.

Es ist schon starker Kitsch, dieses Coming of Age- und Absterbens-Geschichte zugleich, die Regisseurin Shannon Murphy hier auf die Leinwand gebracht hat, auf der Grundlage eines australischen Theaterstücks („Babyteeth“ von Rita Kalnejais). Der Kinobesucher wird, wenn er von nüchternem Naturell ist, die meiste Zeit nicht wissen, was er mit den Figuren anfangen soll. Pillenschlucken, Verrücktheit und Sentimentalität prägen das Geschehen, das mit Milas Tod endet: Moses wacht auf und sieht sie tot neben sich liegen.

Aber es gibt noch eine Rückblende, in der alle glücklich sind. Und Mila bittet die Eltern vorausschauend, sich um Moses zu kümmern, wenn sie einmal nicht mehr da sein wird. Wer da nicht heult… Der Film wurde u.a. bei den Filmfestspielen in Venedig 2019 gezeigt, und wenn er auch dort nicht gewann – es regnete allerorten Preise. Extremschicksale ziehen einfach immer.

Renate Wagner

 

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