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Film: MICHAEL

Nicht einmal andeutungsweise nahe gekommen

24.04.2026 | FILM/TV, KRITIKEN

Filmstart: 22. April 2026
MICHAEL
USA  /  2026
Regie: Antoine Fuqua
Mit: Jaafar Jackson, Juliano Valdi,Colman Domingo,
Nia Long u.a.

Nicht einmal andeutungsweise nahe gekommen

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Ob man ihn mochte oder nicht, in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kam man nicht um ihn herum: Michael Jackson war in den Medien omnipräsent. Und dabei schwebte immer ein Hauch von Rätselhaftigkeit und Tragik um einen Popstar, der so glitzernd verkauft wurde.

Jackson, Jahrgang 1958, starb 2009 fünfzigjährig an einer Überdosis Sedative. Wenn er nun, fünfzehn Jahre nach seinem Tod, auf der Filmleinwand aufersteht, tut er es quasi partiell – keine Spur von einem echten Biopic, das von einem echten Menschen erzählen würde. Vielmehr Schlaglichter aus einem Leben, in denen mehr ausgespart als erzählt wird.

Was sieht man? Joseph Jackson, eine Art Übervater (dem Colman Domingo teilweise tatsächlich dämonische, aber immer strikt egozentrische Züge verleiht), der nicht weniger als zehn Kinder hatte und diese mit der Entschlossenheit eines Zirkusdirektors auf die Bühne jagte. Eine Show-Familie, wobei er den Nachwuchs auch mit Prügel bedachte, wogegen die Mutter (Nia Long, Warmherzigkeit verströmend), obzwar erschüttert, nichts tat oder nichts tun konnte. Schnell stellte sich der kleine Michael als Star der Truppe heraus – Darsteller Juliano Valdi ist auch ein extrem entzückendes Kind.

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Man folgt der Mini-Show-Karriere der Familie von Jahr zu Jahr, bis Michael „entdeckt“ wird. Nun nimmt er die Gestalt von Jaafar Jackson an, ein Neffe von Michael, der einen Vorteil und zwei Nachteile hat. Der Vorteil besteht darin, dass er in den Show-Szenen als Sänger (?) und jedenfalls als Tänzer durchaus reüssieren kann, wenn man sich auch schwer täte, ihm wirklich die Faszination des Originals zuzuschreiben. Sein Nachteil: Sein Aussehen ist so androgyn, dass man immer wieder das Gefühl hat, eine Frau zu sehen – und seine schauspielerischen Fähigkeiten sind beschränkt.

Aber er muss ja auch nicht viel tun. Was erlebt man schon, außer dass der Vater ihm lebenslang im Nacken sitzt und den erfolgreichen Sohn als Geldmaschine betrachtet? Und dass der arme, edle Michael sich von der Familie nicht wirklich emanzipieren kann? Oder dass er mit traurigem Blick in einer Zeitschrift einen weißen Jungen ansieht, Schnitt, in der nächsten Szene beim Arzt sitzt und sich die Haut aufhellen lässt. Dass dies noch oft geschah, inklusive zahlreicher Operationen, die ihn am Ende entstellten – nichts davon. Ein paar Szenen mit weißen Managern, aber nichts über seinen Anteil an den Shows, an der Musik, sein kreatives Potential. Der kleine Schreckschuss durch seinen schweren Unfall 1984 (und Vaters Sorge, ob sein Goldesel wohl wieder auf die Bühne kann. Er konnte.) Nichts über Jacksons Ehen (die erste immerhin mit der Tochter von Elvis Presley), er ist hier ein absolut sexloses Wesen, nichts über seine zunehmende Exzentrik und den verrückten Lebensstil auf der Neverland-Ranch, schon gar nichts über die Schatten seines späteren Lebens durch Mißbrauchsvorwürfe. Der Film endet mit einer Showszene und verkündet, dass es immer so weiter ging…

Die gebotenen Handlungsfetzen machen Michael Jackson  als Figur und Menschen nicht wirklich begreiflich, sie dienen nur als Verbindung von einer Show-Szene zur anderen. Hier hat man sich optisch um etwas wie eine Entwicklung bemüht – geändertes Outfit, geänderte Show-Elemente, aber immer wieder das hemmungslos kreischende Publikum. Das stimmt zumindest, sonst hat sich Regisseur Antoine Fuqua nicht wirklich ausgezeichnet. Möglich allerdings, dass ihn die Nachlassverwalter des „Jackson Estate“ davon abgehalten haben, einen wirklichen Film über Michael zu machen, der um einiges interessanter gewesen wäre…

So ist es ein unglaublich flacher Film geworden, und woher das österreichische Prädikat „wertvoll“ kommt, kann man nicht einmal vermuten. Eine belangslose Stationengeschichte, die letztendlich nichts erzählt. Seltsam.

Renate Wagner

 

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