Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

Film: MEETNG THE BUDDHA

Im Banne eines Glaubens

23.09.2026 | FILM/TV, KRITIKEN

film buddha meeting t cche buddha plakat~1

Filmstart: 25. September 2026 
MEETNG THE BUDDHA
Großbritannien, 2025
Dokumentarfilm von Marta György-Kessler
Im Banne eines Glaubens

Die Tibeter bringen dem jeweiligen „Karmapa“, dem höchsten Lama des tibetischen Buddhismus, geradezu göttliche Ehren entgegen. Dass er auch ein Mensch sein kann, der aus seinem Tibet auswandern musste (wie ja auch der Dalai Lama), dieses Schicksal hat den 16. Karmapa, Rangjung Rigpe Dorje (1924–1981). das Oberhaupt der Karma Kagyü-Linie, einer der vier Hauptschulen des tibetischen Buddhismus. getroffen. 1959 wich er dem Druck der Chinesen und ging zuerst ins Exil in Sikkim, dann  in den Westen.

Dass er geradezu ein „Botschafter“ seiner Religion beinahe in der ganzen Welt wurde, dankte er auch seinen „Jüngern“, die von seiner Lehre so glühend durchdrungen waren, dass sie einen großen Teil ihres Lebens bis zu ihrem Tod in den Dienst des Karmapa und der Verbreitung des Buddhismus stellten.

Es handelte sich dabei um das dänische Ehepaar Hannah und Ole Nydahl, die – damals noch im fröhlichen Hippie-Modus – 1969 dem 16. Karmapa trafen, was ihr Leben total veränderte. Der Dokumentarfilm der Ungarin Marta György-Kessler erzählt auch sehr viel von den beiden, die gewissermaßen zu den Botschaftern des Buddhismus in aller Welt wurden. Marta György-Kessler selbst war den Nydahls eng verbunden, hat durch sie 1990 den Buddhismus kennen gelernt, den sie seither lebt, reiste jahrelang mit den beiden, und hat bereits einen Film über Hannah (2007 verstorben) gedreht.

Das nunmehrige große Projekt, „Meeting the Buddha“, ist zu einem Requiem des  im Mai 2026 verstorbenen Ole Nydahl (der zu einem „Lama“, einem spirituellen Lehrer aufgestiegen war),  geworden, der mit seiner Frau hunderte von buddhistischen Meditationszentren in aller Welt gründete und so die Lehre verbreitete.

Da die Regisseurin auf das engste mit den Nydahls und solcherart auch mit den Aktivitäten des 16. Karmapa verbunden war, der nach seiner Flucht aus Tibet ein äußerst aktives „Werbeleben“ für den Buddhismus führte, kann sie auf eine Unmenge von authentischem Material zurück greifen, das dem Film die Länge von knapp zweieinhalb Stunden anschwellen ließ.

Einen kritischen Ansatz darf man nicht suchen – hier berichten Gläubige über ihren Glauben, und zahllose Interviews berichten von Menschen, die erzählen, wie der Glaube ihr ganzes Leben erfüllt.

Man lernt in vielen Ausschnitten den meist sehr „weltlich“ wirkenden 16. Karmapa kennen, der auf Nicht-Gläubige eher wie ein höchst charismatischer Guru wirken kann, der allerdings tatsächlich eine große westliche Anhängerschaft inspirierte –  aus dem einfachen Grund, weil das Bedürfnis nach Spiritualität  gerade im rationalen Westen so groß ist und die Katholische Kirche es nicht befriedigen kann. (Juden oder Moslems werden keine Kandidaten für den Buddhismus sein, sie haben eine Religion, an die sie sich anhalten können).

Es ist ein Film, der sich aus tausenden Teilchen zusammen setzt, nostalgisch, enthusiastisch, in viele Richtungen hin aufschlußreich. Und wer selbst zur Esoterik neigt, mag sich an manchen Stellen ergriffen

fragen, was an diesem Buddhismus so viele Menschen so glücklich macht.

Renate Wagner

 

Diese Seite drucken