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Film: MASTER CHENG IN POHJANJOKI

26.07.2020 | FILM/TV, KRITIKEN

Filmstart: 30. Juli 2020  
MASTER CHENG IN POHJANJOKI
Mestari Cheng / China, Finnland / 2019
Mit: Pak Hon Chu, Anna-Maija Tuokko, Lucas Hsuan u.a.

Was macht ein Chinese in Lappland? Na, er sucht einen alten Freund. Nur dass niemand in dem Ort Pohjanjoki (gibt es den wirklich?) etwas mit dem Namen anfangen kann, den er beharrlich wiederholt. Nun ist Mr. Cheng (Pak Hon Chu) aus Shanghai mit seinem kleinen Sohn Nunjo (Lucas Hsuan) irgendwo im sehr nördlichen Nirgendwo und weiß nicht, was er anfangen soll. Glücklicherweise gibt es ein Café, das von Sirkka (Anna-Maija Tuokko) geführt wird. Da kann er wenigstens vorläufig unterschlüpfen…

Ja, und dann kommt es in dem Film von Mika Kaurismäki (der Bruder von Aki) absolut genau so, wie man es sich vorstellt. Glücklicherweise ist der sympathische Chinese Koch, und essen muss man überall auf der Welt. Als eine Busladung Touristen hier im fernen Lappland, dem letzten Eck von Finnland, einbricht, ist Sirkka froh über jede Hilfe (sie hätte nämlich nur Würstchen mit Kartoffeln zu bieten, und das mögen die Gäste nicht so sehr) – und Cheng seinerseits froh darüber, etwas tun zu können und schmackhafte Gerichte aus seiner Heimat zu servieren.

Und wenn Sirkka das unkleidsame Kopftuch abnimmt – verwandelt sie sich ganz schnell in eine attraktive nordische Blondine! Die beiden Menschen aus verschiedenen Kulturen nähern sich zart und schüchtern an einander an, kein grobes Hauruck. Und der kleine Junge, dem sie gegen den Willen des Vaters ein Fahrrad schenkt, ist nach und nach weniger traurig. Und irgendwann ist man beim Happyend, und es ist wenig geschehen… Gesprochen wird Finnisch, Mandarin und, glücklicherweise, als Lingua Franca zwischen den Fremden, Englisch, da kann auch der durchschnittliche Kinobesucher mit.

Man erfährt ein wenig über Chengs Vergangenheit (dass er nach dem Tod seiner Frau sein Restaurant verkauft hat und zu seinem finnischen Freund reist, der ihm einst Geld geborgt hat, ist nur vage glaubhaft), über Sirkka Pech mit Männern, und rundum beobachtet die bäuerliche Mitwelt, die sich in Sirkkas Café einfindet, neugierig das ungleiche Paar… Und eine Aufenthaltserlaubnis gewinnt sich am besten durch eine Eheschließung, nicht?

Mit solcher Dürftigkeit, behübscht mit schöner Landschaft, muss man sich schon zufrieden geben, und man müsste dem Regisseur eigentlich sagen, dass er einen arg kitschigen Aufguß von x-mal behandelten Motiven geliefert hat. Wie schön alles ist, wenn Fremdsein nicht abgewiesen, sondern angenommen wird, versteht sich, klappt nur im normalen Leben nicht so gut, und dass zwei Menschen gleich so für einander geschaffen sind, steht auch eher in Drehbüchern –und die völkerverbindende Kraft von gutem Essen wurde schon oft besungen (man darf auch beim Kochen zusehen, was das Publikum – man denke an die Beliebtheit von Kochsendungen – ja bekanntlich gerne tut).

Das ist Wohlfühlkino, wie es im Buch steht, das tut der Seele gut, ohne wirklichen Anspruch zu stellen. Man wundert sich nicht, dass der Film 2019 bei den Nordischen Filmtagen in Lübeck mit überwältigender Majorität den Publikumspreis bekommen hat. Weil man sich wünscht, dass das Leben so wäre…

Renate Wagner

 

 

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