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Film: MARTY SUPREME

Hetzjagd als Selbstzweck

25.02.2026 | FILM/TV, KRITIKEN

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Filmstart: 26. Februar 2026
MARTY SUPREME
USA  /  2025
Drehbuch und Regie: Josh Safdie
Mit: Timothée Chalamet, Gwyneth Paltrow u.a.

Hetzjagd als Selbstzweck

Es gibt Berufe, die Berufungen sind. Bei diesen reicht etwas Begabung und etwas Fleiß nicht aus. Dazu muss man mit unerschütterlicher Leidenschaft und Willenskraft dahinter sein. Nur wer eisern entschlossen ist, bringt es im Sport in die erste Reihe. Und Marty Mauser will unbedingt Weltmeister im Tischtennis werden.

Sportlergeschichten auf der Leinwand sind meist Erfolgsgeschichten. Man bekommt – meist attraktiv  dargeboten – natürlich die Mühe im Kampf vorgesetzt, aber am Ende winkt der ersehnte Erfolg. Das funktioniert in allen Sportarten.

Aber der Film von Regisseur Josh Safdie ist anders. Erstens geht es nicht um eine so spektakuläre Sportart wie Formel 1, Tennis oder Boxen, sondern um Tischtennis, was von vielen achselzuckend als „Ping Pong“ gar nicht ernst genommen wird. Und zweitens ist die Geschichte von Marty Mauser weniger heldenhaft (und schon gar nicht bewundernswert) als – erschreckend. Weil seine Rücksichtslosigkeit oft kriminell wird. Und auch, weil schonungslos gezeigt wird, wie im Sport getrickst wird, um Wetten zu manipulieren. Vielleicht sagt man einmal nein – und bettelt beim nächsten Mal um eine Chance…

Man begegnet dem anfangs durchschnittlich wirkenden jungen Mann zu Beginn als Verkäufer  im Schuhgeschäft seines Onkels. Keine sehr befriedigende Tätigkeit, in den Schachtelwänden nach den richtigen Größen und Farben zu suchen. Marty, den brennender Ehrgeiz treibt, sieht seine Zukunft nur im Tischtennis. Und man begleitet ihn nun durch zweieinhalb gehetzte Stunden, die auf den Zuseher bald wie eine Hetzjagd als Selbstzweck wirken, obwohl es Marty ist, der sich selbst wie besessen immer weiter treibt.

Dabei wird nicht nur klar, was er (auch an gelinde gesagt Unkorrektem) bereit ist, für sein Ziel zu tun, inklusive eine Affäre, von der er sich etwas erhofft (nach lange Zeit wieder Gwyneth Paltrow auf der Leinwand), sondern auch, wie er sich behandeln, ja demütigen lässt – da gibt es schreckliche, beklemmende Szenen, in denen auch Martys Judentum eine Rolle spielt.

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Man ist in den 1950er Jahren, was dem Film ein nostalgisches Image verleiht, erzählt wird nach dem realen Vorbild von Marty Reisman, der in der Tischtenniswelt eine große Rolle gespielt hat, aber was an dem wilden, handlungsmäßig etwas chaotischen Film beeindruckt ist natürlich Timothee Chalamet in der Titelrolle. Nicht nur, dass er buchstäblich seit Jahren trainiert hat, um die Sportszenen glaubhaft zu bringen, er fasziniert in der manischen Gehetztheit der Figur. Es gab bereits den „Golden Globe“, die Chancen auf den „Oscar“ stehen nicht schlecht. Auch wenn der Film selbst trotz mancher packender Momente so besonders gut nicht ist…

Renate Wagner

 

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