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Film: LOVE MACHINE

27.01.2019 | FILM/TV, KRITIKEN

Filmstart: 1. Februar 2019
LOVE MACHINE
Österreich / 2018
Regie: Andreas Schmied
Mit: Thomas Stipsits, Claudia Kottal, Adele Neuhauser, Katharina Strasser, Julia Edtmeier, Ulrike Beimpold u.a.

Dieser Film ist gefährlich. Er könnte in Männern jüngeren, aber auch mittleren Alters den Eindruck erwecken, es sei ganz einfach, ein Call Boy zu werden, und die Damen würden sich überschlagen, ihnen die Hunderter zuzuwerfen. Ganz so einfach kann es wohl nicht sein – so, wie es offenbar eine schwere Kunst ist, ein leichtes Lustspiel zu erzeugen, das der Mühe wert ist. Immerhin gelingt es Thomas Stipstis schon zum zweiten Mal (nach „Baumschlager“, 2017), im Mittelpunkt einer äußerst überflüssigen österreichischen Komödie zu stehen, die vermutlich nur ihren Machern lustig vorgekommen ist – und die mit ihrem Humor im doppelten Wortsinn unter die Gürtellinie zielt.

Es geht um den Georg „Georgy“ Hillmaier, einen Lebenskünstler, der keiner ist, der sich als Eventunterhalter mühsam durchs Leben g’frettet und mit leeren Händen da steht, als sein Musiker-Gefährte stirbt. Freilich, im Kino ist das nicht so aussichtslos wie im wirklichen Leben – wenn unser eigentlich recht zernepfter Held in der Bar von einer nicht mehr ganz jungen Dame (Barbara Schöneberger) abgeschleppt wird und am nächsten Tag nackt in ihrer Wohnung aufwacht. Sie ist weg, aber es ist offenbar ihr Gatte, der ihm ein paar größere Scheine in die Hand drückt. Schön wär’s, wenn es im Leben so einfach wäre wie im Film…

Im sehr schlichten Drehbuch von Silvia Wohlmut, das sich Regisseur Andreas Schmied weiter bearbeitet hat, läuft stante pede alles bestens. Die Schwester (Julia Edtmeier) arbeitet in einem Beautysalon, der in Ulrike Beimpold zwar eine sehr bissige Chefin, aber auch eine Menge frustrierter, betuchter, mittelalterlicher Ladies als Kundinnen hat. Ein bisschen schön machen, Fotos fürs Internet (den Busch unten scheren…), und schon geht’s los.

Wenn das jetzt nur eine Parodie auf das wäre, was alles in einem Drehbuch passieren kann … Adele Neuhauser als esoterische Lesbe, die ihrer „Dualseele“-Freundin das Erlebnis eines Mannes vermitteln will, schießt da den Vogel ab. Das Ergebnis von zwei Viagra ohne Entladung: Priapismus. Die Ärztin (Lilian Klebow) tätigt im Spital im Bett einen kleinen Georgy-Ritt und hilft aus…

Freilich, dass Stipsits-Gattin-im-Leben Katharina Straßer unbedingt mitspielen musste, damals hoch schwanger, weshalb der Callboy zum Geburtshelfer werden muss, ist ein Gewaltakt. So wie manches andere auch (Dame verrenkt sich bei Tätigkeit das Gebiß, er nimmt auch Schaden, beide landen im Spital), wo man sich fragt, was da so witzig sein soll – oder lässt sich über Geschmack doch streiten?

Aber unser Georgy (Dschórd-schí, wie man auf Wienerisch sagt) ist ja für seinen Job doch nicht geeignet, denn er verliebt sich in die Schwester seines verstorbenen Kollegen – und die Liebesgeschichte, die er und Claudia Kottal als Jadwiga hinlegen müssen, leidet weder an Glaubwürdigkeit noch an Überzeugungskraft. Allerdings, wenn sich am Ende herausstellt, dass sie eine Voyeurin ist, er also seinen lukrativen Job behalten darf… dann fragt man sich, für wen ein Film dieser Art gemacht wird.

Und wer auf die Idee kommt, in Thomas Stipsits – mit der absoluten Durchschnittlichkeit in Erscheinung, Habitus, Sprache – einen möglichen Callboy zu sehen. So etwas wurde einst von einem jungen, elegischen Richard Gere gespielt. Sind wir mit einem österreichischen Film so weit von männlichen Qualitätsstandards entfernt?

Renate Wagner

 

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