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Film: HOW TO MAKE A KILLING – TODSICHERES ERBE

In England war es amüsanter…

07.04.2026 | FILM/TV, KRITIKEN

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Filmstart: 9. April 2026
HOW TO MAKE A KILLING – TODSICHERES ERBE
How to Make a Killing  /  USA  /  2026
Regie: John Patton Ford
Mit: Glen Powell, Margaret Qualley. Ed Harris u.a.

 

 

 

In England war es amüsanter…

Wer das „Pech“ hatte (das natürlich keines ist), sich kürzlich wieder einmal „Adel verpflichtet“ angesehen zu haben (damals als Vorbereitung für die Theaterversion in der Scala), der hat es mit dem Remake „How To Make A Killing“ nicht gänzlich leicht. Denn weder der trockene britische Humor des Originals ist nachahmbar, noch der unwiederholbare Clou, dass Alec Guiness damals nicht nur den Mörder seiner Familie gespielt hat, sondern auch alle sieben seiner Verwandten, die er ins Jenseits beförderte.
Darauf lässt sich das Remake von John Patton Ford vernünftigerweise gar nicht ein, wäre auch in der Wirkung nie zu erzielen gewesen. Die Handlung hält sich (bis auf das Ende) zwar ziemlich genau an das Vorbild, ist aber von den englisches Adelslandsitzen in ein heutiges USA-Millionärsmilieu umgesiedelt worden.

Die Dramaturgie ist ähnlich – Becket Redfellow, wie er hier heißt, sitzt in der Todeszelle (wegen eines „Mordes“ übrigens, den er gar nicht begangen hat) und erzählt einem zunehmend erstaunten Priester sein Schicksal. Wie seine Mutter das unerwünschte Kind eines Musikers nicht abtreiben ließ, folglich von der millionenschweren Familie enterbt wurde, dies nie verwunden hat und verarmt am Totenbett den Sohn schwören lässt, sich sein Recht zurück zu holen.

So einfach geht das nicht, wenn sieben Onkeln und Cousins und eine Tante zwischen ihm und dem Geld des Großvaters stehen. Aber einfallsreich weiß er zumindest, dass die besten Morde jene sind, die man nicht erkennt, weil sie Unfällen so täuschend ähnlich sehen. Dass jemand auf seiner einsamen Yacht leider über Bord fällt. Oder dass – und das ist trickreich – man sich mit keinem Wachpersonal der Welt davor schützen kann, dass die falschen Zähne mit Gift versetzt werden…

Die Kurzauftritte der Mordopfer, die allesamt ziemlich  unsympathisch sind, dienen nur der Unterhaltung und liefern keine besonderen Leistungen. Bis auf eine Ausnahme: Als der böse Großvater legt Ed Harris eine herrlich stoische, hintergründige Nummer hin. Man kann sich auch vorstellen, dass er wittert, was der Enkel da getan hat – und was er noch vorhat. Auch Opa stirbt, noch ein Begräbnis in der Familiengruft.

Wie viele Männer hat auch Becket sein Problem mit den Frauen: Die harmlose (Jessica Henwick als Ruth) wird auf jeden Fall durch das berechnende Luder ausgetrickst (Margaret Qualley, eben erst eindrucksvoll in „Blue Moon“, als Inbegriff toxischer Weiblichkeit mit hohem Kino-Klischee-Faktor).

Die Schlußpointe des Originals, wo der Held seiner Hinrichtung wohl nicht entgehen wird, existiert hier nicht, aber man kann sich die Zukunft von Becket auch nicht so rosig vorstellen, wie er es sich mit seinen geschickten Morden zu „erarbeiten“ gehofft hat…

Es ist der Film des Becket Redfellow-Darstellers Glen Powell, den man vor drei Jahren in einer ähnlichen Rolle ähnlich witzig in „A Killer Romance“ wahrgenommen hat. Mit seinem  sympathischen Allerweltsgesicht mit verschmitztem Lächeln kann er den braven Durchschnittsmann imaginieren, dem niemand etwas Böses zutrauen würde. Er schreitet mit größter Selbstverständlichkeit (und im Gespräch mit dem Priester auch äußerstem Selbstbewusstsein) durch seine Morde und lässt selten ein Innehalten oder gar schlechtes Gewissen aufkommen. Man hat das dumpfe Gefühl, dass es solche Menschen gibt, die ihre Abgründe hinter einer ach so nichtssagenden Fassade verstecken…

Kurz, wegen Glen Powell, und ehrlich gesagt nur wegen ihm, kann man sich zwei sonst eher belanglose, halblustige Kinostunden geben. 

Renate Wagner

 

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