
Filmstart: 8. Oktober 2026
HOPE
Originaltitel 호프 / Südkorea / 2026
Drehbuch und Regie: Na Hong-jin
Mit: Hwang Jung-min, Jung Ho-yeon u.a.
Alien-Zirkus, koreanisch
Seit Jahren machen südkoreanische Filme im Westen von sich reden, wenn es auch keiner so weit gebracht hat wie „Parasite“, der als erster ausländischer Film überhaupt den Haupt-„Oscar – Bester Film“ für sich entscheiden konnte. Das war allerdings eine bitterböse, brillante Sozial-Komödie.
Wenn nun von dem koreanischen Film „Hope“ seit seinem Cannes-Auftritt in hohem Maß (und auch höchst kontrovers) die Rede ist, so hat man es diesmal mit einem irren Genre-Mix zu tun, da mischen sich Action-, Katastrophen-, Survival-, Horror-, Sci-Fi und gleichzeitig Gegenwarts-Reality und schließlich Alien-Movie zusammen, das ziemlich lang (mehr als zweieinhalb Stunden) eine durchaus fesselnde und immer wieder witzige Geschichte erzählt – und das bei faktisch eigentlich dürftiger Handlung..
Diese spielt, so der Titel, rund um eine Kleinstadt am Meer, die „Hope“ heißt, in der Nähe von Nordkorea (der böse Bruder-Nachbar, vor dem man sich im Süden sicher nicht ohne Grund fürchtet). Ein Polizist fährt seines Weges durch schöne Landschaft, die einem bald nicht mehr so friedlich vorkommen wird. Er wurde von Wilderern zu einer ziemlich grausigen Entdeckung, dem Fund einer scheußlich zerfetzten Tierleiche, gerufen. Was ist das? Vorläufig kann man nur raten…
Und von nun an – ja, jetzt wird der Film zur Jagd, was sich auch in der atemberaubenden Schnelligkeiten von zahllosen Autofahrten spiegelt. Denn nun entdeckt Polizist Bum-seok Dörfer, die gewaltig und brutal zerstört wurden (da haben die Ausstatter des Films Spektakuläres geleistet), während Leute, die im Wald leben, schon einige Zeit wissen, dass da etwas nicht stimmt.
Lange ist Regisseur Na Hong-jin, der sich auch das Drehbuch ausgedacht hat, damit beschäftigt, einfach die Atmosphäre von Unsicherheit und Angst zu zeichnen, wobei einzelne Alltagsfiguren durch das Geschehen stolpern, die durchaus humoristisch wirken.

Wenn nach einer Dreiviertelstunde des Rätsels Lösung präsentiert wird, dann ist man in der bekannten Geschichte „Aliens sind auf die Erde gekommen“, man sieht sogar einmal kurz ein offenbar abgestürztes Raumschiff. Ist die erste Begegnung dieser dritten Art fast menschlich, wenn auch riesengroß und dürr, mit langem Zottelhaar und übernatürlichen Kräften ausgestattet, so verwundert (zumal in den Wäldern) die Vielfalt der Alien-Erscheinungen, die überall hervor brechen und optisch oft gar nichts miteinander zu tun haben. Wenn man bedenkt, dass wir Menschen zwar verschiedene Hautfarben haben, aber im Grunde von der Physiognomie her gleich aussehen, können die Designer hier ihrer Phantasie freien Lauf lassen – man weiß nichts, also ist alles möglich.
Hat man sich gewundert, was das westliche Kino-Spitzenpaar Michael Fassbender und Alicia Vikander in dem Film zu tun hat (bestenfalls hätte man erwartet, ihnen als erschrockenen Touristen zu begegnen), so machen sich die beiden den Spaß, am Ende als besondere Aliens zu erscheinen (die originalen Gesichter sind so o la la zu erkennen). Sie ist eine superdürre, ziemlich nackte, mit Stacheln besetzte Art von Fürstin, er zwar würdevoll, aber komplett demütig ihr gegenüber. Was die beiden sollen, weiß keiner, aber der Film ist ja nicht auf Logik angelegt.
Es gibt auch keine „Handlung“ in dem Sinn, dass man um einzelne Personen etwa bangen würde, denn außer Bum-seok (Hwang Jung-min), der in seinem Entsetzen manchmal richtig drollig und nie ein Held ist, lernt man eigentlich nur noch seine junge Kollegin kennen. In dieser Sung-ae (Jung Ho-yeon) brodelt hingegen das Adrenalin, sie kann gar nicht wild genug um sich schießen und sich gar nicht schnell genug Auto- Wettrennen mit den Alien-Monstern liefern. Wenn diese auch ziemlich schwer zu erledigen sind – manche erwischt man doch.
Dass sie (die Aliens nämlich) am Ende des doch recht langen Films weg sind, darauf kann man nicht hoffen. Hope ist nicht angesagt. Aber brillant gemachtes, rasantes Kino, das sich um keine tiefgründigen Aussagen bemüht, sondern den Unterhaltungsfaktor des Schreckens herrlich auf die Spitze treibt.
Renate Wagner

