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Film: GURU

Eine „moralische“ Geschichte

06.08.2026 | FILM/TV, KRITIKEN

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Filmstart: 7. August 2026 
GURU
Gourou  /  Frankreich  /  2026
Drehbuch und Regie: Yann Gozlan
Mit: Pierre Niney, Marion Barbeau, Anthony Bajon u.a.

Eine „moralische“ Geschichte

Angst, Unsicherheit, innere Zwänge. Früher, als noch gelesen wurde, sind Verfasser von Lebensratgebern reich geworden. Heute läuft das medial – oder auch life. Es ist die Stunde der Gurus, die in perfekt showmä0ig aufgeputzten Veranstaltungen den Menschen einreden, dass sie alles können – und sie gar in kollektiven „Urschreien“ erlösen… Gekonnte Massensuggestion, sonst  nichts.

Sie sind Prediger und Entertainer zugleich, kurz „Gurus“, und einer davon ist das spektakuläre Zentrum des französischen Films „Guru“, der sich ganz auf seinen Hauptdarsteller Pierre Niney konzentriert, der angeblich auch an der Idee des Films, den Yann Gozlan geschrieben und inszeniert hat, beteiligt war.

„Guru“ Mathieu Vasseur, „Matt“ für alle Fans, ja Anbeter dieses Lebenshilfe-Coaches, wird auf dem Höhepunkt seines Erfolgs gezeigt. Er beutet die Sehnsucht der Menschen nach Rat, Hilfe und Erlösung von ihren Problemen aus, und er tut es nicht einmal zynisch, sondern auch zur Befriedigung seines Egos. (Dass man nebenbei viel Geld verdient, wird kaum thematisiert.)

Es könnte immer so weitergehen, umschwärmt, erfolgsverwöhnt, bewundert, eingebettet in ein hilfreiches Team, dem auch seine hübsche blonde Frau (Marion Barbeau) angehört, die aber als Mensch so gut wie keine Rolle spielt.

Man hat dem Film vorgeworfen, dass das eigentliche Thema – der Betrug an den Unglücklichen, die quasi um Hilfe schreien – eigentlich am Rande bleibt (in einer Episode mit Anthony Bajon erfährt man, dass es schief gehen kann, wenn man sich zu sehr an den Guru klammert). Tatsächlich bietet der Film aber vor allem die Analyse vom Untergang eines Erfolgreichen, dem man den Boden unter den Füßen wegzieht.

Denn irgendwann fragen sich die Behörden, mit welcher Ausbildung, welcher Berechtigung Matt da eigentlich als „Massen-Psychologe“ agiert, und da stellt sich heraus, dass der Schulabbrecher nie etwas gelernt, sondern nur (immerhin ein Akt der Selbstoptimierung) entdeckt hat, wie sehr er Menschen mitreißen und beeinflussen kann.

In unserer Medienwelt wird dergleichen in Fernsehshows diskutiert, so Matt dann zu mancher Lüge greift (und seinen soliden Bruder – Christophe Montenez – entsetzt), wo auch die Sozialen Medien schnell mit agieren und schließlich auch seinen Mitarbeitern Zweifel kommen.

Der Film verweilt immer wieder auf dem eindrucksvollen, nuancenreichen, Stadien der Emotionen auf und ab spielenden Gesicht von Pierre Niney, der in Frankreich ein Star ist, hierzulande aber erst vor zwei Jahren in der Titelrolle des „Grafen von Monte Christo“ aufgefallen ist. Nach „Guru“ wird man ihn nicht vergessen – wie er eine an sich negative Figur so balanciert, dass man sogar Mitleid mit ihm hat, wenn er hoffnungslos in die Enge betrieben wird.

Vor allem am Ende. Da schafft er es, nach Las Vegas zu seinem Idol, dem Guru-Showmaster und Brutalo-Influencer Peter Conrad (Holt McCallany) in dessen Show eingeladen zu werden. Da ist er schon ein gebrochener Mann, dem jegliches Selbstvertrauen abhanden gekommen ist, der vor dem Auftritt vor Nervosität erbricht – und dann, auf der Bühne nichts zu sagen weiß…

Schnitt, Ende. Dass Kritiker dies als Möglichkeit interpretiert haben, er könne sich doch noch erfangen und in Amerika ein Star werden, ist absolut nicht einzusehen. Hier wird eine „moralische“ Geschichte bis zum Ende der ultimativen Bestrafung erzählt…

Das Ganze ist ein Psychothriller, der von seinem Star lebt. Und auf dessen Präsenz, Können und Ausstrahlung ist Verlass.

Renate Wagner

 

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