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Film: GLENNKILL: EIN SCHAFSKRIMI

Schafe zum Verlieben

12.05.2026 | FILM/TV, KRITIKEN

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Filmstart: 14. Mai 2025
GLENNKILL: EIN SCHAFSKRIMI
The Sheep Detectives  /  USA  /  2026
Regie: Kyle Balda
Mit: Hugh Jackman, Emma Thompson, Nicholas Braun, Molly Gordon u.a.
Österreichisches Prädikat: Sehenswert

Schafe zum Verlieben

Selten hat ein Film, der rein äußerlich wie eine Familienkomödie mit sprechenden Tieren daherkommt (na, wenn schon, denkt man, war schon oft da), so viel Resonanz erhalten. Und das zurecht. Denn die Geschichte der „Sheep Detectives“, wie sie im Original heißt, ist etwas Besonderes – weil sie nämlich so viel auf einmal ist.

Einmal ein digitales Kunststück. Die Schafherde, die Schäfer George inmitten einer riesigen grünen Wiese im schönen Irland am Rande des Dorfes Glennkill hütet (er wohnt in einem Wohnmobil mitten drin), ist nämlich keine übliche. Schon optisch. Nicht ein Schaf wie das andere, sondern kein Schaf wie das andere. Die Schöpfer dieser Herde sind mit unendlicher Phantasie vorgegangen, eine Vielfalt von Tieren zu kreieren, die es möglicherweise in der Natur nicht gibt, die aber ein herrliches, buntes Schauspiel bieten.

Und außerdem können sie – wie man es ja von Disney gewohnt ist, keine Überraschung also – reden. Und folglich auch denken. Und einige kommen dem Publikum im Lauf der Handlung als Individuen so nahe, dass man sie wie menschliche Partner im Geschehen wahrnimmt – und solche Geschöpfe soll man essen? Die Idee, hier ein paar Vegetarier im Publikum zu schaffen, steckt sicher hinter diesem Projekt, das auf dem zwanzig Jahre alten Bestseller von Leonie Swann basiert und von Regisseur Kyle Balda liebevoll betulich, aber nie dumm in Szene gesetzt wurde.

Schäfer George ist natürlich ein ganz Guter. Für ihn sind die Schafe nur für die Wolle da (was die Fleischhauer in seinem kleinen Ort natürlich ärgert). Und im übrigen als Gefährten (er nennt sie „the kindest animals on earth“), die ihn schlechtweg glücklich machen. Und die er nicht nur liebevoll versorgt und hätschelt, sondern denen er abends auch immer aus seiner Lieblingslektüre, Kriminalromanen, vorliest. Dass die aufmerksam lauschenden Tiere alles verstehen  und im Anschluß untereinander diskutieren, wer wohl der Täter sein könnte, das weiß George allerdings nicht.

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Gespielt wird er herzerquickend sympathisch von Hugh Jackman, der allerdings so bald tot auf der Wiese liegt, dass er vermutlich keine zehn Minuten auf der Leinwand war. In der Folge laufen zwei Handlungen parallel. Da ist zuerst die der verwirrten, „kriminalisierenden“ Schafe, aus denen sich ein aktives Quintett von Ermittlern herausschält (und wie immer bei „Zeichentrick“ leisten die Sprecher Tolles an Charakterisierung) – absolut bezaubernd übrigens, wie philosophisch die Schafe bei ihren Überlegungen und Erkenntnissen (auch über Menschen) werden können…

Der zweite Teil der Handlung spielt unter den Menschen im kleinen Dorf, wo sich der Klatsch (natürlich) bei dem harschen Postfräulein (Hong Chau) zentriert. Der nette, aber strohdumme Dorfpolizist namens Tim Derry (Nicholas Braun) ist mit dem Fall völlig überfordert (und braucht Hilfe der Schafe…), er hält sogar die eben eingetroffene Amerikanerin Rebecca Hampstead (Molly Gordon) des Mordes für fähig. Ein kurzer, aber glanzvoller Auftritt von Emma Thompson als hoch süffisanter Anwältin putzt das Menschengeschehen auf.

Aber das Publikum ist am glücklichsten darüber, dass am Ende die Existenz der liebenswerten Schafe gesichert ist… Und sich auch wieder jemand findet, der ihnen vorliest…

Renate Wagner

 

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