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Film: EDISON – EIN LEBEN VOLLER LICHT

26.07.2020 | FILM/TV, KRITIKEN

Filmstart: 31. Juli 2020
EDISON – EIN LEBEN VOLLER LICHT
The Current War / USA / 2017
Regie: Alfonso Gomez-Rejon
Mit: Benedict Cumberbatch, Michael Shannon, Nicholas Hoult u.a.

Zweifellos war Thomas Alva Edison (1847 – 1931) ein Vermarktungsgenie, denn bei nur durchschnittlichem Wissen zum Thema Naturwissenschaften hätte man geschworen, der Mann hat die Glühlampe erfunden. Dem war nicht so, allerdings hat er auf den Gebieten von Elektrizität und Elektrotechnik Bedeutendes geleistet (und leider geht auch der Elektrische Stuhl auf ihn zurück). Dieser Film zeigt nun, wie Edison als starker Kämpfer in eigener Sache dafür gesorgt hat, dass die Welt um seine Verdienste weiß, während man den Namen seines Konkurrenten Westinghouse zwar auch, aber nur sehr vage kennt.

Bedenkt man, dass die Reihe der „Bio-Pics“ über historische Persönlichkeiten überbordet, stellt sich die Frage nach der Darstellbarkeit von Schicksalen. Wie stellt man einen Wissenschaftler-Streit zwischen den 1880er und 1890er Jahren dar, der sich um die Benützung von Gleichstrom, wie ihn Edison propagierte, oder Wechselstrom, von Westinghouse bevorzugt, dreht? Sicher, die Konkurrenz von entschlossenen Männern mit Format funktioniert grundsätzlich, aber dieser Film „zündet“ rund um die Glühlampen und das „Erleuchten“ der Welt, nicht wirklich.

Auch hält man Edison – man muss sich nur seine Fotos ansehen – für einen starken, bulligen Amerikaner, und die Besetzung der Rolle mit Benedict Cumberbatch, so brillant er grundsätzlich ist, wird nicht einsichtig, ist er doch ein so schmaler, so europäischer Intellektuellen-Typ, nicht der amerikanische Kämpfer, wie man ihn sich vorstellt. Michael Shannon als George Westinghouse bekämpft ihn wacker und ist eigentlich die sympathischere Persönlichkeit von den beiden. Jeder der Herren hat eine Frau zur Seite, wobei die leidenschaftlich beteiligte Marguerite Westinghouse (Katherine Waterston) es mit ihrem Gatten besser getroffen hat als Mary Edison (Tuppence Middleton). Sie und ihre Kinder sind für ihren Gatten nicht so wirklich wichtig, wenn er sich besessen seiner Erfindung – und deren Verwertung widmet. (Immerhin, er spielt auch einmal mit seinem Sohn…)

Der Film von Regisseur Alfonso Gomez-Rejon, der hier kein wirkliches Händchen für Dramatik zeigt, stammt bereits aus dem Jahr 2017, und eigentlich bestand kein Grund, ihn hier hervorzuholen. Er bietet nicht die „Nachhilfestunde“ über das Leben und Werk von Edison, wie man sie etwa in „Marie Curie“ bekommen wird, und das, was er zeigt, ist nicht so richtig spannend. Hier Edison, sein Assistenten Samuel Insull (Tom Holland) und sein Geldgeber J.P. Morgan (Matthew Macfadyen), die Manhattan erleuchten wollen, dort der Konkurrent Westinghouse mit dem interessanten Nikola Tesla (Nicholas Hoult) … und dann geht’s halt darum, welchen Strom man verwendet.

Darum heißt der Film im englischen Original auch „The Current War“, sprich: Der Stromkrieg. Wer sich schon in der Schule für Physik nicht begeistert hat, wird sich wahrscheinlich auch hier nicht unbedingt begeistert zeigen… Da nützt es auch nichts, dass die US-Welt am Ende des 19. Jahrhunderts opulent eingefangen ist. Immerhin, um auch Positives zu sagen: Denken wir daran, dass die Herren unser Leben „erhellt“ haben und welch ungeheure Leistung die Bändigung des Stroms nach den Jahrtausenden schwachen, flackernden Lichts von Kerzen, Öl und Gas dargestellt hat.

Renate Wagner

 

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