
Filmstart. 11. Juni 2026
DISCLOSURE DAY – DER TAG DER WAHRHEIT
Disclosure Day / USA / 2026
Regie: Steven Spielberg
Mit: Emily Blunt, Josh O’Connor, Colin Firth u.a.
Einmal geht’s noch?
Steven Spielberg hat große und wichtige Filme gemacht – aber er hat auch eine Vorliebe für sinistere Themen (um nicht „Trash“ zu sagen): für recht alberne Indiana-Jones-Abenteuer, für Dinosaurier und immer schon für Außerirdische. Schon 1977 bescherte er die „Unheimliche Begegnung der dritten Art“, und mit „E,T,“ hat er 1982 die Kinomassen erzittern lassen.
Nun wird Spielberg heuer 80, und selbst wenn er so unermüdlich ist wie Clint Eastwood, muss er sich künftige Projekte überlegen. Vor vier Jahren hat er mit „The Fabelmans“ einen klassischen (und wirklich schönen) Altersfilm über seine Familie und seine Jugend gemacht. Und nun ist er mit „Disclosure Day“ tatsächlich noch einmal in die Welt der Aliens zurück gekehrt, an deren Existenz auf unserer Erde er übrigens (wie er in Interviews erklärte) unerschütterlich glaubt…
Allerdings darf man von diesem Film keine kuscheligen Aliens wie E.T. erwarten, tatsächlich sieht man nur gegen Ende der sehr langen (zweieinhalb Stunden) Geschichte rudimentär einige davon. Es geht eher darum, ob man an ihre Existenz glaubt oder nicht. Dazu hetzt Spielberg erst einmal sehr, sehr lange Zeit zwei Paare auf der Flucht durch die Gegend.
Da ist Daniel (Josh O’Connor), der geheimes Material von der Wardex Corporation gestohlen hat, die für das Verheimlichen der Tatsache zuständig ist, dass es Aliens auf der Welt geben soll (siehe die Rosswell-Ereignisse, ein angeblich 1947 abgestürztes UFO mit Besatzung, von den US-Behörden unter den Tisch gekehrt, wenn’s wahr ist). Daniel und seine Freundin Jane (Eve Hewson) fliehen u.a. in ein Kloster, werden aber später getrennt, denn er muss sich ja mit der wahren Heldin der Geschichte zusammen tun.

Das ist die Fernsehjournalistin Margaret Fairchild (Emily Blunt), die immer nur das Wetter präsentieren darf. Als ein roter Vogel auf ihren Eßtisch flattert, geht eine seltsame Veränderung mit ihr vor und sie kann vor der Kamera nur noch stammeln und eine fremde Sprache sprechen. Als Wardex diese als „außerirdisch“ identifiziert, ist es auch für sie an der Zeit, die Flucht zu ergreifen, anfangs mit ihrem Lebensgefährten Jackson (Wyatt Russell), der später auch dramaturgisch verloren geht.
Der „Bösewicht“, vor dem beide Paar flüchten, ist Wardex-Chef Noah Scanlon in Gestalt von Colin Firth, der interessant gealtert ist und auch in diesem so amerikanischen Spektakel seinen britischen Tonfall behalten hat. So wie Margaret (und irgendwann Jane) hat auch er Fähigkeiten, die man als „psychic“ bezeichnen kann, und das hilft dem Kunterbunt-Drehbuch, wo man wirklich nicht immer weiß, wie das zu dem kommt (Löcher in der Logik in großem Stil).
Dabei hat der Film, der gar nicht besonders spannend ist, nur eine wirklich spektakuläre Szene (man glaubt, dass dies eine volle Woche lang gedreht wurde und das 116 Millionen Dollar-Budget belastet hat) – wenn das Auto von Margaret und Daniel von einem Verfolger an einen Zug geschoben und von diesem seitlich horrormäßig so lange mitgeschleppt wird, bis die beiden sich (jenseits jeglicher möglicher Überzeugungskraft) daraus befreien können…
Als sie bei einer Whistleblower-Sekte landen, die von Hugo Wakefield (Colman Domingo) geführt wird, können sich Margaret und Daniel (jetzt wird es arg kitschig) an ihre Kindheit erinnern, als sie von Aliens entführt wurden, da wandern in der Erinnerung auch Tiere durchs Kinderzimmer (es ist Spielberg, wen wundert es), und wenn man Aliens zu Gesicht bekommt, die teils wie solche aus Sci-Fi-Heften aussehen, aber irgendwie auch wohl absichtsvoll an Migranten erinnern, kann sich Spielberg wieder sein Lob als empathischer Menschenfreund abholen, der er zweifellos ist.
Sein Film möchte nun die Wahrheit verkünden (Margaret darf es im Fernsehen statt des Wetterberichts in die Welt senden) – sie sind unter uns. Ja, vielleicht. Aber in „Men in Black“ waren sie unterhaltsamer als in dieser doch irgendwie schwerfälligen Spielberg-Version.
Renate Wagner

