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Film: DIGGER

Ein „Oscar“ für den Dicken?

03.10.2026 | FILM/TV, KRITIKEN

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Filmstart. 1. Oktober 2026
DIGGER
USA / 2026
Regie:
Alejandro González Iñárritu
Mit: Tom Cruise, Sandra Hüller u.a.

Ein „Oscar“ für den Dicken?

Warum entstellen sich attraktive Schauspieler für eine Rolle? Natürlich, um einen „Oscar“ zu bekommen. Bei der bildschönen Nicole Kidman ist das beispielsweise voll aufgegangen, als sie sich in die total hässliche Virginia Woolf verwandelte. Nun, Jahrzehnte später, versucht es ihr Exgatte Tom Cruise. Der war ja auf der Leinwand wirklich immer schön. Nun saß er stundenlang unter den Händen der Maskenbildner, um sich in Digger Rockwell  zu verwandeln, den gewissenlosen Ölmagnaten. Und das in einem Film, der viele Gegenwartsthemen verhandeln könnte, aber eigentlich nur höherer (oder niedrigerer) Unsinn geworden ist.

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Ein Mann, den man auf Anhieb nicht erkennt, liegt in seinem Luxusbett und streichelt sein weißes Kätzchen. Wenn er aufsteht, muss man noch immer zweimal hinsehen, um in diesem unappetitlichen Fettsack Tom Cruise zu erkennen, der damit ein echtes Risiko eingeht – denn so wollen ihn seine „Mission Impossible“-Fans nicht sehen. Aber vielleicht hat ihn die Rolle interessiert?

Denn dieser Ölmagnat Digger Rockwell gibt schon was her. Man könnte sich vorstellen, dass die ordinären Superreichen, die sich für die Herren der Welt halten, sich genau so benehmen – als brüllende Proleten, die meinen, immer ihren Willen durchsetzen zu können.

Und tatsächlich – da lässt Tom Cruise die Sau raus, wenn er hören muss, dass seine Ölbohrungen in Grönland (! Man fragt sich, ob der Film vor oder schon nach Trumps Grönland-Ambitionen gedreht wurde) eine Katastrophe ausgelöst haben und sich ein Eisblock gigantischen Ausmaßes auf die USA zubewegt. Keinerlei Entsetzen darüber übrigens, was man da angerichtet hat (die Toten, die bei der schief gegangenen Sprengung gewissermaßen als Collateral Damage angefallen sind, etwa). Nur – wie erzählt man es`?

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Digger hat eine Schwester, die zwar nicht oft auftaucht, aber wenn, dann ist sie mehr als präsent, denn sie ist Sandra Hüller (erinnert an die junge Jodie Foster), die in Sprache und Habitus so amerikanisch wirkt, wie man es sich nur vorstellen kann. Und die dem Brüderchen rät, einfach das Narrativ zu ändern. Also muss Digger Rockwell die Katastrophe „verkaufen“ – dem Präsidenten (ein total eingefallener, fast gruftiger John Goodman), den Institutionen, wo er herumbrüllt (alle brüllen hier meistens), schließlich dem Publikum, dem er sich sogar in einer Theatershow  stellt. Die Leute applaudieren – setzen Gasmasken auf und gehen in eine verwüstete, überschwemmte Stadt hinaus…

Das Thema ist zu ernst, sollte man meinen, um es so grausam zu verulken, wie es Regisseur Alejandro González Iñárritu über zwei Stunden lang im besten Kubrick-Kopier-Stil tut, in – zweifellos bewusst – konfuser Erzählweise.  Schließlich geschieht hier auf der Leinwand alles, wovor die Klimaaktivisten warnen. Und sich dann nur anzusehen, wie die widerliche herrschende Klasse es sich richtet? Im Stil einer Groteskkomödie, die alles Ekelhafte dieser Welt hochspült?

Vielleicht ist das auch ein Weg, damit umzugehen. Immerhin, die Presse, zumal die amerikanische, hat kaum ein gutes Haar an dem Film gelassen (obzwar einige über die Wandlung von Tom Cruise vom schönen amerikanischen Helden zum hässlichen Amerikaner  erstaunt waren). Eine kleine Pointe am Schluß: In Österreich erhielt „Digger“ das Prädikat „wertvoll“…

Renate Wagner

 

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