Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

Film: DIE REICHSTE FRAU DER WELT

Komödie mit Beigeschmack

07.05.2026 | FILM/TV, KRITIKEN

724c98882a c3d6faf 1600 1600 f 80~1

Filmstart:  8, Mai 2026  
DIE REICHSTE FRAU DER WELT
La Femme la plus riche du monde  /  Frankreich  /  2026
Regie: Thierry Klifa
Mit: Isabelle Huppert, Laurent Lafitte,Marina Foïs, Raphaël Personnaz u.a.

 

 

Komödie mit Beigeschmack

Wir armen Durchschnittsmenschen sollen ja immer damit getröstet werden, dass Reichtum auch nicht glücklich macht (wir würden es gerne einmal probieren). Aber Geschichten von „poor rich girls“ gibt es im Leben zweifellos viele (ob Onassis, Hutton, Guggenheim). Die satirische französische Komödie „Die reichste Frau der Wetl“ ist dem Schicksal von Liliane Bettencourt (1922-2017) nachempfunden, als Besitzerin des L’Oreal-Imperiums Milliardärin und tatsächlich zu ihrer Zeit die reichste Frau der Welt. Liest man ihre Biographie bei Wikipedia nach, wird klar, dass so viel Geld kein Honiglecken sein muss, wenn die liebe Familie bereit ist, es der Mama abzujagen, sobald sie sich unbotmäßig benimmt…

In dem Film von  Thierry Klifa heißt sie Marianne Farrère, steht an der Spitze eines Kosmetikimperiums und lebt inmitten ihrer Familie ein Luxusleben in Paris, wobei – ehrlich gestanden – von allen Leuten, die sie da umgeben, ihr um sie besorgte Butler Jerome (Raphaël Personnaz) die sympathischste und ehrlichste Person sein dürfte…

So „toll“ das Leben scheint, aufregend ist es nicht, bis einmal der Fotograf Pierre-Alain Fantin (Laurent Lafitte)  auftaucht, um Madame für ein Modemagazin zu fotografieren. Er schmeichelt, schmiert und schleimt sich in ihr Leben, dass er jeder vernünftigen Frau im Publikum (und erst recht jedem vernünftigen Mann) schwer verdächtig vorkommen muss. Und ja, es stellt sich heraus, dass dieser Parasit wirklich eine üble Erscheinung ist, nicht nur, weil er auch cool seinen schwulen Freund in Mariannes Leben mitbringt, aus dem er sich nicht mehr entfernen lässt.

film reichste frau die reichste 104~1

Aber – er macht sie endlich lebendig, fröhlich und glücklich. Isabelle Huppert, die zeigt, wie gut man jenseits der 70 aussehen kann (man hat gelesen, dass sie in dem Film 70 verschiedene Designer-Outfits trägt, schon diese sind für die Frauen ein Argument, sich diesen Film anzsehen). Und wie Marianne aufblüht. Und wenn man Milliarden hat, wen stört es, diesem an sich nutzlosen Mann, der ihre stocksteife Familie so hilflos macht, Millionen in den Hintern zu stecken?

Nun, die Tochter (Marina Foïs), die mit distanziertem, verbittertem Gesichtsausdruck durch den Film geht, stört es sehr. Wie im wahren Leben, wo  Mutter und Tochter Bettencourt vielfach gegen einander vor Gericht standen, erlebt man die familiäre Bitterkeit auch hier (wie immer, wenn es ums Geld geht). Seltsam offen bleibt das Ende. Lacht Marianne? Oder macht sie vielleicht Schluß? Schwer zu sagen.

In Frankreich war der Film ein großer Erfolg, Kunststück, hat Liliane Bettencourt dort ja auch wegen ihrer Spenden an rechte Politiker Aufsehen (und natürlich Entrüstung)  erregt. Nach der Premiere in Cannes im Vorjahr ist der Film nun doch noch in unsere Kinos gekommen. Isabelle Huppert lohnt immer einen Besuch, wenn die Geschichte auch gewissermaßen einen schäbigen Beigeschmack hat.

Renate Wagner

 

Diese Seite drucken