
Filmstart. 29. Oktober 2026
DIE BLUTGRÄFIN
Österreich, Luxemburg, Deutschland / 2026
Regie: Ulrike Ottinger
Mit: sabelle Huppert, Birgit Minichmayr, Thomas Schubert,´Lars Eidinger, André Jung, Karl Markovics,Tom Neuwirth u.v.m.
Worüber zwei alte Damen kichern
Elfriede Jelinek, zu ihrem Achtziger von allen Medien pflichtschuldig gefeiert, ist nicht nur in Wien an zwei Theaters und im Kino mit dem Film „Liebhaberinnen“ präsent. Sie hat auch (gemeinsam mit der Regisseurin) das Drehbuch zu „Die Blutgräfin“ verfasst, was allerdings kein ganz frisches Werk ist. Sie und Filmemacherin und Allround-Performance-Künstlerin Ulrike Ottinger (die noch vier Jahre älter ist als die Jelinek) haben angeblich schon seit den neunziger Jahren an dem geschrieben, was sich heute als ultimativer Vampir-Trash präsentiert. Die Formel, „Was lange währt, wird endlich gut“, kann man hier allerdings guten Gewissens nicht anwenden.
Denn da kichern sich zwei alte Damen durch eine an sich äußerst hässliche Geschichte, weil sie das Morden offenbar so lustig finden. Die „Blutgräfin“ gab es wirklich, sie hieß Elisabeth Báthory, lebte von 1560 bis 1614 und bietet wohl eines der hässlichsten Beispiele in der Linie weiblicher Verbrecherinnen. Die reiche ungarische Gräfin wurde zu Lebzeiten des mannigfaltigen Mordes für schuldig gesprochen und in einem ihrer Schlösser bis zu ihrem Tod gefangen gehalten. Und wenn auch später (vor allem von ungarischer Seite) Bemühungen laut wurden, sie als Opfer Habsburgischer Ranküne darzustellen, gibt es wohl kaum Zweifel an ihrer Schuld und der ihrer Schergen, die junge Mädchen anlockten, folterten und töteten,
Wir, vierhundert Jahre danach, sind auf Dokumente angewiesen, die stimmen können oder nicht, Tatsache ist, dass die Dame, die sich zur Verjüngung ihrer Haut angeblich gern mit dem Blut der jungen Mädchen gewaschen haben soll, bald in die Welt der Vampirmythen eingegangen ist. Und dort haben Elfriede Jelniek und Ulrike Ottinger sie hervorgeholt und in ein Wien von heute versetzt, das allerdings total gestrig ist. Und auf jeden Fall und vordringlich eine der vielen typisch Jelinek’schen Verhöhnungen…

Die Gräfin, immer ganz in Rot, begibt sich nicht zuletzt auf eine Touristen-Tour (vielmehr tun das die Filmemacherinnen) – in der Seegrotte in der Hinterbrühl beginnt es, da fährt die blutrote Dame, aus ihren Vampirschlaf wieder einmal erwacht, in Wien ein. Und der Kinobesucher erlebt mit ihr dieses verquere, verbogen gezeigte Wien – das Wien der Inneren Stadt, das Wien der Kaffeehäuser und Hotels, Nationalbibliothek und Narrentum, letztlich das Wien des Praters und des Riesenrads, und einen Ausflug zum nach wie vor so Habsburgisch wirkenden Heldenberg macht man auch und stört die letzte Ruhe von Feldmarschall Radetzky,
Die Handlung ist darauf angelegt, einen Unsinn nach dem anderen aufzufädeln, wobei die Gräfin selbst gar kein Profil gewinnt, sondern bloß (ganz in Rot wie gesagt, sonst würde man sie vielleicht gar nicht bemerken) gelegentlich da ist (und sich vampirisch am Hals einer jungen Frau betätigt).
Auf der Jagd nach einem geheimnisvollen Buch (eine wahre Drehbuch-Novität…) treten auf: Ihre unheimliche Getreue seit Jahrhunderten, die Zofe Hermine; ihr vegetarischer (!) Neffe mit dem Namen Baron Rudi Bubi von Strudl zur Buchtelau (daher serviert ihm Frau Hawelka in ihrem Kaffeehaus persönlich die Buchteln) – ein Name übrigens, für den sich die Schöpferinnen schon ein wenig genieren sollten, wie billig wollen sie es noch geben?
Aber weiter so – da ist ein weitgehend funktionsloser Therapeut namens Theobald Tandem; da sind zwei verblödete Vampirologen namens Theobastus Bombastus (nein, nicht von Hohenheim, denn Paracelsus hatte nichts mit Vampiren zu tun, van Swieten schon eher) und Nepomuk Nachbiss; und wir haben auch noch einen Inspektor Unglaube, keinen Geringeren als Radetzky selbst (mit dem denkbar blödesten „Wienerisch“), einen Feldmarschall von Wimpfen, einen Geheimrat Leichenbitter, und Conchita Wurst ist wohl er / sie selbst, denn er / sie selbst darf am Heldenberg einen Wurst-Song abdrücken. Wer all dies am Ende lustig findet, dem ist nicht zu helfen.
Offenbar ist genug Fördergeld geflossen, um diesen ultimativen Vampir-Trash, der sich da entfaltet, mit ersten Namen zu bestücken. Allerdings wirkt Isabelle Huppert als Gräfin so gelangweilt und unbeteiligt, als hätte sie zu spät entdeckt, worauf sie sich mit dieser Rolle eingelassen hat, und wolle nur noch ihre Gage fürs Dabeisein kassieren. Birgit Minichmayr, am Burgtheater vernachlässigt, seit der neue Star Stefanie Reinsperger alles spielt, muss wohl an Filmrollen auch nehmen, was man ihr bietet. Dass hier noch nach und nach bekannte Gesichter wie jenes von Lars Eidinger, Karl Markovic, Andre Jung, Burghart Klaußner u.a. auftauchen, ist reine Verschwendung. Man verlangt ihnen allen nur niveauloses Geblödel ab.
Nein, Ironie ist das nicht! Und Scherz, Satire und tiefere Bedeutung schon gar nicht. Nur das Gekicher zweier alter Damen, die so berühmt sind, dass die huldigenden, Verständnis heuchelnden Kritiken nur so fließen…
Renate Wagner

