
Filmstart: 29. Arpil 2026
DER TEUFEL TRÄGT PRADA 2
The Devil Wears Prada 2 / USA / 2026
Regie: David FrankelMit: Meryl Streep, Anne Hathaway, Emily Blunt, Stanley Tucci u.a.
So kurz sind zwanzig Jahre…
Es gibt so viele Filme (und so viele schlechte noch dazu), dass letztendlich nur wenige im Gedächtnis bleiben. „Der Teufel trägt Prada“ von 2006 gehört mit Sicherheit dazu, Eigentlich der Film der strahlend jungen und umwerfend begabten Anne Hathaway als Andy, Assistentin einer Mode-Chefredakteurin, die das titelgebende „Monster“ ist, hat man doch vor allem Meryl Streep in dieser brillanten Rolle in Erinnerung behalten. Unabdingbar zum Team gehörten damals noch Emily Blunt als Konkurrenz-Assistentin und Stanley Tucci als Mann für alles bei der Zeitschrift „Runaway“, die der „Vogue“ nachgebildet war (wie Chefin Miranda der legendär-berüchtigten Anna Wintour, basierend auf einem Roman von Lauren Weisberger, die ihre eigenen Erfahrungen schilderte).
Eigentlich wäre man nicht auf die Idee gekommen, dass etwas, das einst in sich so perfekt war, unbedingt eine Fortsetzung braucht. Schon gar satte zwanzig Jahre danach. Aber wenn sich das Schauspieler-Quartett von einst mit David Frankel, dem Regisseur von einst, zusammen tat, standen die Chancen gut. Mit dem Vorgängerfilm kann es der neue zwar nicht aufnehmen, dazu hat er zu wenig Tempo und zu wenige nebenbei fallen gelassene Pointen, auch die Story ist nicht wirklich stark und spannend. Aber als Fan das Originals wird man sich, schon der Schauspieler wegen, die Fortsetzung nicht entgehen lassen.
Das „Wunder“ des neuen Films besteht darin, dass die vier Protagonisten wirken, als wären sie erst gestern in Teil 1 erschienen – Meryl Streep, mittlerweile zweite Hälfte 70, sieht ebenso unverändert aus wie die einst jungen Damen, die ohne äußere Anzeichen von Mitte 20 zu Mitte 40 mutiert sind (dabei hat man gerade Anne Hathaway schon in ältlichen Mutterrollen gesehen – hier ist sie von ungebrochener jugendlicher Frische). Bei den Männern ist der Altersunterschied nicht so tragisch – der herrliche Stanley Tucci ist nach wie vor der herrliche Stanley Tucci.
Dass die Zeiten sich verändert haben, bringt das Drehbuch ein – 2006 standen die Sozialen Medien erst vor der Tür, heute spielen Smartphones ihre übliche Rolle (wenn auch gerade die Sozialen Medien kaum in das Geschehen eingreifen). Der Diversität wird Rechnung getragen, Miranda hat eine indische Assistentin (Simone Ashley), Andy bekommt eine chinesische (Helen J. Shen). aber das sind reine Alibi-Funktionen, keine der Rollen ist irgendwie entwickelt, auch jene von Lucy Liu nicht, auch wenn sie mit ihrem Reichtum am Ende dramaturgisch wichtig wird…
Aber die Story ist wirklich nicht die Stärke des Films. Andy, mittlerweile Journalistin, hat ihren Job verloren und bekommt glücklicherweise das Angebot, bei „Runaway“ zu arbeiten, das auch nicht mehr ist, was es einst war. Dass Miranda selbst vor einem Laptop sitzt, wäre vor zwanzig Jahren undenkbar gewesen, ebenso die demütigende Tatsache, dass sie ihren Manel nicht mehr der Assistentin hinschleudern darf, sondern selbst aufhängen muss. Dass der alte Chef stirbt und der neue sofort Sparmaßen einführt, beschert ihr die schreckliche Erfahrung, im Flugzeug wie gewöhnliche Leute in der Business-Klasse sitzen zu müssen…
War man im ersten Film bei der Fashion Week in Paris, ist man nun in Mailand (was sogar einen Blick auf Leonardos „Letztes Abendmahl“ ermöglicht), es werden allerlei Intrigen in Gang gesetzt, die den Kinobesucher allerdings wenig berühren, bis die Geschichte zuletzt alle Happy Ends aufeinander häuft, so dass alle, alle sich ganz, ganz lieb haben…

Merly Streep darf das Monster Miranda menschlicher machen als im ersten Film, sie kann natürlich auch das, obwohl sie als weitgehend unreflektierte „Bösewichtin“ um einiges stärker war. Als neuer Mann an ihrer Seite liefert der große Kenneth Branagh einen Nebenrollen-Auftritt, von dem man sich wirklich nicht erklären kann, wieso er das nötig hat.
Emily Blunt genießt die ewige Andy-Konkurrentin als Giftspritze geradezu, und Stanley Tucci spielt einen so wunderbaren Menschen, dass man sich nur wünschen könnte, so jemandem im wirklichen Leben zu begegnen.
Und Anne Hathaway ist wieder eine der wunderbarsten Schauspielerinnen unserer Zeit, sie differenziert ihr zutiefst anständiges, anteilnehmendes Wesen mit allen Nuancen in alltäglichen Situationen. Ihr Zusammenspiel mit den Kollegen ist kostbar, und darum sollte man über Defizite des Drehbuchs und Mängel an witzigem Tempo nicht meckern, sondern sich an den Schauspielern erfreuen.
Renate Wagner

