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Filmstart: 20. März 2026
DER ASTRONAUT – PROJECT HAIL MARY
USA / 2026
Regie: Phil Lord, Chris Miller
Mit: Ryan Gosling, Sandra Hüller u.a.
Freundschaft mit der Stein-Krabbe
Ja, die Menschheit ist derzeit wieder einmal dabei, ernsthaft ins Weltall aufzubrechen. Wenn das allerdings in Büchern oder im Kino geschieht, sind wir immer noch in der Welt von Sci-Fi, des Abenteuers, der überbordenden Phantasie, ja, der Verrücktheit. Stellenweise denkt man, wenn man „Der Astronaut – Project Hail Mary“ sieht (und bei über zweieinhalb Stunden Laufzeit hat man Muße dafür), ob man unter den Verrückten gelandet ist. Oder ist es einfach Entertainment, in dem vor allem die digitale Technik zeigen kann, was sie kann? Andererseits erlebt man diese Könnerschaft langsam von Film zu Film, so dass das Erstaunen schon einer Routine des Schauens gewichen ist…
Andy Weir, der schon mit „Der Marsianer“ (einst auch verfilmt mit Matt Damon) berühmt geworden ist, hat mit seinem dritten Roman die Grundlage für diesen Film geliefert. Wenn der Held der Geschichte im Weltraum erwacht und langsam sein Gedächtnis wieder findet… Ja, ja, es fing so menschlich an. Da ist Ryan Gosling als Ryland Grace einfach ein lockerer Lehrer, den seine Kids ganz gerne mögen. Und ausgerechnet dieser scheinbare Durchschnittsmann, der sich allerdings dann als kompetenter Molekularbiologe erweist, soll die Welt retten? Findet sich in einem Raumschiff irgendwo, weil angeblich unser Sonnensystem aufgefressen wird und man etwas dagegen tun muss?
Überraschung für den hiesigen Kinobesucher – in dieser US-Produktion, die Mainstream zur Potenz ist, taucht plötzlich Sandra Hüller auf, von der man meinte, sie sei nur für anspruchsvolle Problemfilme zuständig. Wenn man Glück hat, landet man im Internet dann bei einem Interview mit ihr zu diesem Film. Und da findet sie das Ganze sehr wichtig… na ja, man muss ja seine Gage auch mit passenden Presseauftritten verdienen.
Wenn Gosling also im Weltraum herumdüst, kommt es zu der Begegnung, die offenbar sogar harte Filmkritiker gerührt hat. Das ist ein Steinwesen, das wie eine Krabbe aussieht, aber auch seinerseits ein Wissenschaftler ist (!). Und mit Ryland Grace, der ihn „Rocky“ tauft und lernt, mit ihm zu kommunizieren, so richtig Freundschaft schließt. Kennt man – wie viele seltsame, komische Aliens, angefangen von E.T., hat man nicht schon erlebt? Eben. Wieder einmal sagt man uns mit erhobenem Zeigefinger, dass es nichts Fremdes gibt, mit dem man nicht Freundschaft schließen kann…
Das ist teils rührend, teils lustig – mehr brauchen die Regisseure Phil Lord und Christopher Miller nicht, um das Projekt „Hail Mary“, das nichts mit Religion, eher mit einem Himmelfahrtskommando zu tun hat, für ein nicht allzu anspruchsvolles Publikum aufzubereiten. Sie entfesseln ein verrücktes Bilder-Feuerwerk, das einfach nur überwältigen soll und es tut. Dazu ein hübscher Hauptdarsteller, der betroffen-dumm oder auch dramatisch dreinsehen kann, und eine deutsche strenge Herrin mit dem schroffen Namen Eva Stratt. Ja, und die Steinkrabbe natürlich. Alles brav und politisch korrekt.
Und – die Welt geht nicht unter. Noch nicht. Vorläufig noch nicht. Noch gehen unser Astronaut und seine Steinkrabbe am Ende einträchtig am Strand spazieren.
Renate Wagner

