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Film: DEADPOOL & WOLVERINE

Die Parodie seiner selbst

26.07.2024 | FILM/TV, KRITIKEN

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Filmstart: 24. Juli 2024
DEADPOOL & WOLVERINE
USA  /  2024
Regie: Shawn Levy
Mit:  Ryan Reynolds, Hugh Jackman, Emma Corrin, Matthew Macfadyen u.a.

Die Parodie seiner selbst

Zuletzt hatten die Marvel-Filme nicht mehr die enormen Kassenrapporte von einst zu verzeichnen, aber wenn Disney schon die Rechte daran samt dem Fox-Imperium gekauft hat, musste man sich etwas einfallen lassen, die Superhelden für ein ganz breites Publikum wieder attraktiv zu machen.

Die Methode von „Deadpool & Wolverine“ lautete: Aus eins mach zwei – und so ist es tatsächlich gelungen, aus den altbekannten Marvel-Figuren einen neuen Hit heraus zu pressen. Was auf das Konto eines Regisseurs und zweier Hauptdarsteller geht, die nicht eine Minute lang ernst nehmen, was sie da tun – warum auch? Ist doch zum Lachen, oder?

Deadpool unter seiner roten Latex-Maske und Wolverine, der immer noch ganz gut aussehen und gelegentlich seine Krallen heraus fahren darf, als Verbündete gegen die Bösen – mit dieser Vorgabe  muss sich das Sommerkino in diesem Jahr begnügen, mehr steht heuer nicht an, James Bond und Tom Cruise schweigen, also nimmt man, was man bekommt…

Zuerst gräbt Deadpool nach Leichen – später begreift man, warum. Da ist er nämlich auf der ganz normalen Welt als (eher unattraktiver – war Ryan Reynolds nicht einst besonders gut aussehend?) Autoverkäufer mit Träumen zu sehen. Diese erfüllt ihm „Mr. Paradox“ als Herr des guten alten Multiversums, wo alle Logik so praktischerweise  aufgehoben ist und jeder Unsinn gewissermaßen legitim möglich…schließlich braust man ja durch die Phantasie.

Um als Superheld in einem der Universen gegen die „böse“ Cassandra Nova zu kämpfen (einer Zwillingsschwester des ehemaligen Charles Xavier), braucht Deadpool die Unterstützung von Wolverine. Dass dieser nicht leicht zu finden und erst gar nicht begeistert von dem Job ist, versteht sich – war seine Geschichte nicht schon auserzählt, und Hugh Jackman hatte sich hoch offiziell von der Rolle verabschiedet.

Nun, er ist wieder da, als mürrischer, aber nicht minder komischer Gegenpart des Dauerredners Deadpool, der sich auch mit dem Kinopublikum unterhält und wie ein Stand Up Comedian wirkt. Aber tatsächlich ist die Chemie der beiden Stars die Stärke des Films – und, wie gesagt, dass sie mit Regisseur Shawn Levy einig waren, sich durch die Geschichte zu blödeln. Was nicht heißt, dass es an (sogar ziemlich blutiger) Action fehlen würde. Wenn diese aber teilweise wie choreographiert erscheint, alles an dem Film scheint heitere Verfremdung zu sein, dann wirkt sie nicht so brutal…

Ganz witzig ist Matthew Macfadyen als Mr. Paradox, während Emma Corrin einfach eine hübsche junge Frau bleibt, die auch durch die Glatze,  die man ihr verpasst hat, nicht dämonischer wirkt und keine wirkliche Gegenspielerin ist. Für sie hat sich das Drehbuch einen echt schlimmen Tod ausgedacht, während es am Ende, wo es  für die Helden um Liebe, Verlust und Wiederfinden geht, ganz schön sentimental wird.

Was das Auftreten anderer Helden aus dem Marvel-Kosmos in Cameo-Rollen betrifft, so wurde wahrlich zu viel Wirbel darum gemacht. Die meisten sind Nebendarsteller von einst, die man gar nicht mehr im Gedächtnis behalten hat – nur über Wesley Snipes wundert man sich kurz, aber Blade hat einst auch in in diese Welt gehört…

Alles in allem ist der Film kein großer Wurf, aber die Idee, auf zwei bekannte Figuren und zwei charismatische Schauspieler zu setzen, funktioniert. Wer braucht da schon eine „vernünftige“ Handlung?

Renate Wagner

 

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