
Filmstart: 27. August 2026
DAS ENDE DER STERNE
The Dog Stars / USA / 2026
Regie: Ridley Scott
Mit: Jacob Elordi, Margaret Qualley, Josh Brolin, Guy Pearce u.a.
Mühsam in trüber Zukunft
Man schreibt 2035 – so bald setzt der neueste Film von Ridley Scott das Beinahe-Ende der Menschheit an. 99 Prozent von ihnen sind an einer Seuche gestorben. Die paar Überlebenden versuchen, in der Natur zurecht zu kommen und sich gegen ihre marodierenden, raubenden, brandgefährlichen Mitmenschen zu wehren. Keine schöne Welt, die Autor Peter Heller in seinem 2012 erschienenen Roman gezeichnet hat, der im Original (wie auch der Film im Original) „The Dog Stars“ heißt. Was der deutsche Titel bedeuten soll, ist nicht das Einzige, was an der Geschichte unklar bleibt.
Natürlich ist es für seinen legendären Ruf egal, was der heute 88jährige gebürtige Brite Ridley Scott noch abliefert, er hat genügend Legenden auf die Leinwand gebracht. Allerdings auch seinen Ruf schon heftig geschädigt, u.a. mit seinem so krachend mißglückten „Napoleon“. Nun also wieder etwas ganz Anderes, das allerdings nicht neu ist: Wie oft hat man die Post-Apokalypse schon auf der Leinwand gesehen? Und fast immer spannender, packender, interessanter als hier.
Denn der alte Herr liebt es auf einmal lyrisch. Er hat, das sei nebenbei bemerkt, ein landschaftlich idyllisches US-Colorado in Italien gefilmt, aber was macht das schon, es wirkt echt und die verfallenen Ansichten von Denver auch. Das Leben funktioniert zwar nur auf primitivster Ebene, warum allerdings nur eine Fünfziger-Jahre Cessna übrig geblieben ist, mit der unser Held Big Hig (welch seltsamer Name) durch die Gegend fliegt (Benzin gibt es immer noch?), weiß man nicht.
Er und sein Schäferhund Jasper, der immer bei ihm ist. Und das Flugzeug. Die längste Zeit zeigt Ridley Scott diese Dreisamkeit, als hätte er nichts anderes zu erzählen. Man könnte sich vorstellen, dass (auch in Bezug auf den Originaltitel) der Hund eine wichtige Rolle spielt – aber nein, er stirbt ziemlich bald, und Big Hig ist sehr traurig, denn er ist ein sehr sensibler junger Mann.
Der alte Haudegen, mit dem er sich seinen Unterschlupf in einem alten Flugzeughangar teilt, ist das Gegenteil. Ex-Marine Bangley sieht die Welt nüchtern und hat interessanterweise immer genügend Munition, um alle Angreifer abzuschießen. Als sich Big Hig auf den Weg nach anderen Menschen macht, bleibt er zurück- für solche Sentimentalität hat er kein Verständnis.
Machen wir es kurz – Big Hig findet einen Vater, der etwa so raubeinig ist wie sein Mitbewohner, und die schöne Tochter, und am Ende von fast zwei Stunden Filmdauer mit einem Minimum an (auch noch uninteressanter) Handlung, aber sehr viel Gefühl, gibt es einen Kuss der beiden (sie legen sich auch ins Gras, also… bevor abgeblendet wird), und vielleicht kann Big Hig nun darüber hinweg getröstet werden, dass er seine Frau und sein ungeborenes Kind in der Pandemie verloren hat.
Man soll nicht zynisch sein, das alles ist schön und menschlich ausgefallen, sentimental bei jeder Gelegenheit, die paar Action-Szenen, wenn die Bösen kommen, bringen dramaturgisch nichts ein, die Handlung auch nicht – nur das sichere Gefühl beim Kinobesucher, dass man eine solche Situation nicht erleben möchte.
Nun ist Jacob Elordi „der“ Jungstar von heute, der Elvis war, der Liebhaber in „Wuthering Heights“, nicht zuerkennen, aber wunderbar als Frankensteins Monster – und der hier so gut aussieht und so viel Gefühl verströmt, dass man die böse Apokalypse für einen Herz-Schmerz-Film halten könnte. Auch Margaret Qualley, die übrigens viel mehr kann (man denke nur an ihre Meisterleistungen in „The Substance“ und „Blue Moon“) ist ganz auf diesen seelenweichen Ton gestimmt.
Josh Brolin und Guy Pearce überzeugen mühelos als die harten alten Männer, was der Groteskauftritt von Allison Janney als überdrehte Stewardesse soll, die funktionslos in der Luft hängt, das müsste einmal jemand erklären.
Alles in allem soll man Ridley Scott keinen Vorwurf machen. Er hat bei diesem Film einfach grundlegend falsch gedacht. Das passiert auch den Besten. Sich allerdings nicht an Billy Wilders Weisheit, „Du sollst nicht langweilen“ zu halten, das ist auf jeden Fall ein Fehler.
Renate Wagner

