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Film: CREED II – ROCKY’S LEGACY

20.01.2019 | FILM/TV, KRITIKEN

Filmstart: 25. Januar 2019
CREED II – ROCKY’S LEGACY
Creed II / USA / 2018
Regie: Steven Caple Jr.
Mit: Sylvester Stallone, Michael B. Jordan, Dolph Lundgren, Tessa Thompson, Phylicia Rashad u.a.

Vielleicht ist das nur die Meinung eines Laien, aber irgendwie scheinen alle Boxer-Filme ein- und derselbe zu sein (nimmt man einmal Meisterwerke wie Scorseses „Wie ein wilder Stier“ mit Robert De Niro aus). Sylvester Stallone hat (mit Ausnahme von „Rambo“) seine Karriere und seinen Ruf als „Rocky“ begründet, jener Rocky Balboa, den er 1976 – also vor mehr als 40 Jahren – erfunden hat und der ihm auf Anhieb nicht nur Erfolg, sondern auch Anerkennung (drei „Oscars“ für den ersten Film) brachte.

Das anfängliche Niveau hat durch die vielen Fortsetzungen nicht durchgehalten. Und doch – es gibt immer noch Rocky-Filme, wenn der 72jährige auch glücklicherweise nicht mehr selbst in den Ring steigt. Das Drehbuch hat er jedenfalls wieder geschrieben, Und sich selbst keine schlechte Rolle gegeben. Als Coach im Film und als Name auf dem Filmplakat ist er immer noch Gold wert – vielleicht hat der deutsche Verleih dem Film „Creed II“ darum für unsere Breiten den (englischen!!!) Untertitel „Rocky’s Legacy“ verliehen…

Denn auch wenn Michael B. Jordan als junger, afroamerikanischer Boxer Adonis Creed schon zum zweiten Mal im Mittelpunkt eines Films steht und sogar Weltmeister im Schwergewicht ist, wirkt er komischerweise gar nicht so interessant. Auch wenn er unbedingt in die Fußstapfen seines Vaters treten will, der einst Rockys Rivale, dann sein Freund war und von dem russischen Boxer Ivan Drago getötet wurde.

Der Film spielt sich nun gleicherweise auf der privaten wie der „beruflichen“ Ebene ab, wobei ungemein sympathische Frauen ihre Rollen bekommen – Tessa Thompson ist jene Bianca Taylor, dramatischerweise mit Gehörlosigkeit geschlagen, vor der Adonis niederkniet und ihr einen Heiratsantrag macht (der Film reicht so weit, dass man das Baby der beiden erlebt), und Phylicia Rashad seine lebenskluge Stiefmutter, die ihm gelassen sagt, er sei erwachsen, wenn er ihr erklären will, warum er sich in Lebensgefahr begibt…

Tatsächlich hat Rocky einst Ivan Drago, den Mörder von Adonis’ Vater, besiegt und so gedemütigt, dass dieser lebenslangen Haß hegt: Dolph Lundgren macht das mit beängstigender Überzeugungskraft. Er will nun – als Rache – seinen Sohn Viktor (Florian Munteanu als starker Kapuzenmann) gegen Adonis in den Ring schicken. Rocky (Stallone, den Hut schief auf dem Kopf, lapidar, mit einer tiefen, pathetischen Raucherstimme) mag noch so sehr abraten… die jungen Leute lassen sich bekanntlich nichts sagen. Und alles, absolut alles kommt, wie man es dem Drehbuch vorbeten könnte… nur dass man bis zu den Kämpfen mit den Boxern durch ihre harten, harten Trainingsstunden durch muss; die des Amerikaners und die des Russen (wenn auch natürlich nur andeutungsweise).

Kein Spoiler, weil keine Überraschung, dass Adonis im zweiten Anlauf siegt, es erstaunt eher, wie hemmungslos pathetisch und kitschig der Film von Regisseur Steven Caple Jr. am Ende wird, wenn Adonis am Grab des Vaters diesem von dem Sieg erzählt, aber dabei auch die eigene Persönlichkeit behauptet. Und wenn Rocky an einer fremden Türe läutet, ein zurückhaltender Mann öffnet – aber dann zu dem kleinen Mädchen sagt: „Das ist dein Großvater“… Und dann hält auch Adonis sein Baby im Arm, und die Musik rauscht gewaltig auf.

Alles da, was ein Boxerfilm braucht, Muskeln, Härte, Entschlossenheit, die Kraft- und Machtspiele, die dahinter stehen, und schließlich die Kämpfe, sprich die brutalen Prügeleien, die ihr eigenes Publikum haben. Auch im Kino.

Renate Wagner

 

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