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Film: CRAWL

18.08.2019 | FILM/TV, KRITIKEN

 

Filmstart: 23. August 2019
CRAWL
USA / 2019
Regie: Alexandre Aja
Mit: Kaya Scodelario, Barry Pepper u.a.

Es gibt Tiere, vor denen sich die meisten Menschen (zu Recht!) fürchten. Schlangen beispielsweise. Oder weiße Haie. Ideale Protagonisten für Horrorfilme. Freilich, einem Meister wie Hitchcock reichten schon Vögel, um Gänsehaut zu erzeugen… Wie dem auch sei, diesmal sind es Alligatoren. Über den Unterschied zu Krokodilen (andere Zähne, andere Schnauzenform) muss man sich nicht den Kopf zerbrechen. Sie sind genau so tödlich, wenn man ihnen als Mensch begegnet. Und in Florida sind sie (weil sie nur im Süßwasser existieren) sehr verbreitet…

Kein Horrorfilm beginnt (es sei denn, er hat einen Prolog) wie ein Horrorfilm. Sondern im friedlichen Alltag. Zwei Schwestern telefonieren wegen Papa, lange nichts von ihm gehört. Die Rückblenden zeigen, wie eng Haley (Kaya Scodelario) mit dem Vater verbunden war. Offenbar hat sie es zur Meisterschwimmerin gebracht, und schon als sie ein kleines Mädchen war, hat Papa Dave (Barry Pepper) sie trainiert, ihr immer Mut gemacht, sie das Durchhalten gelehrt. All das wird als Voraussetzung für das Kommende noch wichtig.

Denn nun geht ein Unwetter über Florida nieder, und zwar eines von den ganz großen (das fügt dem kommenden Horror noch die Katastrophen-Elemente hinzu). Haley erreicht den Vater auf dem Handy nicht, nimmt an, er sei in seinem einsamen Haus bei den Sümpfen und macht sich gegen die Warnungen der Guards, die überall herumstehen, auf, ihn zu suchen…

Von nun an kommt es natürlich so, wie man es erwartet. Unwetter – die sind ja nicht erfunden, die sind harte Realität – lassen sich grausam zeigen, Stürme, Wasserfluten, die ganz schnell bis zu den Straßen hoch steigen. Da hinein begibt man sich nur, wenn man einen sehr, sehr triftigen Grund hat. Etwa den geliebten Vater. Und der ist vermutlich in seinem bereits überfluteten Haus…

Phantasiebegabte, klaustrophobische Kinobesucher seien gewarnt. Sie müssen einen großen Teil der nun folgenden Handlung in engen, überfluteten Kellerräumen zubringen. Und da ist nicht nur der blutende Vater, der unter zusammengebrochen Hausteilen verletzt und unbeweglich liegt. Da kommen sie auch schon, die Alligatoren, sperren ihre Riesenmäuler auf und erfüllen ihre Horrorpflicht: Man hat in diesem Film keine 20 Minuten darauf warten müssen…

Dafür geht es lange so weiter. Hier Sturm und Regen, der Keller im Wasser, dort der Papa, der die Tochter wegschicken und sich selbst opfern will („You need to go“ – „Not without you“, sagt die Tochter), und unsere ganze Anteilnahme ist mit der starken, listenreichen Haley, der ihre Fähigkeiten als Meisterschwimmerin zugute kommen und die immer wieder mit den Alligatoren konfrontiert ist, die sich überfallsmäßig einstellen. Unglaublicherweise funktionieren die Smartphones, so dass sie Papa warnen kann, wenn wieder so ein schauerliches Viech sich nähert, gegen die man sich nur wehren kann, indem man ihnen gewaltig auf die Schnauze haut (und da sind so schreckliche Reißzähne drinnen!) Ja, der französische Regisseur Alexandre Aja hat sich mit Slasher-Movies einen Namen gemacht.

Logisch, dass es nicht viel Zeit für menschliche Interaktion gibt, wenn man in Lebensgefahr im Wasser plantscht (und auch das noch unter niedrigen Kellerdecken), aber dass man für einen geliebten Menschen alles tut und grandiose Kräfte entwickelt, wird schon klar („This kid is a fighter“, stöhnt der Papa). Ein bisschen einförmig kann es trotz der schaurigen Hauptdarsteller – da sind jetzt die Alligatoren gemeint – schon werden, dramatische Wendungen gibt es, wenn die Retter scheinbar kommen, aber… Am Ende freilich, wenn die Alligatoren wie Riesendrachen auf unsere Heldin einstürzen und diese das Messer nimmt – na ja, so wirklich ernst ist diese Art von Filmen ja nie gemeint. Wer im schönen Sommer wirklich ins Kino gehen und es grauslich haben will, da erfüllt „Crawl“ seine Pflicht.

Renate Wagner

 

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