Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

Film. CHOPIN – EINE SONATE IN PARIS

Künstlerleben, Krankengeschichte

20.10.2026 | FILM/TV, KRITIKEN

film chopin plakat peg

Filmstart: 22. Oktober 2026 
CHOPIN – EINE SONATE IN PARIS
Chopin, Chopin! / Polen, Frankreich  / 2025
Regie: Michal Kwiecinski
Mit: Eryk Kulm, Joséphine de La Baume, Victor Meutelet, Lambert Wilson u.a.

Künstlerleben,
Krankengeschichte

Die Polen haben Frederic Chopin (1810 – 1849) so vereinnahmt, dass man ganz vergessen hat, dass sein Vater Franzose war. Er ist allerdings in Polen geboren und aufgewachsen, lebte hier bis zu seinem zwanzigsten Lebensjahr und hat sich immer als Pole gefühlt. Wenn der sterbende Chopin in dem Biopic, das ihm nun gewidmet wird, verlangt, man möge sein Herz nach Polen bringen, so ist das historisch. Es ist in der Heilig-Kreuz-Basilika in Warschau begraben, Musikliebhaber pilgern andächtig dorthin.

Mit 20 wusste Chopin, dass eine Weltkarriere als Musiker – als Interpret am Klavier und Komponist (so wie Freund Franz Liszt) – nur in den Weltstädten der Musik in Mitteleuropa möglich war, wo Komponisten umschwärmt wurden wie Popstars (etwa Beethoven in Wien). Die letzten eineinhalb Jahrzehnte seines kurzen Lebens, bis die Schwindsucht ihn dahin raffte, hat Chopin also in seiner zweiten Heimat verlebt und in Paris die Karriere gemacht, die er sich vorstellte.

film chopinn er film m vvages

Der polnische Regisseur Michal Kwiecinski hat nun diese Zeitspanne in einem Film zusammengefasst, der das durchaus glanzvolle Künstlerleben mit den politischen Ereignissen der Epoche (es handelt sich um vorrevolutionäre Jahre) verbindet, parallel aber auch das tragische Dahinsterben eines noch jungen Mannes thematisiert, ohne (es sei denn am Ende) triefend zu werden…

Das Künstlerleben innerhalb einer High Society war spektakulär. Da traten die großen Pianisten ihrer Zeit gegeneinander an, und wenn Liszt auf das Klavier eindonnert, besticht Chopin durch ganz zarte Töne. Da gab es Konzerte, in denen der Bürgerkönig Louis Philippe selbst erschien und gestand, dass Chopin ihn zu Tränen rührte. Da musste aber selbst ein so bewunderter Künstler wie er Klavierstunden geben, denn das Leben war nicht billig. Aber es war für die Auserwählten durchaus schön.

Dabei fällt eine Episode überraschend blass aus – und sie ist doch eigentlich die berühmteste. Es handelt sich um die Beziehung von Chopin mit der Schriftstellerin George Sand, wilde Liebe, ein (von ihr beschriebener) Winter in Mallorca, die Trennung. Vielleicht liegt es an der blassen Darstellerinvielleicht hat diese Affäre, die so viel Farbe bringen könnte, den Regisseur wenig interessiert. Wer von dem Paar weiß, wird sich mehr erwartet haben.

Weit eher wird das wirbelige Leben auf den Pariser Straßen gezeogt, deren Unruhe der polnische Regisseur mt Verve zeichnet, auch als die Stimmung dann um das Jahr 1848 entschieden gefährlicher wurde. Wenn die Revolution ausbricht, ist Chopin gesundheitlich schon fast am Ende. Man hat ihm zugesehen, wie er Blut spuckt, immer blasser wurde, versuchte, die Krankheit nicht zu zeigen – bis er in einem finalen Gespräch mit Franz Liszt die Akzeptanz des Todes bekennt und die dadurch gegebene neue Leichtigkeit, die es ihm ermöglicht, sich endlich von dem glanzvollen Leben (das ja auch so einfach nicht war), abzulösen…

Der Film ruht auf den starken Schultern des Hauptdarstellers Eryk Kulm, ein leise abweisendes, interessantes Gesicht, nuancenreich in der Darstellung einer breiten Gefühlsskala. Joséphine de La Baume glaubt man allerdings keine Sekunde, dass George Sand die interessanteste, umstrittenste Frau ihrer Zeit war, und auch der Franz Liszt des Victor Meutelet lässt das Funkeln dieses Stars der Musikwelt missen. Sehr schön hingegen die Rührung von Lambert Wilson als König Louis Philippe.

Der Film prunkt nicht mit aufregenden Aktionen, verfolgt das Schicksal Chopins in verschiedenen Stationen eher gewissenhaft. Ein polnisches Team verneigt sich sizusagen  vor einem seiner Nationalhelden.

Renate Wagner

 

Diese Seite drucken