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Film: BUGONIA

Sind Aliens unter uns?

31.10.2025 | FILM/TV, KRITIKEN

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Filmstart; 30. Oktober 2025
BUGONIA
USA /  2025
Regie: Yorgos Lanthimos
Mit: Emma Stone, Jesse Plemons u.a.

Sind Aliens unter uns?

Zu Beginn sieht man wunderschöne Blumen, von Bienen umschwärmt – aber wer den Regisseur Yorgos Lanthimos kennt (ob „Lobster“ oder „The Favourite“, ob „Poor Things“ oder „Kinds of Kindness“), der weiß genau, dass von ihm nichts Freundliches zu erwarten ist. Vielmehr wird er immer das Extreme, das Quälende suchen, es ausreizen  und nicht davor zurück schrecken, den Nerven seines Publikums alles zuzumuten. So viel zu den Blumen und Bienen des Beginns, die auch am Ende wieder kommen. Aber…

Lanthimos, der hier einen südkoreanischen Science-Fiction-Film ( „Save the Green Planet!“ von Jang Joon-hwan) neu dichtet, entwirft zu Beginn zwei Welten. Da ist ein kleines Haus, irgendwo an einem Stadtrand in Georgia. Es würde fast idyllisch wirken, wenn da nicht zwei wirklich armselige Underdogs darin wohnen würden. Und da ist eine High Tech Firma mit einer High Tech-Chefin, durchgestylt und hoch zufrieden mit sich selbst. Wenn die armen Kerle, Teddy, Hilfsarbeiter und Bienenzüchter mit glühenden Augen, und der dickliche Don mit schwarzen Locken und kummervollem Gesicht, nun einer Verschwörungstheorie anheim gefallen sind und die Welt um jeden Preis retten wollen, so kann das nur schief gehen.

Sie bilden sich nämlich ein, Michelle, die perfekte CEO, müsse ein Alien sein und habe die Zerstörung der Erde im Visier. Um das zu verhindern, um „Widerstand zu leisten“, entführen die beiden sie, sperren sie in ihren Keller, rasieren ihr die Haare ab (weil sie mit diesen angeblich mit ihrem Raumschiff kommuniziert)  und foltern sie auch ziemlich abscheulich…

Diese Michelle wird von Emma Stone gespielt, die Regisseur Yorgos Lanthimos treu verbunden ist, was ihr immer gut bekam – etwa der „Oscar“ für „Poor Things“ 2023. Hat sie damals die Menschwerdung eines tumben Geschöpfes gänsehauterzeugend gespielt, wehrt sie sich nun mit aller ihr zur Verfügung stehenden Kraft und Intelligenz, Verschlagenheit und Tücke, gegen die verrückten Fanatiker, vor allem Teddy, dem Jesse Plemons gleicherweise zitternde Wut und flackernde Unsicherheit verleiht.

Eines ist klar – dieser Frau ist Teddy nicht gewachsen. Ihre irrlichternden Augen in dem durch den geschorenen Kopf unheimlich gewordenen Gesicht sind durchaus geeignet, dem Kinobesucher Alpträume zu bescheren, was zweifellos die Absicht des Regisseurs war. Er hat einen großen Teil des Films um Emma Stones Gesicht und Augen komponiert.

Dass der Regisseur die Zuschauer nicht schont,  zeigt sich auch in der surrealen Wendung, die die Geschichte nimmt und die man natürlich nicht erzählen darf – aber ganz am Schluß, da mutet einem Lanthimos gewaltig viel zu, wenn er das, was er sagen (prophezeien?) will, auch in erschreckend ruhigen Bildern beschwört… Ob man sich die „Pointe“ vielleicht nicht schon gedacht hat, das liegt beim einzelnen Kinobesucher. Nur so viel: Nicht alle Verschwörungstheorien sind falsch. Aber von Lanthimos Verstörungen zu erwarten, ist auf jeden Fall richitg.

Renate Wagner

 

 

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