
Filmstart: 1. Oktober 2026
BRUNO – DER JUNGE KREISKY
Österreich / 2026
Regie: Harald Sicheritz
Mit: Nils Arztmann. Maria Unge u.a.
Bruno, der Held
Österreicher, die alt genug sind, dass Bruno Kreisky (1911-1990) in ihrem eigenen Leben noch eine Rolle gespielt hat, denken mit aller Nostalgie an ihn, seine Ära und an seine Persönlichkeit zurück, die ein Format vorgab, das keiner seiner Nachfolger erreicht hat. Seine Schwächen – nicht zuletzt sein deklarierter Antisemitismus – kehrt man dabei unter den Teppich, angesichts dessen, was er für Österreich (und zumal für die Rechte der österreichischen Frauen) geleistet hat.
Wie man nun erfuhr, hat Gerhard Zeiler einen finanziellen Beitrag zu dem Projekt des „Bruno – Der junge Kreisky“-Films geleistet, für den es eigentlich keinen „Jahrestag“ gibt. Und ob außerhalb der SPÖ-Community noch sonderliches Interesse für dieses Bio-Pic herrscht, ist auch nicht sicher. Tatsache ist, dass Harald Sicheritz, der einst als Fachmann für gnadenlose Österreich-Satiren begonnen hat, hier eine Lobeshymne auf den jungen Bruno Kreisky gezaubert hat, die wie ein gefälliger Fernsehfilm wirkt.
Kreisky, Jahrgang 1911. Wird als Sohn einer wohlhabenden, überaus sympathischen jüdischen Großbürgerfamilie eingeführt. Dass der Gymnasiast auch ein Verhältnis mit dem Dienstmädchen des Hauses hat, ist kein Machtmißbrauch, da wird schon gezeigt, dass sie ihm jede Mange Avancen gemacht hat.
Wie es dazu kommt, dass Gymnasiast Bruno die Tanzstunden bei Elmayer schwänzt und lieber zur sozialistischen Arbeiterjugend geht, ist nicht ganz klar, macht aber nichts – es ist schließlich nicht unglaubwürdig, dass auch Reiche ein soziales Gewissen haben können. Hauptsache man begreift, wie tapfer er sich dort durchsetzt, weil ihn die Proletarier eigentlich gar nicht wollen. Schließlich war er das Feindbild eines jüdischen Kapitalisten – aber er erkämpft sich entschlossen seinen Platz unter ihnen. Und ist damals schon nicht Irgendwer, sondern einer, der nach Verantwortung, auch nach Führungspositionen strebt.
Zum Einführen politischer Diskussionen hat das Drehbuch, an dem Sicheritz mitarbeitete, Figuren und Liebesgeschichten erfunden. Der Antisemitismus in Wien wird mit den Schwierigkeiten thematisiert, die man dem Juden als Jusstudenten auf der Universität macht. Doch Bruno, der Held, ist ebenso kämpferisch im Gerichtssaal wie auch im Gefängnis, wo er – es ist die Zeit des Ständestaats – u.a. mit einem Nazi einsitzt. Dass er mit diesem anständig umgegangen ist, wird als (gegenüber der Realität etwas vereinfachende) Begründung genommen, dass man ihm nach dem Anschluß gestattet, das Land zu verlassen.
All das wird, mit Rückblenden verschränkt, etwas sprunghaft erzählt. Und, was den Helden Bruno betrifft, völlig geradlinig, kein problematischer Typ, nein, gar nicht. Ein junger, wackerer, kämpferischer Sozialist. Es sollte kein Heldenepos werden, versicherte Sicheritz in vielen Gesprächen. Und genau das ist es geworden.
Was nach dem Film kommt, ist Geschichte. Wie man weiß, hat Kreisky den Krieg in Schweden verbracht, kehrte nach Österreich (und nun zur Sozialistischen Partei) zurück, zählte zu den Männern, die aus Moskau den Staatsvertrag heim brachten (und stand am Balkon des Belvederes in der zweiten Reihe, als Leopold Figl den Wienern das Dokument zeigte) und machte dann die größte Karriere, die es in der Wiener SPÖ je gab – bis auch er scheiterte, an Zwentendorf, an den Wahlen.
Die Jugend des bemerkenswerten Mannes ist in dem Film im Stil eines Nachhilfeunterrichts für unbedarfte Schüler dargestellt (was ja auch kein Fehler ist, wenn sie in den Film gehen und vielleicht ein bißchen Ahnung bekommen, wie sich die Zwischenkriegszeit abspielte). Dennoch gibt es mehr (eher klischiertes) „Milieu“ als Analyse.

BRUNO
Nils Arztmann hat sich in relativ kurzer Zeit auf dem Theater an die Spitze junger österreichischer Schauspieler hochgearbeitet und ist in seiner ersten großen Filmrolle das, was er sein soll – sympathisch, anständig, kämpferisch, aber nie brutal, der ideale junge Held, der unerschütterlich für seine Überzeugungen kämpft.
Um ihn ein großes Ensemble, aus dem kaum jemand herausragt, weil die Menschen an Kreiskys Seite in der gut ein Jahrzehnt umfassenden Handlung, von den späten Zwanziger Jahren bis zur Flucht 1938, auch schnell wechseln. Noch schneller ändern sich die politischen Verhältnisse, über die eher kursorisch hinweggewischt wird. Man fragt sich, ob Bruno Kreisky ein politisches Zeitbild um seine Person nicht lieber gewesen wäre. Aber man kann ihn nicht mehr fragen.
Renate Wagner

