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lmstart: 30. Juli 2026
BITTERES FEST
Amarga Navidad / Spanien / 2026
Drehbuch und Regie: Pedro Almodóvar
Mit: Leonardo Sbaraglia, Bárbara Lennie, Aitana Sánchez-Gijón u.a.
Die Krise als Thema
Die Selbstreflexion von Filmemachern über das Filmemachen und damit über sie selbst, gehört zu den fixen Bestandteilen des Genres. Schließlich haben alle aus den Erfahrungen ihres Lebens ihre Filme gemacht – und nun denken sie darüber nach. Natürlich als Film. Das Drehbuch als (mehr oder minder eitle) Selbstbefragung.
Pedro Almodovar, mittlerweile in seinen späteren Siebziger Jahren, tut es in dem Film „Bitteres Fest“, in dem es um die schöpferische Krise geht. Und damit die Sache nicht zu einfach ausfällt, verdoppelt er das Problem. Zuerst begegnet man in dem Film Elsa. Sie ist müde, depressiv, unglücklich. Eine Filmemacherin, die abgestürzt ist, künstlerisch und privat, und die versucht, mit einem neuen Drehbuch aus ihrer Krise zu kommen.
Aber wenn die Handlung dann zu Raúl Durán schwenkt, dem älteren Regisseur in der Krise, der versucht, diese mit einem Durchbuch zu bewältigen, das die Geschichte Elsas erzählt… womit die Elsa, der man zuerst begegnet ist, vielleicht gar nicht echt, sondern nur Erfindung ist.,, Ja, da kann man sich vorstellen, in wie viele Ebenen (die er bunt durcheinander wirbelt) Pedto Almodovar sich in diesem Film verstrickt und immer wieder auch dramaturgisch unglückselig verwickelt hat.

Dass Raúl Durán er selbst sein soll, steht außer Frage, aber da hat sich Almodovar wohl selbst ein Bein gestellt – denn er hat 2019 mit dem explizit autobiographischen Drama „Leid und Herrlichkeit“ (mit einem bewundernswerten Antonio Banderas) ein Meisterwerk geschaffen, das ehrlicher und geradliniger und weit tiefer empfunden war als das neue Konstrukt.
Natürlich geht es immer wieder um die Frage, wie sehr sich ein Künstler seiner Mitmenschen „bedienen“ darf – aber wer immer schreibt (ob einen Roman, ein Drehbuch) beantwortet es natürlich, denn es geschieht immer wieder, es ist gewissermaßen systemimmanent. Wie verletzend das allerdings für die Mitwelt sein kann, zeigt der Film in Gestalt von Raúls Freundin Monica, die diesbezüglich in Wutausbrüchen ausrastet…
Was hat man am Ende in dieser überbordenden, mit zu vielen Nebensächlichkeiten belasteten Geschichte gesehen? Hervorragende schauspielerische Leistungen. Bárbara Lennie als Elsa ist eine schöne Frau, die Leiden verströmt, um Leonardo Sbaraglia als Raúl Durán irrlichtert ununterbrochen „Krise“, und Aitana Sánchez-Gijón als Mónica ist eine der klassischen Almodovar-Am-Rande-des-Nervenzusammenbuchs-Frauen..
Aber sonst? Ist der Film absichtlich so unglückselig verschachtelt? Oder einfach deshalb viel zu viel konstruiert. weil sich die wahre Inspiration für Pedro Almodovar eben doch nicht eingestellt hat und er sich in Kunstgriffe flüchtete? Das Tippen in den Laptop symbolisiert das Überleben des kreativen Menschen und wird nicht nur immer wieder gezeigt, sondern steht bezeichnenderweise auch am Ende des Films. Was aber eben von der Verantwortung erzählt, dass derjenige, der es geschrieben hat, für das Endergebnis einsteht…
Dennoch: Fans bleiben diesem Regisseur treu. Irgendwie interessiert er doch immer, auch wenn er diesmal ein wenig nervt.
Renate Wagner

