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Film: AVATAR: THE WAY OF WATER

16.12.2022 | FILM/TV, KRITIKEN

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Filmstart:  14. Dezember 2022 
AVATAR: THE WAY OF WATER
USA  /  2022
Drehbuch und Regie: James Cameron
Mit: am Worthington, Zoe Saldana, Sigourney Weaver, Stephen Lang, Kate Winslet u.a.

Wer sich schon vor 13 Jahren nichts aus blauhäutigen Geschöpfen mit hässlich entstellten Gesichtern gemacht hat, kurz, dem angeblichen „Zauber“ des ersten „Avatar“-Films nicht erlegen ist („Avatar  Aufbruch nach Pandora“ 2009), der täte gut daran, sich den zweiten Teil zu schenken – überraschend viele Kritiken zu dem Fortsetzungswerk „Avatar: The Way of Water“ von Regisseur / Drehbuchautor / Produzenten / auch noch am Schneidetisch beteiligt: James Cameron, enthalten diesen Satz.

Was aber, wenn man als Kritiker beruflich betroffen ist – es handelt sich um den einzigen „Blockbuster“, der heuer zu Weihnachten herauskommt. Die Summen, die für die Entstehung dieses  Films aufgewendet wurden, sind gigantisch. Und natürlich stellt sich die Frage, womit man einem Publikum von 2022 kommt, um es zu begeistern. Man sieht sich also den zweiten „Avatar“ an.

Fern jeder Begeisterung, die man bei Kollegen liest (die nur schüchtern die Worte „Kitsch“ und – umschrieben – „wohlfeile Gutmenschen-Botschaften“ in den Mund nehmen), kann man nur nüchtern berichten, was man sieht. In 3 D übrigens, ein für Kinobesucher äußerst lästiges Verfahren (zumal für Brillenträger), das schon wieder vergessen schien und nun nötig ist, damit man sich so richtig „unter Wasser“ fühlt. Wenn man das will. Wenn man es nicht will, bleibt es einem dennoch nicht erspart. Denn „unter Wasser“ ist das Um und Auf von Camerons seltsamen Welten…

Grundsätzliches zuerst: Die Machart des Films wirkt schlechtweg – kindlich. Die Idylle auf dem außerirdischen Mond „Pandora“, wo die eingeborenen Außerirdischen Na’vi leben, erinnert an einen Disney-Kinderfilm, desgleichen die ausgeschlachtete Wunderwelt des Meeres bei dem Wasservolk Metkayinavolk, wo die Begeisterung an den Meerestieren dem Kinderausflug in „Waterworlds“ gleicht. Gewiß, naiv waren auch Spielbergs Dinosaurier, aber dermaßen künstlich ausgewalzt wie Cameron haben selten Regisseure ihre erfundenen Welten. Auch wirken die Menschendarsteller unter ihren „maskenhaften“ Gesichtern eigentlich, als seien sie nicht echt, sondern Computergeschöpfe, die mit Gewalt „auf echt“ getrimmt werden sollen. Schauspielerische Leistungen im klassischen Sinn gibt es nicht zu sehen, weil man ohnedies niemanden unter der Kunst-Fassade erkennt… Kurz, blaue Märchenstunde, kindlich gedacht, wohl für ein solcherart programmiertes Publikum ausgerichtet, das bisschen Kampf-Dramatik der Handlung ändert daran nichts.

Diese Handlung wiederum ist wieder so simpel, wie sie nur sein kann (dagegen war Camerons „Titanic“-Film ja ein facettenreiches, strukturiertes Drehbuch): Auf Pandora bei den Na’vi wird man zuerst belehrt, wie die Einheimischen in ihrem schönen Einklang mit der Natur leben (das erinnert an die naiven Aussteiger-Sehnsüchte der vorigen Generationen, wo viele ihre hoch bezahlten Berufe wegwarfen und mit 40 plötzlich aufs Land zogen, um als Bauern mit der Scholle den Lebenssinn zu finden…und dann über kurz oder lang an die Schreibtische zurückkehrten, weil das Leben mit der Natur schlechtweg zu anstrengend war…)

Unabdingbar die banale Erkenntnis: Der „Böse“ ist immer der Mensch. Die eigene Erde  hat er kaputt gemacht, also kommt er auf Pandora, um hier Rohstoffe zu stehlen und sich vielleicht sogar niederzulassen und als „Einheimische“ zu verkleiden. Schlimm für die Na’vi. Also ist die Familie, die im Mittelpunkt steht, bedroht: Der ursprüngliche„ Mensch“ Scully, der sich in einen Eingeborenen verwandelt hat, samt Gattin und Kindern, multikulti (ein Menschenwesen ist auch dabei).

Wenn sie nun fliehen müssen, dann haben wir auch gleich das Thema Migration – und dass diese niemandem leicht gemacht wird, zeigt der Film durchaus. Man zögert auch bei den  Metkayina, zu denen sie kommen, sie ohne weiteres aufzunehmen. Als es dann gelingt, geschieht es mit einem Satz, den man manchen unserer Politiker, die Migranten bedingungslos hereinwinken, ins Stammbuch schreiben sollte: „Lehrt sie unsere Art zu leben, damit sie nicht die Schande erleiden, nutzlos zu sein.“ Schön und richtig formuliert.

Die Metkayina sind durch und durch Wasser- und Meeresmenschen, und nun frönt Cameron, neben allen digitalen Effekten, die er sonst ausufernd ausreizt, seiner bekannten Liebe zur Tiefsee. Wer sich „mitnehmen“ lässt, selbst meint, unter Wasser berauschend glücklich zu werden, der hat sein Geld nicht falsch investiert.

Wem  das Entzücken dafür abgeht, die jubelnde Bekanntschaft mit der Tierwelt auf den Wellen und darunter zi machen – der weiß weiter nicht, was er bei dieser simplen, so maßlos aufgemotzten Geschichte soll (wobei die Überdigitalisierung eigentlich auch schon langweilt, oder?).

Aber eines weiß man, wenn man der Welt der blauen Avatars nicht verfallen ist: Die nächsten drei Filme (!!!), die James Cameron hier nun weiterhin plant, die wird man sich vermutlich schenken. Anders als Millionen Kinobesucher, die vermutlich wieder Kassenrekorde brechen werden, sonst hätte die Medien-Maschine des Disney-Verleihs wirklich versagt.

Wenn schon, denn schon Cameron – schöner „Titanic“-Menschen-Kitsch, meinetwegen auch schöner „Terminator“- Unsinn. Aber nicht dieses vermeintliche Öko-Spektakal eines Unterwasser-Freaks mit dem warnend erhobenen Zeigefinger und dem kindlichen Gemüt.

Renate Wagner

 

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