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Film: ANNETTE

14.12.2021 | FILM/TV, KRITIKEN

film annette plakat xx~1

Filmstart:  17. Dezember 2021
ANNETTE 
Frankreich  /  2021 
Drehbuch und Regie: Leos Carax
Mit: Adam Driver, Marion Cotillard, Simon Helberg  u.a.

Zuerst einmal: In diesem Film wird gesungen. Viel (zu viel). Und, für musikalische Leute sei es offen gesagt, nicht wirklich gut. Aber Regisseur Leos Carax wollte ein Musical drehen – wenn auch eines der „anderen Art“. Es gab viel Kopfschütteln, als er den Film heuer in Cannes präsentierte. Aber auch hymnische Rezensionen. Filmkritiker sind auch eine seltsame Spezies. Die freuen sich besonders, wenn Regisseur und Film gänzlich den Boden unter den Füßen verlieren…

„Annette“ ist die Tochter des Paares, das im Zentrum des Filmes steht, und sie ist die längste Zeit – eine Marionette, bevor sie sich letztlich in ein kleines Mädchen verwandelt. Nicht die einzige Seltsamkeit, die Leos Carax dem Publikum zumutet – wobei die absurde Geschichte ohne Gesang vielleicht sogar irgendwie möglich erschiene. Als „Musical“ ist sie die konzentrierte Albernheit. Zumal die Musik von Ron Mael / Russell Mael keinesfalls hochklassig ist.

film annette die zwei b~1

Dabei hat der 60jährige Carax (der vor 30 Jahren mit „Die Liebenden von Pont-Neuf“ seinen größten Erfolg hatte), superb besetzen können. Sein Ehepaar wird von Adam Driver (der immer mehr große Rollen akquiriert) und Marion Cotillard gespielt. Er ist ein aggressiver Stand-Up-Comedian, der gerne im Kapuzenpulli herumschreitet und sich auf der Bühne hemmungslos geriert. Er ist dabei so „raumfüllend“, dass er seine doch sehr eindrucksvolle Partnerin fast in den Hintergrund drückt. Sie ist Opernsängerin (wer immer da singt, es hört sich nicht gut an), die beiden lieben sich, sind ein Promi-Paar, so weit anfangs so gut (wenn sie nicht sängen…) Eine Stärke des Films besteht darin, dass Driver (in einem Parforceakt) und Cotillard ihre Rollen so selbstverständlich verkörpern, als wären sie ernst gemeint… dabei tut der Regisseur formal und inhaltlich alles, um Verwirrung zu stiften.

Dann kommt das gemeinsame Kind, die Tochter (Papa ist bei der Geburt dabei), und Carax schildert den Zerfall der Beziehung, die dann letal endet. Tatsächlich hat Papa, dessen Karriere und Privatleben buchstäblich zusammen gekracht sind, die Mama, auf die er schrecklich eifersüchtig war, bei einem Ausflug auf der Jacht getötet, und das erzählt er am Ende der kleinen, nun zum Mädchen mutierend, auch singenden Tochter.

Sie flöten sich im Gefängnis, wo er gelandet ist, noch an („I am a good father“ ist ihm ganz wichtig) – und das ist es für diese durch und durch schräg-seltsame Geschichte. An diesem Film von Leos Carax  ist eigentlich nichts logisch greifbar, über weite Strecken fühlt man sich in einer Parodie, die auf die totale Veräppelung des Zuschauers abzielt.

Nun gibt es schließlich auch Kinobesucher, die dezidiert das „ganz Andere“ wollen. Für die ist „Annette“ womöglich ein Leckerbissen. Nüchterne Gemüter (mit anspruchsvollem Musikgeschmack und empfindlichen Ohren) seien hingegen gewarnt – dieser Film kann einem den Nerv ziehen.

Renate Wagner

 

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