
Filmstart: 20. August 2026
A SAD AND BEAUTIFUL WORLD
Nujum al’amal w al’alam / Libanon, Deutschland / 2025
Drehbuch und Regie: Cyril Aris
Mit: Mounia Akl, Hassan Akil, Julia Kassar
Im Land der Tränen
Draußen herrscht Krieg, als zwei Mütter in Beirut gleichzeitig ihre Kinder zur Welt bringen – damit hat der libanesische Regisseur Cyril Aris schon alles beisammen, was er für seinen Film „A Sad And Beautiful World“ braucht. Seine beiden Protagonisten Nino (als Erwachsener: Hasan Akil) and Yasmina (als Erwachsene Mounia Akl) – und seine Heimat, den Libanon, das Leben in Beirut.
Mit vielen Rückblenden verschränkt erzählt er das Leben der beiden, die sich als Kinder schon kennen: Hinreißend besetzt (die Namen der Kinder-Darsteller sind nicht aufzufinden), zeigen sich hier schon ihre Verschiedenheiten. Nino hat (da ist er wieder, der Krieg) als Fünfjähriger bei einem Angriff seine Eltern verloren und träumt sie sich auf einer wunderschönen Insel, wo er auch einmal hingehen will. Yasmina, die zuhause dem Ehekrieg ihrer Eltern zusieht, ist nüchterner, sieht die Welt schon damals mit kritischem Blick. Aber die Zuneigung, die sie für einander empfinden, ist spürbar.
Sie haben sich aus den Augen verloren, treffen sich als Erwachsene durch Zufall wieder, werden ein Paar. Wer immer diesen Film als „RomCom“, als romantische Komödie bezeichnet hat, hat nichts davon verstanden. Gewiss, es gibt heitere Szenen, Yasmins Familie, der unheilbare Optimismus, mit dem Nino die Welt sieht, aber es geht nicht um eine Romanze (Motto: Was sich liebt, streitet sich).
Tatsächlich erzählt der Regisseur am Schicksal der beiden, Nino, der Restaurantbesitzer mit Dauerproblemen, Yasmina, die kühle Geschäftsfrau, wie unendlich schwierig das Leben im Libanon ist, wo nicht nur dauernd Krieg und Katastrophen drohen, wo auch Korruption und Finanzkrisen die Existenz jedes Einzelnen zum Kampf machen. Kein Wunder, dass Yasmina nur weg will, auswandern, anderswo hin, während Nino durchhält (auch wenn sein Personal ihn in Richtung Saudi-Arabien verlässt, weil es dort verlässliche Arbeit gibt, auch wenn er keine Lebensmittel bekommt, wenn Gäste ausbleiben).
Als Yasmina schwanger wird, ist Nino entzückt, Yasmina aber will kein Kind in diese Welt setzen. Am Ende der dreißig Jahre umfassenden Geschichte haben sie eine Tochter, aber wie es weitergeht, bleibt offen.
Regisseur Cyril Aris, der Dokumentarmaterial ebenso in seinen Film einbringt wie irreal-poetische Szenen, will ohne erhobenen Zeigefinger vor allem zeigen, wie verzweifelt die Lage in seiner Heimat ist, gleichzeitig aber das Hohelied seiner Landsleute singen, die in all der Verzweiflung nicht aufgeben wie Nino – auch wenn sie es immer wieder erwägen wie Yasmina…
Bedenkt man die derzeitige Lage im Libanon, die durch die Auseinandersetzung Israels mit der Hisbollah wieder Unruhe, Gefahr und Tod bringt, ist man in diesem Film der Gefühlslage des Landes und seiner Menschen näher als durch jeden Fernsehbericht…
Renate Wagner

