Feierliche Segnung des Helena-Fensters im Kölner Dom
Von Andrea Matzker und Dr. Egon Schlesinger

Das Helena-Fenster. Foto: Andrea Matzker
Der Obergaden, oder auch Lichtgau oder Lichtgaden genannt, des Kölner Doms ist die oberste, fensterreiche Wandzone des Mittelschiffs und des Chores, die direkt unter dem Gewölbe liegt. Er dient primär der Belichtung des Innenraums und beherbergt bedeutende gotische Glasmalereien, die das Licht mystisch einfärben. Er bildet den oberen Abschluss der Wände im Hochchor und im Langhaus. Durch diese großen Fensterflächen, die im gotischen Stil gehalten sind, wird das Tageslicht in die Kathedrale geleitet. Sie sind essenziell für die Wirkung des gotischen Raumes, da sie den Dom „im Himmelslicht der Himmelsstadt“ erstrahlen lassen. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Obergaden schwer beschädigt und in den Nachkriegsjahren aufwendig restauriert. So auch das Helena-Fenster, dessen sich die 200 Jahre alte Kölner Firma Klosterfrau angenommen hat und somit zur Patin desselben geworden ist.
Am 14. April 2026 segnete Domprobst Monsignore Guido Assmann das Helena-Fenster feierlich ein. Mit dieser Segnung findet ein Projekt seinen festlichen Abschluss, das gleichermaßen die kulturelle Bedeutung des Kölner Domes, die herausragende Expertise der Dombauhütte und das bürgerschaftliche Engagement eines traditionsreichen Kölner Unternehmens sichtbar macht. Domprobst Monsignore Guido Assmann: „Die heilige Helena, Mutter Konstantins des Großen, soll der Legende nach die Gebeine der Heiligen Drei Könige im Orient aufgefunden und nach Konstantinopel gebracht haben. Über Mailand gelangten sie nach Köln, wo sie bis heute im Dreikönigenschrein unseres Domes ruhen. Die heilige Helena ist von enormer Bedeutung für unsere Domkirche – und es ist eine große Freude, dass sie gemeinsam mit der heiligen Monika, der heiligen Elisabeth und der heiligen Mathilde nun wieder das rekonstruierte und nach ihr benannte Helena-Fenster im Südquerhaus ziert. Der Dank des Domkapitels gilt vor allem den Glasmalern und Kunstglasern unserer Dombauhütte, die diese Rekonstruktion durch die Kombination traditioneller Handwerkskunst und den Einsatz neuer Technologien in beeindruckender Weise realisiert haben. Schließlich danken wir der Klosterfrau Group für deren großzügige finanzielle Unterstützung und dem Zentral-Dombau-Verein für das Begleiten dieser dankenswerten Verbindung.“

Die Heilige Helena mit Sankt Gereon. Foto: Andrea Matzker
Flavia Iulia Helena lebte vermutlich von ca. 250 bis ca. 330 und war die Mutter des römischen Kaisers Konstantin, der sie zur Augusta ernannte. In der katholischen und orthodoxen Kirche wird sie als Heilige verehrt. Sie führte eine Beziehung mit dem römischen Offizier Constantius Chlorus und brachte zwischen 272 und 280 den gemeinsamen Sohn Konstantin zur Welt. Constantius verließ sie im Jahr 289. Helenas Sohn Konstantin wurde im Jahr 306 zum Augustus bzw. Caesar ernannt. Nach seinem Regierungsantritt holte er seine Mutter im Alter von ungefähr 57 Jahren nach Trier, die bisher ihren Lebensmittelpunkt hauptsächlich in der Nähe von Konstantinopel gehabt hatte. Helena ließ sich taufen. 309 folgte sie ihrem Sohn nach Rom. Nach dem Zeugnis des Bischofs Ambrosius von Mailand reiste Helena um 326 im Alter von vermutlich 76 Jahren nach Palästina. Angeblich spielte sie eine entscheidende Rolle bei der Suche nach dem Kreuz Christi. Daher wird sie auch im Petersdom mit diesem Attribut dargestellt. Dank ihr wurden Reste des Kreuzes Christi sowie der Ort des Heiligen Grabes gefunden, wie die Legende besagt. Noch heute ruht ein Teil dieses Kreuzes im Petersdom, wo es in der Reliquienkapelle des Heiligen Kreuzes in einem der vier Pfeiler der mächtigen Kuppel über der 1639 vollendeten Helena-Statue des Andrea Bolgi aufbewahrt wird. Helena war Stifterin vieler Kirchenbauten, unter anderem auch des Bonner Münsters. Die Auffindung und Mitnahme der Reliquien der Heiligen Drei Könige werden ihr zugeschrieben. Sie kamen nach Mailand, bis sie von Kaiser Friedrich Barbarossa in den Kölner Dom verbracht wurden. Helena wurde beigesetzt im Helena-Mausoleum im Südosten von Rom. Der Sarkophag aus rotem Porphyr, um 340, befindet sich heute im Museo Pio-Clementino der Vatikanischen Museen. Die römisch-katholische Kirche erinnert am 18. August an sie, die evangelische am 21. Mai, und die koptische am 4. Mai. Heute ruhen ihre Reliquien in einer großen Porphyr-Wanne unter einem achteckigen Altaraufbau im linken Querhaus der Kirche Santa Maria in Aracoeli von Rom. Ihr Haupt wird im Trierer Dom als Reliquie verehrt. Sie gilt als Schutzpatronin der Nagelschmiede wegen der Kreuznägel Christi, die sich in Bamberg, Wien und Rom befinden. Außerdem wird ihre Fürbitte gegen Unwetter und Feuersgefahr erfleht. Noch zu ihren Lebzeiten ließ Konstantin die Geburtsstadt seiner Mutter, Drepanon nahe Konstantinopel, in Helenopolis umbenennen. Nach ihr benannt ist auch, neben mehreren weiteren Städten, die im Südatlantik gelegene Insel Sankt Helena.

Das Klosterfrau-Emblem als Andenken an die Segnung. Dombaumeister Peter Füssenich, Domprobst Monsignore Guido Assmann, Dr. Stefan Koch von Klosterfrau, Professor Dr. Barbara Schock-Werner Präsidentin Zentral-Dombau-Verein. Foto: Andrea Matzker
Neben den bedeutenden Reliquien der Heiligen Drei Könige Kaspar, Melchior und Balthasar, die aus Köln eine der bedeutendsten Pilgerstätten machten, hat die heilige Helena noch einen weiteren Meilenstein der Kölner Geschichte ins Leben gerufen und gesetzt. Ihr wird zugeschrieben, an dem Ort des Martyriums des heiligen Gereon (ca. 270 bis 304) und der thebäischen Legion eine erste Gedenkstätte, die Kirche Ad Martyres (volkssprachlich St. Mechtern), errichtet zu haben. Diese befand sich im heutigen Ehrenfeld. Sie wurden dort als frühe Christen hingerichtet, und Helena wollte ihre Verehrung fördern. Der zehneckige Kuppelbau von Sankt Gereon in der Stadt entstand als Ort der Beisetzung der Märtyrer auf einem spätantiken Ovalbau, der in der rheinischen Tradition eng mit dem Wirken der heiligen Helena verbunden wird, weshalb sie auch auf dem nun rekonstruierten Fenster ein Modell der gleichnamigen, berühmten Kölner Kirche Sankt Gereon trägt. In der Kirche selbst steht die heilige Helena als Statue aus Alabaster mit einem Kreuz als Attribut in ihrer Funktion als Förderin des christlichen Glaubens und Finderin des Kreuzes Christi. Die Figur bekrönte ursprünglich den von Jeremias Geisselbrunn entworfenen und 1635 errichteten Hochaltar. Sie dürfte ein eigenhändiges Werk von ihm sein und ist das einzige Teil, das noch von dem Altar übriggeblieben ist.

Die vier Heiligen mit Baldachinen und Wappenzeile. Foto: Andrea Matzker
Das rund 17 m hohe und 6,5 m breite Helena-Fenster zeigt im unteren Drittel die vier überlebensgroßen Heiligen Helena, Monika, Elisabeth und Mathilde. Benannt ist es nach der heiligen Helena, die links den Reigen als erste anführt. Die Figuren stehen auf Sockeln und sind von Architekturbaldachinen gekrönt. Den unteren Abschluss bildet die Wappenzeile. Deren Neugestaltung greift neben dem bekannten Emblem von Klosterfrau (direkt unter der heiligen Helena) einige Heilpflanzen der Stifterin auf: Alant, Angelika und Pomeranze sind dargestellt. Zudem trägt sie die Inschrift „Maria Clementine Martin Klosterfrau“ und verweist damit auf Maria Clementine Martin, die Gründerin des Kölner Unternehmens. Neben Ornamenten und Maßwerk mussten auch die Figurendarstellungen völlig neu erarbeitet werden. Grundlagen dazu bildeten die historischen Entwürfe aus dem Dombauarchiv, die von den Glasmalerinnen der Dombauhütte in aufwendiger Detailarbeit in maßstabsgerechte Kartons übertragen wurden. Dabei stellten die Auswahl und die Bearbeitung der Gläser sowie die Entwicklung einer harmonischen Farbwirkung eine besondere Herausforderung dar. Umfangreiche Versuchsreihen mussten durchgeführt werden, um die gewünschte Lichtwirkung zu erzielen, sodass sich das neue Fenster nahtlos in den historischen Bestand des 19. Jahrhunderts einfügt. Das Helena-Fenster ist sehr leicht zu finden, da es sich direkt im Anschluss in einem 90°-Winkel links neben dem Fenster von Gerhard Richter befindet.
Von Andrea Matzker/ Dr. Egon Schlesinger

