2.4.2026- Tiroler Festspiele Erl Ostern 2026- „Parsifal“- Festspielhaus Erl
„Zum Raum wird hier die Zeit“

Foto: Xiomara Bender
Richard Wagners letztes musikdramatisches Werk „Parsifal“, das Bühnenweihfestspiel in drei Aufzügen, war bei der Wiederaufnahme am Gründonnerstag der diesjährigen Tiroler Osterfestspiele Erl im vollkommen ausverkauften Festspielhaus Erl, in zum Teil neuer Besetzung, erneut fulminant zu erleben!
In der Inszenierung von Philipp M. Krenn (szenische Leitung der Wiederaufnahme: Sebastian Kranner und Anne Elisabeth Holste) wurde in stimmungsvollen und zur genialen Musik Richard Wagners stimmigen Bildern der weite Weg und die lange Suche nach der Erneuerung und Erlösung beeindruckend umgesetzt.
Der im Rollstuhl sitzende und ewig unter Schmerzen leidende Amfortas fand Erleichterung von seinen Qualen im Wasser, der heiligen Quelle, das ein zentrales Element der Inszenierung darstellte. Weiße, verschiebbare Wände, Vorhänge und größtenteils in weiß gehaltene Kostüme verliehen diesem Erler „Parsifal“ ein eigenes, unverwechselbares, mystisches Flair. Für das Bühnenbild zeichnete Heike Vollmer verantwortlich, für die Kostüme Regine Standfuss und das Licht Stefan Schlagbauer. Überdimensionale Videoprojektionen (Video: Thomas Achitz) von Parsifal, dem Heilsbringer, auf seinem Weg zum „Heiligen Gral“, dem Erler Festspielhaus und dem Passionsspielhaus sowie in den Innenräumen der beiden Häuser schufen eine faszinierende Symbiose zu Wagners Musik. Ebenso wie die spannende und knisternde Begegnung von Parsifal und Kundry.
Inszenatorisch besonders eindrucksvoll gelang der Abschluss dieses phänomenalen Wagner‘schen Meisterwerks, in dem Parsifal, der nunmehrige Gralskönig, weiß gewandet, den heiligen Speer in Händen, in der Mitte der Bühne des Erler Festspielhauses stand und hinter ihm die Bühne hochgefahren wurde und der Chor in Alltagskleidung erschien und sich von der Bühne durch den hell erleuchteten Zuschauerraum verteilte. Gleichzeitig wurde der Orchestergraben hochgefahren. Parsifal stand allein auf der Bühne, der ganze Raum war hell erleuchtet. Die Erlösung war sowohl musikalisch als auch inszenatorisch grandios vollbracht!
Musikalisch war dieser atemberaubende „Parsifal“ in Erl ein überwältigendes Ereignis!
Das exzellente Orchester der Tiroler Festspiele Erl unter der phänomenalen, musikalischen Leitung von Chefdirigent Asher Fisch präsentierte einen musikalisch durchsichtigen, überaus differenzierten, sensitiven, von enormer klanglicher Qualität erfüllten „Parsifal“. Feinst ausgearbeitet, getragen von höchster Intensität und wohldosiertem, dramatischem Impetus war jedes einzelne Instrument deutlich herauszuhören, um dann im hochmusikalischen, voluminösen und spannungsreichen Gesamtklang homogen zu faszinieren und zu emotionalisieren.

Foto: Xiomara Bender
Eine hervorragende Sängerbesetzung komplettierte den brillanten Eindruck dieses „Parsifal“ in Erl.
In der Rolle des Amfortas beeindruckte der deutsche Bariton Michael Nagy. Mit wohlklingender, ausdrucksstarker Stimme, Authentizität und enormer Intensität verkörperte er diesen, von Schmerzen gequälten, Charakter.
Der wohlbekannte und bewährte Bassbariton Falk Struckmann glänzte als Titurel mit seiner profunden, ausdrucksstarken Stimme und großen Bühnenpersönlichkeit.
In der umfangreichen Rolle des Gralsritters Gurnemanz war der berühmte Bass René Pape zu bewundern. Mit seiner markanten, durchschlagskräftigen Bassstimme, exemplarischen Wortdeutlichkeit und überragenden Präsenz wusste er gekonnt zu fesseln und die Intentionen Richard Wagners mit vorbildhafter Authentizität zu verwirklichen.
Zum ersten Mal in seinem Leben sang der junge amerikanische Tenor Jamez McCorkle den Parsifal. Er durfte die Rolle in diesem Jahr von Intendant und Star-Tenor Jonas Kaufmann übernehmen, der im vergangenen Jahr als Parsifal wohlverdiente Triumphe feierte und bei der, am Vormittag stattfindenden, Pressekonferenz ankündigte, dass er den Parsifal in der nächsten Saison wieder höchstpersönlich singen werde!
McCorkle kann als Tenor-Entdeckung bezeichnet werden. Mit souverän geführter, tragfähiger Stimme, edlem Timbre und hoher Musikalität brillierte er bei seinem beachtenswerten Rollendebüt in Erl. Seine Bühnenpersönlichkeit und intensive Darstellung gepaart mit heldischem Tenorglanz prädestinieren diesen jungen Sänger für dieses rare Stimmfach. Er ist sicherlich eine große Hoffnung für die Zukunft!
Der norwegische Bariton Audun Iversen faszinierte in der Rolle des Klingsor mit enormer Präsenz, Intensität und pointierter, pastoser Stimmführung sowie interpretatorischer Intelligenz.

Foto: Xiomara Bender
Ein sensationelles Rollendebüt als Kundry feierte die renommierte Sopranistin Ricarda Merbeth!
Die hocherfahrene Sängerin zog gekonnt alle Register ihres überragenden Könnens und wußte ihre Riesenstimme ökonomisch und intelligent einzuteilen, um von der extremen Tiefe zu den perfekt sitzenden Spitzentönen einen vollkommen ausgeglichenen, differenzierten und hochmusikalischen Stimmcharakter zu präsentieren. Vollkommen authentisch gelang ihr der Übergang von der Verführerin zur Wütenden und schließlich zur Büßerin sowie letztendlich zur Erlösten.
Die große Szene im zweiten Akt von Kundry und Parsifal war von beiden Sängern eine der spannungsreichsten des Abends.
Sehr gut ergänzten als Gralsritter Egor Zhuravskii und Sorin Coliban, als Knappen, Annina Wachter, Camilla Lehmeier, Kristofer Lundin und Josip Švagelj.
Verführerisch, homogen und stimmschön glänzten die Blumenmädchen.
Erste Gruppe: Annina Wachter, Stefani Krasteva, Zoe Hippius.
Zweite Gruppe: Lina Tsiklauri, Camilla Lehmeier, Ani Kushyan (auch Stimme aus der Höhe). Noch zu erwähnen Florian Schindelholzer (Statist).
Großartig war wieder der Chor der Tiroler Festspiele Erl (Einstudierung: Olga Yanum).
Eine exzellente Wiederaufnahme dieses phänomenalen „Parsifal“ in Erl, die sicherlich erneut Maßstäbe setzte!
Marisa Altmann-Althausen

