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ERFURT/ Theater: ROMEO UND JULIA. Ballett von Sergej Prokofjew- Üremiere

20.09.2026 | Ballett/Performance

Theater Erfurt/ Ballett von Sergej Prokofjew Romeo und Julia/ Premiere am 19.09.2026

 Leidenschaftlicher Tanz wird zur emotionalen Publikumserfahrung

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Copyright: Ronny Ristok

 Die Werkgeschichte

 „Es gibt keine traurigere Geschichte auf der Welt als die Geschichte von Romeo und Julia.“ Wer von uns kennt diesen Satz nicht?

Sergei Prokofjews Ballett „Romeo und Julia“ gilt als eine der eindrucksvollsten Interpretationen von Shakespeares Tragödie und ist das meistgespielte Ballett des Repertoires, das auf den renommiertesten Bühnen der Welt gefeiert wird. Prokofjews Musik eroberte mit ihrer Anmut, ihrem Temperament, ihrer Ausdruckskraft und ihrer außergewöhnlichen Melodie – zärtlich, aufrichtig, ungestüm und leidenschaftlich – im Nu die Herzen der Ballettliebhaber. Shakespeares Werk faszinierte den Komponisten nicht nur durch seine präzisen psychologischen Nuancen und seine tragische Wucht, sondern auch durch seine frappierenden Kontraste und die vielschichtige Komplexität seiner Bildsprache.

Interessant ist dabei, dass Shakespeares Tragödie auf wahren Begebenheiten basiert: Die unglückliche Liebesgeschichte zweier Teenager aus verfeindeten Adelsfamilien spielte sich bereits Anfang des 13. Jahrhunderts ab. Die erste Fassung des Balletts, die Sergei Prokofjew dem Bolschoi-Theater präsentierte, hatte zudem noch ein Happy End; diese freie Interpretation von Shakespeares Tragödie löste jedoch erhebliche Kontroversen aus, woraufhin der Komponist ein tragisches Ende schuf. Der Grund, warum Prokofjew ursprünglich ein Happy End vorgesehen hatte, war dabei denkbar einfach: Er gab selbst zu, dass es lediglich darum ging, damit die Figuren weitertanzen konnten.

Die Koproduktion

Mit Romeo und Julia bringt das Thüringer Staatsballett am Theater Erfurt eine Neuinterpretation von William Shakespeares berühmter Liebestragödie auf die Bühne. Die Produktion entstand als Koproduktion des Theater Erfurt und des Theater Altenburg Gera und wurde am 8. Mai 2026 in Gera erstmals aufgeführt.

Im Mittelpunkt der Handlung stehen die verfeindeten Familien Montague und Capulet. Als sich Romeo Montague und Julia Capulet begegnen, verlieben sie sich sofort ineinander. Trotz des Konflikts zwischen ihren Familien treffen sie sich heimlich. Als Romeo jedoch Julias Cousin Tybalt in einem Duell tötet, muss er Verona verlassen. Gleichzeitig soll Julia gegen ihren Willen den Adligen Paris heiraten. Um dieser Zwangsheirat zu entgehen, nimmt sie einen Trank, der sie tot erscheinen lässt. Die Nachricht über diesen Plan erreicht Romeo nicht rechtzeitig, sodass die Liebesgeschichte tragisch endet.

Die Vorlage von William Shakespeare gilt als die bekannteste Liebesgeschichte der Weltliteratur. Sergej Prokofjew vertonte sie 1935 als Ballett und schuf damit eines der bedeutendsten Werke des klassischen Repertoires. Besonders berühmt wurde der kraftvolle „Tanz der Ritter“, dessen markante Rhythmen bis heute weltweit bekannt sind.

 

Die Inszenierung von Emanuele Babici

Für die Choreografie zeichnet Emanuele Babici verantwortlich, der 2003 in Triest geboren wurde und seit der Spielzeit 2023/24 zum Corps de ballet des Stuttgarter Balletts gehört. Seine Inszenierung konzentriert sich nicht nur auf die Liebesgeschichte, sondern auf die Entwicklung der Figuren und ihre Beziehungen zueinander.

Babici betrachtet dabei besonders Romeo und Paris als zwei gegensätzliche junge Männer. Romeo erscheint als gefühlvoller Idealist, der seinen Emotionen folgt und sich von den Ereignissen treiben lässt. Paris hingegen verkörpert Tradition, gesellschaftliche Ordnung und den vorgezeichneten Weg eines Mannes aus gutem Hause.

Auch Julia steht im Zentrum seiner Deutung. Zu Beginn wirkt sie noch jung und fast kindlich, entwickelt sich jedoch im Verlauf der Handlung zu einer selbstständigen und entschlossenen Persönlichkeit. Eine wichtige Rolle spielt dabei nicht ihre Mutter, sondern die Amme, die zu ihrer engsten Vertrauten wird.

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Copyright: Ronny Ristok

 

Die Musik als dramaturgisches Fundament

 Babici orientiert sich eng an Prokofjews Partitur. Er analysierte die musikalischen Leitmotive und nutzt sie gezielt zur Figurenzeichnung. So begleiten das Liebesthema, das Madrigal-Thema der ersten Begegnung sowie Julias zunächst helles und kindliches Thema ihre Entwicklung durch die Handlung.

Für den zweiten Akt griff der Choreograf außerdem das bei Shakespeare erwähnte Erntefest Lammas auf. Dieses Fest verbindet die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen Veronas miteinander und erweitert die Handlung um eine zusätzliche Ebene. Musikalisch erlaubt sich Babici einen kleinen Eingriff in die Partitur von Prokofjew, er sagt: „Ich habe dafür den dritten Satz aus der vierten Sinfonie von Sergej Prokofjew verwendet. Diese Musik stammt ursprünglich aus seinem Ballett – deshalb hat sie eine starke Verbindung zur Bühnensprache und funktioniert sehr gut in diesem Kontext.“

Das symbolistische Bühnenbild von Duncan Hayler

 Das Bühnenbild und die Kostüme stammen von Duncan Hayler. Statt Verona naturgetreu darzustellen, entwickelte er eine symbolische Bildsprache. Das zentrale Motiv ist dabei das Schwert. Es steht zugleich für Hass, Gewalt und Tod, erinnert aber auch an ein Kreuz oder einen Grabstein.

Aus beweglichen Schwertformen entstehen während der Aufführung die verschiedenen Spielorte der Handlung. Mit wenigen Veränderungen verwandeln sich die Elemente in einen Ballsaal, einen Marktplatz, ein Kloster oder andere Räume. Dadurch wirkt die Bühne ständig im Wandel und unterstützt das Motto der Spielzeit 2026/27: „Verwandlungen“.

Auch die Kostüme greifen diese Gestaltungsidee auf. Metallische Farbtöne prägen das Erscheinungsbild beider Familien. Die Capulets wirken etwas kühler, die Montagues etwas wärmer, ohne dass sie deutlich voneinander abgegrenzt werden.

Besonders eindrucksvoll ist die Ballszene. Inspiriert von einer heißen Sommernacht bevölkern Schmetterlinge, Nachtfalter, Libellen und Gottesanbeterinnen die Bühne. Über ihnen hängt ein Kronleuchter aus Schwertern, der die Insekten anzuziehen scheint und eine zugleich schöne und bedrohliche Atmosphäre schafft.

Insgesamt gibt es viele Szenen, die das pralle Leben widerspiegeln, zu Beginn wird in einer bäuerlichen Szene Wäsche aufgehängt. Auch das Bauernfest „Lammas“ wird urtümlich ländlich in den Bauern-Kostümen gezeigt.

Das Schlussbild

Im Finale wird die Symbolik des Bühnenbildes noch einmal gesteigert. Der zuvor präsente Grabstein verwandelt sich in einen überdimensionalen Dolch. Die Figuren bewegen sich darauf wie kleine Ameisen und erscheinen machtlos gegenüber Hass, Schicksal und gesellschaftlichen Zwängen.

Zum Ende sind auf beiden Seiten der Bühne riesige Dolche zu sehen und der Raum wird zu einer Krypta umgewandelt. Realität und übernatürliche Bilder gehen ineinander über.

Die Grabstätte ist dieser riesiger Dolch auf dem die Liebenden ihre letzte Ruhe finden, in ewiger Liebe vereint. So endet die Inszenierung nicht nur als Liebestragödie, sondern auch als nachdenkliche Betrachtung über Konflikte, Gewalt und die Folgen von Feindschaft. Diese dramatischen Steigerungen beeindrucken die Zuschauer zutiefst.

Die Produktion wurde von der Fachzeitschrift „tanz – international edition“ positiv aufgenommen. Kritikerin Dorion Weickmann lobte insbesondere den Mut, einem erst 22-jährigen Choreografn ein so bedeutendes Werk anzuvertrauen. Auch das Publikum in Erfurt zeigte sich begeistert und würdigte die Aufführung mit lang anhaltendem Applaus.

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Copyright: Ronny Ristok

Fazit

 Das Thüringer Staatsballett hat mit Romeo und Julia auf ganzer Linie überzeugt. Besonders die beiden Hauptdarsteller Emilie Menezes de Siqueira als Julia und Carlos Eduardo Boeira als Romeo verliehen der tragischen Liebesgeschichte große emotionale Tiefe und machten die Entwicklung ihrer Figuren glaubhaft und berührend sichtbar. Tänzerisch überzeugten sie auf ganz hohen Niveau. Beide zeigten höchste tänzerische Leichtigkeit und äußerste Dramatik in den entsprechenden Szenen. Diese Vielseitigkeit ließ die Zuschauer staunend zurück,

Auch Cristian Emanuel Amuchastegui als Mercutio, Adrian Manzano als Paris und Filippo Zoppellaro als Tybalt setzten starke tänzerische Akzente und trugen wesentlich zur dramatischen Spannung des Abends bei. Dabei wurde die Charakter-Verkörperung bei allen immer deutlich sichtbar. So war für das Publikum jede Einzelrolle jederzeit erkennbar.

Ebenso überzeugten die weiteren Solistinnen und Solisten des Ensembles. Avril Llevara Quesada als Amme, Pol Dominguez Perez als Benvolio, Jéssyca Helena Rett und Artem Pshenychnykov als Lady und Lord Capulet sowie Julia Figueras Ramirez und Pablo Bueno Tierz als Lady und Lord Montague gestalteten ihre Rollen mit großer Präsenz. Auch Aiste Stankevičiute als Rosalinde, Norbert Skowronek als Pater Lorenzo, Davit Vardanyan als Herzog von Verona sowie Nikita Sinkevich, Mathis Sofiane Cherraf, Damiano Cerri und Giovanni Cancemi rundeten die Aufführung mit starken Leistungen ab.

Ein besonderes Lob gilt dem gesamten Ensemble des Thüringer Staatsballetts sowie den Eleven des Thüringer Staatsballetts, die die großen Gruppenszenen mit Präzision, Dynamik und Ausdruckskraft gestalteten. Die Choreografie von Emanuele Babici wurde von allen Mitwirkenden mit bemerkenswerter Hingabe umgesetzt und entfaltete dadurch ihre volle Wirkung.

Wesentlichen Anteil am Erfolg des Abends hatte zudem das Philharmonische Orchester Erfurt unter der musikalischen Leitung von György Mészáros. Die Musiker interpretierten Sergej Prokofjews Partitur kraftvoll, differenziert und mit großer Sensibilität für die dramatischen wie lyrischen Momente des Werkes. Musik und Tanz gingen eine enge Verbindung ein und machten die Emotionen der Handlung unmittelbar erlebbar.

Gemeinsam mit dem eindrucksvollen Bühnenbild und den Kostümen von Duncan Hayler entstand ein stimmiges Gesamtkunstwerk, das das Publikum von Beginn an fesselte. Das Thüringer Staatsballett bewies mit dieser Produktion eindrucksvoll sein hohes künstlerisches Niveau und schuf einen Ballettabend, der noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Larissa Gawritschenko und Thomas Janda

 

Weitere Vorstellungen im Theater Erfurt finden:

am 27. September 2026 um 18:00 Uhr,
am 24. Oktober 2026 um 19:00 Uhr,
am 1. November 2026 um 18:00 Uhr,
am 2. Dezember 2026 um 15:00 Uhr,
am 3. Dezember 2026 um 19:00 Uhr,
am 4. Dezember 2026 um 19:30 Uhr sowie
am 5. Januar 2027 um 19:30 Uhr statt.

 

 

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