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EPIDAURUS FESTIVAL/ Antikes Theater: TROADES (DIE TROERINNEN) von Euripides am 2.8.2026

03.08.2026 | Theater

EPIDAURUS FESTIVAL/ Antikes Theater: TROADES (DIE TROERINNEN) von Euripides am 2.8.2026

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Copyright: National Theatre

Die Troades (Troerinnen) sind mit ziemlicher Sicherheit die grausamste, brutalste, zerstörerischste, traurigste, aussichtsloseste, niederschmetterndste Tragödie der Theatergeschichte.

Das Stück spielt nach dem Fall Trojas. Es gibt eigentlich nur Frauen, eben die Troerinnen. Bis auf den griechischen „Boten“, der sich immer dafür entschuldigt, dass er die schlimmsten, sadististischen, grauenhaftesten, tödlichsten Nachrichten überbringen muss – weil es die „Oberen“ Griechen so beschlossen haben.

Die Frauen werden auseinandergerissen, griechischen Feldherren „zugelost“, vergewaltigt, gedemütigt, ermordet.

Andromaches und Hektors Sohn wird von der Stadtmauer gestürzt, Hekuba verliert alle ihre Kinder und bleibt allein zurück. Die überlebenden Frauen werden einzeln nach Griechenland verschifft, Troja wird in Brand gesteckt.

Schlimmer, sinnlos grausamer und „dystopischer“, wie das Modewort heißt, geht’s nicht. Kein Hoffnungsschimmer, kein Licht am Ende des Schlachtens, kein Funke eines Sinns dieses allumfassenden Leidens.

Die Troerinnen sind eigentlich gar nicht auszuhalten.

Das Griechische Nationaltheater hat nun beim Festival von Epidaurus eine neue Inszenierung von Eleni Efthymiou herausgebracht (die anschließend auf Tournee nach Chios, Thesaloniki, Kavala etc. gehen wird)

Viel wurde im Vorfeld dem Zeitgeist entsprechend pr.-mässig davon Aufhebens gemacht, dass dies die erste Produktion in Epidaurus „nach 2500 Jahren“ sei, bei der  „sensorisch beeinträchtigte“ und „behinderte“ Menschen mitspielen.

Soll sein. Wäre aber nicht notwendig gewesen, denn die Aufführung besteht auch aus eigenem künstlerischem Recht voll für sich selbst. Schadet aber auch nicht, weil die Darstellerinnen ihre Sache mit vollem Eifer und totaler Leidenschaft sehr sehr gut machen.

Unvergessen wird aber Lydia Fotopoulous Hekuba bleiben, das Sinnbild und Zentrum dieses inkommensurablensten, unsagbarsten, unaushaltbarsten und unheilbarsten Schmerzes (ihre wunderbaren Mitspielerinnen arbeiten ihr zu wie die argentinische Nationalmannschaft Lionel Messi).

Nicht einmal ein Fass Ouzo kann einem nachher aus dieser Endzeit-Depression herausreissen. Unerträglich großartig. Großartig unerträglich.

 

Robert Quitta, Epidauros

 

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