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„ENFERS“ – STÉPHANE DEGOUT auf den Spuren von Henri Larrivée – Raphaël Pichon und das Ensemble Pygmalion musizieren eine imaginäre Totenmesse mit Ausschnitten aus Opern Rameaus und Glucks – harmonia mundi CD

18.02.2018 | cd

„ENFERS“ – STÉPHANE DEGOUT auf den Spuren von Henri Larrivée – Raphaël Pichon und das Ensemble Pygmalion musizieren eine imaginäre Totenmesse mit Ausschnitten aus Opern Rameaus und Glucks – harmonia mundi CD

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Alles was Raphaël Pichon derzeit angreift, scheint zu Gold zu werden.. Seine neuesten Produktionen wie „Stravaganza d’Amore! – The Birth of Opera at the Medici Court“ oder „Les Funerailles Royales de Louis XIV“ sind Musterbeispiele dafür, wie man Alte Musik auf aufregende Art neu sehen, hören, erfühlen kann. Wenn dann noch ein so grandioser Bariton wie Stéphane Degout mit von der Partie ist, ist der Erfolg quasi vorprogrammiert. Dieser Eindruck bestätigt sich nach dem Anhören ihres neuesten musikalischen Coups, einer gar berauschenden barocken Höllenfahrt im Kleide eines Requiems. Die Suche nach seiner Geliebten hat Orpheus in die Unterwelt zu den gefürchteten Dienern Plutos getrieben, das ist so in den Opern von Peri, Monteverdi und Gluck in schaurig schönste Musik gegossen.

 

Ein Tragöde alias Stéphane Degout und der Chor des Ensembles Pygmalion sind es, die sich auf dem neuen Album auf eine imaginäre Fahrt zur höheren Glorie des Todes bis zu den bizarren Abgründen der Unterwelt aufmachen. Freilich klingt das musikalisch ganz und gar nicht schrecklich. Die glänzende und kraftvolle Zeremonie mit Kyrie, Graduel, Séquence, Offertorium, Communion & In Paradisum trägt zweifellos parodistische Züge. Mögloich war dieser Parforceritt, weil in einer Pariser Bibliothek ein anonym verfasstes Requiem nach der Musik Jean-Philippe Rameaus aus „Castor et Pollux“ und „Fêtes de Paphos“ gefunden worden ist.

 

Außer dem berühmten „Chaos“ von Jean-Féry Rebel stammen alle Teile der CD aus Werken Jean-Philippe Rameaus und Christoph Willibald Glucks. Vokale und instrumentale, geistliche und profane Stücke wechseln einander ab. Die Hölle gab ja auch fantastische Schauplätze für Ballette aller Art ab. Die mythologischen Heroen (keine Tragédienne diesmal) aus „Dardanus“, „Iphigenie en Tauride“, „Thésée“, „Armide“, „Zoroastre“, „Orphée et Eurydice“, „Hippolyte et Aricie“ sind es, die ihr zu läuterndes Seelenleid in die Welt schreien. In Ensembleszenen dürfen auch Emmanuelle de Negri, Stanislas de Barbeyrac, Reinoud Van Mechelen, Sylvie Brunet-Grupposo, Nicolas Courjal, Thomas Dolié und Mathias Vidal beherzt zum satanischen Hörvergnügen beitragen.

 

Die vor Dissonanzen und kühnen Harmonien nur so strotzenden symbolischen Szenen aus den zitierten Opern geben einen effektvollen Rahmen für den spektakulären Trip durch das Königreich des Hades ab. Es wurde eine speziell für Stéphane Degout zusammengestellte kleine Oper, die höchsten Ansprüchen gerecht wird. Kluge Dramaturgie, und Programmatik, einer der besten Baritonstimmen der Welt und ein vor Energie und musikalischer Unbändigkeit Schwefeldämpfe ausschwitzendes Orchester machen Barockmusik neu erlebbar.

 

Als historisches Vorbild für Degout diente wohl Henri Larrivée, der viele Charaktere Rameaus verkörperte, aber vor allem bei den Uraufführungen die Rollen des Orest, Ubaldes und Agememnons (alle Gluck) aus der Taufe hob. 

 

Termine Stéphane Degout:

17. 3. – 6. 4. 2018 Verdi, Don Carlos NEUPRODUKTION

Christophe Honoré, Regie / Daniele Rustioni, Musikalische Leitung / Oper Lyon

10. – 26. 5. 2018 Benjamin, Lessons in Love and Violence URAUFFÜHRUNG

Katie Mitchell, Regie / Royal Opera House Covent Garden, London

25. 6. – 1. 7. 2018 Lessons in Love and Violence – Dutch National Opera, Amsterdam

9. 7. 2018 Récital Debussy, Ravel, Fauré – Festival d’Aix-en-Provence

 

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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