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ELBA/ Verschiedene Spielorte: FESTIVAL ELBA ISOLA MUSICALE D’EUROPA

20.09.2021 | Allgemein, REISE und KULTUR

ELBA/ Verschiedene Spielorte: FESTIVAL ELBA ISOLA MUSICALE D’EUROPA

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vom 29.7.- 3.8.2021

Mit der Insel Elba verbindet man ja in erster Linie: Napoleon, Sommerurlaub, Zweitwohnsitze, Strand und Meer, aber nicht unbedingt klassische Musik. Und doch gibt es auf der italienischen Ferieninsel ein diesbezügliches, hoch ambitioniertes und international renommiertes Festival, und das nicht erst seit gestern, sondern schon seit 25 Jahren.

Zu verdanken ist das dem russisch-jüdisch-amerikanischen, in Paris lebenden Professor für Kammermusik George Edelman, der sich in Elba verliebt und beschlossen hatte, etwas zur musikalischen Belebung dieses paradiesischen Ortes zu tun. Sein größtes historisches Verdienst dabei: die Restaurierung des entzückenden kleinen Teatro dei Viglianti in Portoferraio

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Konzert vor der Villa Romana della Linguella. Foto: Robert Quitta

In Zeiten des C-Wortes wich man heuer natürlich lieber auf Open-Air-Locations aus. Und was das betrifft, gibt es auf der Insel natürlich eine Unzahl von bezaubernden Orten (die man sonst vielleicht gar nicht besuchen würde) wie zB.: die Villa Romana della Linguella, die Villa Romana delle Grotte, das Anfiteatro delle Miniere in Rio, das Anfiteatro La Vantina in Capoliveri, das Santuario della Madonna del Monte in Marciana und und und…

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Haydn-Streichquartette vor der Villa Mulini. Foto: Robert Quitta

Ganz ohne Herrn Napoleon ging es im Gedenkjahr zu seinem 200.Todestag natürlich auch nicht ab. Und so führte man zu seinen Ehren in den Gärten der beiden Villen, die er während seines 11monatigen Exils hier bewohnt hat (Villa dei Mulini und Villa San Martino), eine Reihe von Haydnschen Streichquartetten auf. Als Monsieur Bonaparte nämlich noch nicht Kaiser, sondern „nur“ Erster Konsul war, soll er diese, heisst es, sehr geschätzt haben. Beim Anhören dieser ungeheuer abstrakten, sublimen und feingeistigen Kompositionen kann man sich eigentlich nicht vorstellen, dass der Schlächter Europas gerade dafür ein Ohr gehabt haben soll, aber bitte…

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Propolizios Dante Lesung. Foto: Robert Quitta

Am zweiten grossen Jubiläum dieses Jahres, dem 700.Todestag von Dante Alighieri, konnte das Festival, noch dazu in Italien, natürlich auch nicht einfach so vobeigehen. Also las Massimo Propolizio, einer der besten Schauspieler Italiens, aus diesem Anlass einen sehr speziellen Text von Cesare Mazzonis mit dem schönen Titel „Separarsi con Dante“ (Sich trennen mit Dante).

Zur Ummantelung dieser Lesung hatte George Edelman ein musikalisches Rahmenprogramm organisiert. Das absolut sensationelle Streicherensemble Orchestra Leonore spielte lauter rare, selten aufgeführte, herzzerreißende Werke von Hugo Wolf, Franz Schreker, Alban Berg und Gustav Mahler. Für sich allein genommen, wäre das ein wunderbares Konzert gewesen, so wie die Lesung selbst schon eine tolle Lesung war. Die Verbindung von Text und Musik wollte jedoch in diesem Fall nicht wirklich einleuchten. Zumal der Anblick von 20 Orchestermitgliedern, die, während Propolizio las, mit fadem Aug‘ auf ihren Einsatz warteten, auch nicht besonders erquickend ist.

George Edelman muss nicht nur über ein ungeheures Netzwerk, sondern auch über einen ungeheuren Charme verfügen. Wie könnte es ihm denn sonst gelingen, auf diese kleine, doch etwas mühsam zu erreichende Insel bei höchstwahrscheinlich nicht exorbitanten Gagen regelmäßig immer wieder absolute Weltstars zu locken ?

Heuer waren dies (zum dritten Jubiläum dieses Jahres, dem 100. Geburtstag von Astor Piazzola)

Gideon Kremer und seine Kremerata Baltica sowie die wahrscheinlich bedeutendste Pianistin unserer Zeit: Martha Argerich.

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Martha Argerich. Foto: Robert Quitta

Selbstlos wie die nunmehr 80jährige nun einmal ist, bot sie kein Soloprogramm, sondern bezog andere junge Musiker in den Abend ein. Zu Beginn performte sie mit der talentierten Akane Sakai zu vier Händen eine Klavierbearbeitung von Strawinskys „Sacre du Printemps“. Überflüssig zu sagen, dass beide Damen äußert virtuos waren, die Notwendigkeit einer Bearbeitung dieses doch in erster Linie vom Orchesterklang lebenden Opus erschloss sich allerdings nicht.

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Martha Argerich spielt Quintett. Foto: Robert Quitta

Weitaus überzeugender war da schon das Quintett von Argerichs Leib-Magen-und Seelenkomponisten Robert Schumann, dass die Hl.Martha gemeinsam David Grimal, Aki Saulière, Georgy Kovalev und Raphael Bell musizierte.

Eine Sternhalbestunde.

Robert Quitta, Elba

 

 

 

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