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EGGENFELDEN/ Bayern/ Fischbrunnenplatz: „DIE GANZE WELT IST HIMMELBLAU…“

09.08.2020 | Konzert/Liederabende


Anete Liepina, Branimir Agovi, Lara Kobela. Foto: Tanzler

8.8. 2020 Eggenfelden ( Bayern): Fischbrunnenplatz: „DIE GANZE WELT IST HIMMELBLAU…“

…wenn ich in Live-Publikums Augen schau“ ! So könnte man die Begrüßungsworte von Petra Weber-Schuwerack auf den Punkt bringen, an diesem heissen, schönen Sommerabend in der 14.000 Seelen Stadt Eggenfelden im Rottal, gar nicht soweit vom oberösterreichischen Schärding. Unter dem Motto des Robert Stolz Liedes stand dieser erfrischende Abend, der als rundum gelungen bezeichnet werden kann, und der auf der „Piazza“ des bayerischen Städtchens auch ein bissl mediterranes Flair aufkommen ließ – und der als Zugabe mit einem von allen Mitwirkenden , etwas „unorthodoxem“ , aber nicht minder gefallendem „Nessun dorma“ beendet wurde!

     Aber der Reihe nach:  die Initiatorin und treibende Kraft des Abends, Petra Weber-Schuwerack , die in Eggenfelden wohnt, und die sich um den talentierten Sängernachwuchs besonders bemüht, veranstaltet ebendort jährlich eine Sommerakademie mit Abschlusskonzert. Da dieses Jahr aus den bewussten „Corona-Gründen“ dieselbige ausfallen musste, gab es zumindest ein Konzert, wo die in ihrer Karriere auch einige Jahre an der Volksoper im Ensemble gewesene Mezzosopranistin eben auf junge, von ihr betreute Sänger zurückgriff. Unterstützt von der Stadt, wo mit dem Bürgermeister Martin Biber seit heuer ein Tenor an der Spitze der Stadtregierung steht, der selber schon von Frau Weber-Schuwerack betreut worden ist, in der Pfarrkirche bei Messen als Solist hervortritt, und am Schluß mit herzerfrischenden, aus dem Stegreif hervorsprudelnden Dankesworten sowohl sein Kunstverständnis, als auch seine „Entertainer“-Qualitäten unter Beweis stellte, erfreute man das Publikum mit einem beschwingt abgespulten Programm aus Operette und Musical, von Berlin bis Wien und New York ! Zusammengestellt, choreografiert und mit sehr interessanten, launigen Worten auch präsentiert wurde das publikumswirksame Programm von der „Chefin“ s  Gatten, Franz-Josef Schuwerack, dem ein spezielles Sonderlob gebührt! Bewundernswert allein der Aufwand an den verschiedensten Kostümen, die die Darsteller vorführten, und wo es einige Male sehr eng geworden sein muss, wieder rechtzeitig auf der improvisierten Bühne aufzutauchen…

     Ein junger Mann musste es mit 3 Damen „aufnehmen“, aber der sympathische Branimir Agovi schaffte das geradezu spielerisch. Ein richtiger Operetten Bonvivant wächst da heran, gutes Aussehen, charmantes Spiel und einen schönen lyrischen Bariton kann der aus Albanien stammende und schon einige Jahre in Wien lebende Künstler aufweisen. Auch technisch kann er einiges, er musste ein Repertoire abdecken, vom Tenorbuffo bis zum Baß und überspielte geschickt jene Töne, die eigentlich ausserhalb seiner „Reichweite“ lagen – auch das mag gelernt sein! EinTemperamemtsbündel der Sonderklasse ist Anete Liepina, auch schon fast als „Wienerin“ zu bezeichnen. Eigentlich stammt die zierliche und quirlige Sopranistin aus Lettland, hat schon Erfahrung in einigen Operetten und Opernproduktionen und und punktet mit ihrem lieblichen Sopran, ihrer Wandlungsfähigkeit  und ihrem mitreissenden Temperament. Noch jünger ist die aus dem Berliner Umland stammende Lara Kobela, die hier quasi die „Diva-Rolle“ übernehmen musste, und die speziell in der oberen Mittellage durch üppige Töne schon anzeigte, dass ihr Weg in diese Richtung führen wird! Sie bringt auch die atraktive Physis für dieses Fach mit, die nötige Routine kommt mit den Jahren, und die „künstlerische Vorbelastung“: ist doch ihr Großvater Detlef Kobjela ( geb. 1944 bei Cottbus) einer der bedeutendsten Komponisten (darunter  auch Operetten ) und Musikwissenschaftler der sorbischen Volksgruppe in der Lausitz gewesen. Petra Weber – Schuwerack demonstrierte eindrucksvoll ihr Können und gab ihren Schülern eine praktische Lektion, wie man auf der Bühne punkten kann, und die Stimme differenziert und effektvoll einsetzt.

     Erfreulich, daß hier – entgegen dem furchtbaren Drang, alles laut und verstärkt darzubieten – tatsächlich alles natürlich ablief. Am Klavier lieferte der junge Spanier Roberto Secilla eine Meisterleistung, qualitativ und quantitativ: dabei war er erst einen Tag davor als „Einspringer“ engagiert worden! Bravo! Nach dem Konzert wurde am Platz noch so manches Gläschen Wein geleert, dankenswerterweise hatte die sich dort befindliche Vinothek mit einem Stand vor dem Geschäft postiert. Ein passender Abschluss für einen wirklich prickelnden Abend.

 Michael Tanzler

 

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