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DVD: POLLICINO (Wien 2013)

05.01.2014 | CD/DVD/BUCH/Apps, dvd

DVDCover Pollincino

DVD
Hans Werner Henze:
POLLICINO
Wiener Staatsoper, 2013
Belvedere

Dieser „Pollicino“ ist ein Dokument der Ära Dominique Meyer an der Wiener Staatsoper: Nach vielen erfolgreichen Jahren des „Kinderzelts“ am Dach des Hauses (ein Erbe von Vorgänger Ioan Holender) will er das Genre der „Kinderoper“ auf eine breitere Basis stellen, sprich: ins Haupthaus holen. Die Henze-Aufführung ist das erste Beispiel dafür, mit der Konsequenz, dass man das Werk um ein Drittel gekürzt hat, um es auf die kindergerechte einstündige Länge zu bringen.

Wieso fällt eigentlich niemandem auf, wie eminent traurig, ja, darüber hinaus grausam diese Geschichte ist? Wir lernen Leute kennen, die so arm sind, dass sie ihre Kinder im Wald aussetzen wollen – immerhin darf vor allem Hans Peter Kammerer als Vater und auch Caroline Wenborne als Mutter zeigen, dass es ihnen schwer fällt und sie von ihrem Gewissen gequält werden. So richtig einsichtig ist es doch nicht, dieses Elend als „Kinderoper“ zu verarbeiten (ungeachtet der entfernten Verwandtschaft zu „Hänsel und Gretel“), die dann erst „lustig“ wird, wenn man auf den Menschenfresser trifft? Und der wird, mit einer lederartigen roten Gesichtsmaske, hier dargestellt, als hätte man es mit einem Horrorfilm zu tun… Im übrigen hat Ausstatterin Marie-Elena Amos ein einfaches Bühnenbild (elterliche Hütte, Wald) und ein paar ganz herzige Tierkostüme geschaffen.

Die Verfilmung der Staatsoper-Produktion für DVD, die im Bild nicht superscharf wirkt, versucht die programmatisch schlichte Aufführung von Regisseur René Zisteter durch Schnitte und Überblendungen etwas lebendig zu machen, aber vor allem, wenn die Kinder am Ende über einen Steg von der Bühne kommen, wirkt die Kameraführung überfordert – einen Meister am Regie- und Mischpult hat man da nicht engagiert.

Das durch und durch seltsame Werk ist am besten von der Musik her zu begreifen, die Henze geschickt und trickreich und tonal aus vielen Vorbildern locker amalgamiert hat. Musikalisch funktioniert das einigermaßen unter der Leitung von Gerrit Prießnitz, mit den genannten Elterndarstellern, Andreas Hörl als Menschenfresser und dem jungen Mattheus Sinko in der Titelrolle.

Dennoch, um die Wahrheit zu sagen: Es gibt bessere Beispiele von Kinderopern-Produktionen, auch von der Wiener Staatsoper.

Renate Wagner

 

 

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