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DRESDEN/Semperoper 2: 2. AUFFÜHRUNGSABEND DER SÄCHSISCHEN STAATSKAPELLE DRESDEN

11.03.2015 | Konzert/Liederabende

Dresden / Semperoper: 2. AUFFÜHRUNGSABEND DER SÄCHSISCHEN STAATSKAPELLE DRESDEN – 10.3.2015

 Hermann Bäumer, den Dresdner Musikfreunden schon als Dirigent der Moritzburg Festival Akademie bekannt, trat nun im 2. Aufführungsabend erstmalig mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden auf. Der Abend war so zweigeteilt wie seine offenkundigen Vorlieben.

 Im ersten Teil standen 2 weitgehend unbekannte Werke bekannter Komponisten auf dem Programm, das Vorspiel zur Märchenoper „Dornröschen“ (EHWV 121) von Engelbert Humperdinck und das „Konzert für Klarinette, Viola und Orchester eMoll“ (op. 88) von Max Bruch.

 Humperdinck, den viele (nur) mit seinem Welterfolg, der beliebten Märchenoper „Hänsel und Gretel“ in Verbindung bringen, versuchte mit weiteren Märchenopern wie „Dornröschen“ und „Königskinder“ an diesen Erfolg anzuknüpfen, aber diesen Opern war kein bleibender Erfolg beschieden. Kürzlich wurden z. B. die „Königskinder“ an der Semperoper neu inszeniert (Pr. 19.12.2014 – Kritik der Aufführung am 29.12.2014 im Online-Merker). In diesem Aufführungsabend hatte man nun Gelegenheit, einen Eindruck von der Musik zu „Dornröschen“ zu erhalten.

Dass Humperdinck als Wagner-Epigone gilt – er war 1,5 Jahre Assistent von Wagner in dessen Bayreuther Villa „Wahnfried“ bei der Vorbereitung der Uraufführung des „Parsifal“ und nach dessen Tod musikalischer Assistent bei den Bayreuther Festspielen, und er unterrichtete auch Siegfried Wagner in Kompositionslehre – war nicht nur in der Bezeichnung „Vorspiel“ zu „Dornröschen“ unverkennbar, sondern auch musikalisch unüberhörbar. Bereits bei den ersten Tönen wurde man an „Lohengrin“ erinnert. Hier „webten“ Wagners Kompositionsstil und Humperdincks eigener Personalstil dicht nebeneinander. Wenn auch der Anfang etwas „schwächelte“, spielten die Musiker doch bald gewissenhaft, wie gewohnt. Es fehlte lediglich eine Führung und stärkere Inspiration durch den Dirigenten. So hatte man lediglich eine Vorstellung vom weiteren Schaffen Humperdincks.

 Ähnlich verhielt es sich bei Max Bruchs Konzert. Wolfram Große, Solo-Klarinettist und Andreas Schreiber, Stellvertretender Solobratscher sorgten für perfekt ausgeführte, klangschöne Soli mit dem nötigen musikalischen Feingefühl und im Zusammenspiel für eine niveauvolle „Zwiesprache“ zwischen Viola und Klarinette, Solo-Viola und Orchester und Solo-Klarinette und Orchester. Sie spielten die seelenvollen Melodiebögen des „schmelzenden“ 1. und 2. Satzes mit musikalischer Leidenschaft und „Inbrunst“, unterstützt und mitgestaltet von der Kapelle mit ihrem Konzertmeister Jan Vogler. Sie taten ihr Möglichstes und ließen die Schönheit der ersten beiden Sätze und auch mancher Passage im 3. Satz erkennen, aber auch hier fehlte die leitende Hand des Dirigenten, der etwas unsicher wirkend, sich hier nicht so recht wohl zu fühlen schien. Er hätte mehr daraus machen können, aber es schien „nicht seine Sache“ zu sein.

 Wenn auch der 3. Satz kompositorisch stark zu den beiden vorherigen Sätzen mit seinem lautstarken Beginn und reichlich Pauke kontrastiert und stellenweise irgendwie oberflächlich-effektsuchend wirkt, passt er letztendlich in seiner Grundstruktur doch dazu. Eine gute Interpretation vorausgesetzt, verdiente dieses Konzert aus dem Schatten von Bruchs „1. Violinkonzert“ und dessen „Schottischer Phantasie“ wieder mehr ins Licht, d. h. in die Konzertsäle geholt zu werden.

 Das Blatt, d. h. das Engagement des Dirigenten, wendete sich erst nach der Pause. Hier trat Bäumer bei einem „Ausflug“ in ganz andere Gefilde stärker in Erscheinung. Bei Darius Milhauds, stark von der brasilianischen Popmusik beeinflusster Orchesterfantasie „Le bœuf sur le toit“ (Der Ochse auf dem Dach) (op. 58) lebte er sichtlich auf und entfaltete ein umwerfendes Temperament. Bei diesem Ausflug in ganz andere „Gefilde“ schien er in seinem Element zu sein und inspirierte die Staatskapelle, „durchgestylt“ bis ins letzte Detail zu spielen. Ob man für diese rhythmisch, ausgelassene, die Formen und Genres vermischende Musik unbedingt eine ausgezeichnet spielende Staatskapelle braucht, die allerdings das Ganze stark veredelte, sei dahingestellt. Für das Stück war’s von Vorteil und für Dirigent, Kapellmusiker und Publikum eine heitere Abwechslung.

Von ganz anderem Charakter war die „Suite für Orchester ‚Ma mere l’oye‘ “ („Mutter Gans“) von Maurice Ravel mit ihrer impressionistischen Klangmalerei. Die Kapelle spielte auch hier ausgezeichnet, klangschön und transparent. Solo-Flöte(n), Oboe, Harfe und Celesta sorgten mit ihren kurzen Solo-„Einfällen“ für besondere Effekte.

 Die Mitglieder der Staatskapelle spielten alle Stücke dieses „gemischten“, nicht allzu anspruchsvollen, aber nicht uninteressanten Programmes mit gleichem Verantwortungsbewusstsein und Musizierfreude, wie man es von ihnen gewohnt ist und bewiesen, dass sie auch – wenn es sein muss – in „Eigeninitiative“ spielen können.

 Ingrid Gerk

 

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