Dresden / Staatsoperette: „AB IN DEN SÜDEN“ – EIN KONZERTABEND – 2.7.2022
Wer denkt bei dem Thema „Ab in den Süden nicht an Sommer, Sonne, Meer und leichte Unterhaltung, aber mit George Bizets „Carmen“ und Pietro Mascagnis „Cavaleria rusticana“ wurden bei dem zweiten realisierten Konzert der neuen Reihe „Ein Lied geht um die Welt“ auch ernste Töne angeschlagen. Das eigentliche zweite Konzert, das Silvesterkonzert 2021, fiel Corona zum Opfer und soll nun am 1.1.2023 nachgeholt werden, wie der Chefdirigent und musikalische Leiter des Abends, Johannes Pell, in Personalunion als Moderator mit sehr angenehmer Stimme und bester Artikulation verkündete.
Im Gegensatz zu manch moderierendem Profi beherrscht er auch die Technik einer angemessenen Mikrofonnutzung und plauderte ohne Gedächtnisstützen frei aus seinem reichen Fundus an Fachwissen, um die einzelnen Nummern anzukündigen und zu verbinden.
Das ernst und heitere Programm enthielt neben Opernausschnitten von Bizet und Mascagni Gesangs- und Instrumental-Nummern aus bekannten, weniger bekannten und völlig unbekannten Operetten und Zarzuelas von Jaques Offenbach und Leo Delibes, aber auch von Arturo Márquez, Francisco Asenjo Barber, Pablo Sorozábal, Reveriano Soutullo und Gerónimo Giménez. Ja, auch Giacomo Puccini wagte sich mit seiner Operette „La Rondine“, der er in letzter Minute dieses Prädikat entzog, auf das Gebiet der Operette, und Pietro Mascagni schrieb eine einzige Operette: „Si“.
Das Orchester der Staatsoperette Dresden und das Solisten-Ensemble des Hauses mit Elmar Andree, Christina Maria Fercher, Laila Salome Fischer, Nikolaus Nitzsche, Andreas Sauerzapf und Václav Vallon taten ihr Möglichstes, um den Anforderungen gerecht zu werden, wobei es natürlich nicht leicht ist, als Carmen oder Escamillo dem Vergleich mit perfekten Opernsänger*innen an der kaum zwei Kilometer entfernten Semperoper, wo die Oper zurzeit auf dem Spielplan steht, oder dem berühmten Duett aus den „Perlenfischern“, das zumindest durch die Medien in hervorragender Besetzung sehr bekannt ist, zu bestehen. Das Stammpublikum aber liebt seine Sänger*innen und freut sich immer über bekannte Melodien.
Einzig Christina Maria Fercher beherrscht Oper und Operette gleichermaßen. Sie gab nicht nur bei „Finale I“ aus Offenbachs „Schöner Helena“ im Ensemble den guten Ton an, sondern überzeugte erst recht mit schöner Stimme, ausgezeichneter Gesangstechnik und Gestaltungstalent bei Solonummern aus Mascagnis „Si“, Puccinis „La Rondine“ und Soutullos Zarzuela „Amor mi raza sabe conquistar“. Mit „La Tarantula“ aus einer Zarzuela von Giménez gab sie ein Kabinettstück zum Besten. Bei ihrer vielseitigen Gesangs- und Gestaltungskunst kann sie es sich leisten, auch einmal leicht und locker, wie es die heitere Kunst verlangt, „aus sich herauszugehen“.
Die Konzertreihe „Ein Lied geht um die Welt“ wurde als erweitertes Angebot für das Publikum ins Leben gerufen“, das gleichzeitig eine Chance für das Orchester und die Sänger*innen sein soll, den „gewohnten Radius zu verlassen und eine sinfonische bzw. ungewohnte musiktheatralische Dimension dazuzugewinnen“, wie Johannes Pell äußerte, der mit seiner sehr umsichtigen Leitung des Orchesters und angenehmen Moderation alles zusammenhielt.
Ingrid Gerk

