Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

DRESDEN/ Semperoper: TOSCA – Angela Gheorghiu in einer „Semper-Essenz“-Aufführung

20.03.2022 | Oper international

 Dresden / Semperoper: ANGELA GHEORGHIU ALS TOSCA IN EINER „SEMPER-ESSENZ“-AUFFÜHRUNG – 18.3.2022

domi

Obwohl es an der Semperoper eine recht gute Inszenierung von Giacomo Puccinis „Tosca“ (Johannes Schaaf) gibt und voller Spielbetrieb wieder möglich ist, läuft zurzeit unter dem Titel „Semper Essenz“ eine Bearbeitung der bekannten Oper mit „konzertanten Höhepunkten“, d. h. eine „Kurzfassung“ von Heike Maria Jenor (Szenisches Konzept und Einrichtung), konzertant und halbszenisch, in unterschiedlichen Besetzungen. Auf der Bühne wird dafür Sempers großes Konzertzimmer aufgebaut, in dem die Sächsische Staatskapelle wie bei ihren Symphoniekonzerten Platz nimmt.

Davor agieren die Sängerinnen und Sänger auf schmalem Raum zwischen den beiden Proszeniums-Ausgängen in relativ einfachen, aber stilvoll charakterisierenden Kostümen für Angelotti, Cavaradossi, Mesner usw., Scarpia erscheint im Frack der Empire-Zeit und Tosca in sehr aufwändig geschneiderter großer Robe. Der Ort der Handlung wird für den 1. Akt mit Farbaufnahmen von Decke und Wandansatz einer Barockkirche, für den 2. Akt das Gleiche vom Palazzo Farnese und für den 3. Akt mit einem Blick auf den großen Engel der Engelsburg auf die Teilflächen der Rückwand des Konzertzimmers projiziert (Licht: Jens Klotzsche), was einen gebrochenen Blick auf das Handlungsgeschehen assoziiert. Einige kleine Requisiten am Anfang und Ende des schmalen Spielbereiches komplettieren das „Bühnenbild“ (Raum- und Projektionskonzept: Arne Walther).

Stargast der zweiten von vier Aufführungen war Angela Gheorghiu in einer ihrer Paraderollen, der Floria Tosca, eine Diva für eine Diva, die ihrem Namen und guten Ruf alle Ehre machte. Sie war Tosca und gestaltete die Rolle  der liebenden und leidenden Primadonna überragend und dominierend, stimmlich und darstellerisch mit einem Farben- und Nuancenreichtum, der leider selten geworden ist, vom feinsten Pianissimo bis zum verzweifelten Aufschrei, eine wahrhaft „Göttliche“, die noch einmal alle Register ihres Könnens zog und damit eine künstlerische Leistung bot, die unter die Haut ging. Unterbrochen wurde sie nur durch ein kleines Missgeschick, das zur Theater-Anekdote werden könnte. Sie warf in rasender Eifersucht den Fächer der Adavanti so vehement von sich, dass er auf dem Schoß einer Geigerin landete, worüber sie inmitten der dramatisch sich zuspitzenden Szene lachen musste, auch das kann passieren.

Ihr Gegenspieler Scarpia wurde von Alexey Markov mit volltönender, wohlklingender Stimme verkörpert, bei der wie in seiner Darstellung unterschwellig immer der gefährliche Charakter des gefürchteten Polizeikommissars voller List und Tücke mitschwang und ihn umso gefährlicher erscheinen ließ – eine einprägsame Gesamtdarstellung in jeder Phase.

Tomislav Mužek verlieh vor allem gesanglich dem Cavaradossi Gestalt, und Lawson Anderson lieh seine dunkel timbrierte Bassstimme dem flüchtenden Cesare Angelotti. In schlichter Zurückhaltung verkörperte Matthias Henneberg den naiven Mesner mit dem Gemüt eines anspruchslosen Mannes aus dem Volk. Timothy Oliver ergänzte als Spoletta, Tilmann Rönnebeck als Sciarrone und Mateusz Hoedt als Schließer das Solistenensemble.

Die Sächsische Staatskapelle Dresden musizierte in gewohnter Qualität, unter der Leitung des aus Caracas in Venezuela stammenden Domingo Hindoyan mitunter auch lautstark, so dass unter anderem der im Hintergrund singende Sächsische Staatsopernchor (Einstudierung: Jonathan Becker) nur andeutungsweise zu hören war.

Man könnte sich diese 1,5stündige, vermutlich für die Zeit, in der wegen Corona keine großen Opern gespielt werden konnten, erarbeitete Fassung gut für kleinere Opernhäuser, die über weniger Mittel für große Inszenierungen verfügen, vorstellen, In der Semperoper wird sie noch zweimal (25. und 27.3.) in anderer Besetzung gegeben, obwohl hier wieder die „Normalfassung“ gespielt werden könnte.

 

Ingrid Gerk

 

 

Diese Seite drucken