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DRESDEN/ Semperoper: SONDERKONZERT DER SÄCHSISCHEN STAATSKAPELLE IM RAHMEN DER RICHARD-STRAUSS-TAGE

10.04.2023 | Konzert/Liederabende

Dresden/Semperoper: SONDERKONZERT DER SÄCHSISCHEN STAATSKAPELLE IM RAHMEN DER RICHARD-STRAUSS-TAGE – 9.4.2023

Seit 1909 wurden in der Semperoper in unregelmäßigen Abständen „Richard Strauss-Tage“ veranstaltet, zuletzt 2007.

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Jakub Hrůša und die Sächsische Staatskapelle. Copyright: Matthias Creutziger

Jetzt wurde diese Tradition wieder aufgenommen, wobei in diesem Jahr der Schwerpunkt auf Werken lag, die die enge Beziehung von Richard Strauss zu Dresden und der Sächsischen Staatskapelle dokumentieren. Auf dem Programm stehen „Der Rosenkavalier“ und „Arabella“, die in Dresden uraufgeführt wurden, eine Matinee mit Liedern von Richard Strauss und seinen Zeitgenossen, eine Lied-Matinee mit der armenischen Sopranistin Hrachuhí Bassénz und Helmut Deutsch, ein Kammerabend mit Strauss und Mozart, ein unterhaltsamer Abend mit dem ehemaligen Ensemble- und neuen Ehrenmitglied der Semperoper, Hans-Joachim Ketelsen, der an der Met neben Wagner unter anderem Mandryka und Faninal sang, das 9. Symphoniekonzert der Staatskapelle mit Strauss und Liszt unter Tugan Sokhiev, und ein „Sonderkonzert“ der Kapelle mit Jakub Hrůša.

Jakub Hrůša, zurzeit Chefdirigent der Bamberger Symphoniker und designierter Musikdirektor des Royal Opera House Covent Garden, wurde für das Sonderkonzert eingeladen, nachdem er 2021 sehr erfolgreich sein Debüt mit Werken von Komponisten seiner tschechischen Heimat gegeben hatte. Jetzt dirigierte er zwei Tondichtungen, die in direktem Zusammenhang mit Dresden stehen und deren Komponisten eng mit der Dresdner Kapelle verbunden waren.

Strauss’ frühe Tondichtung „Don Juan“ (op. 20), die er als junger Hofkapellmeister in Weimar 24jährig nach dem gleichnamigen Versdrama von Nikolaus Lenau schrieb, erklang 1890 zum ersten Mal in Dresden, nur zwei Monate nach der Weimarer Uraufführung. Strauss bewunderte die „Königlich-sächsische musikalische Kapelle“ in Dresden, seit er sie 1883 erstmals gehört hatte, ließ später neun seiner 15 Opern mit der Kapelle uraufführen und widmete ihr einige seiner Werke, darunter „Eine Alpensinfonie“ und sein selbstironisches Spätwerk „Aus der Werkstatt eines Invaliden“.

 Hrůša begann die überschwängliche Einleitung des einsätzigen Werkes von 18 bis 20 Minuten Dauer zügig und frisch, ließ das kraftvolle Thema für den Titelhelden von den Holzbläsern und die lyrischen Themen von Solo-Violine und Oboe für dessen Liebeswerben brillieren. Mit seinem lebhaften Dirigat betonte er den Kontrast zwischen lieblich und leise für die verschiedenen Themen der begehrten Frauen in vielfältigen Farbnuancen und den Sehnsüchten und Wünschen des, in seiner Gefühlswelt  zwischen den Extremen pendelnden, Frauenhelden in seiner Leidenschaft und stürmischem Drängen, rhythmisch und melodisch unbefangen, mitunter in temperamentvoller Lautstärke, aber stets mit Präzision und Klarheit .

Er zeichnete mit der Kapelle, bei der mehrere Akademisten mitwirken durften, um sie in die Praxis der Kapelle einzuführen, ein Bild des umtriebigen Draufgängers und seiner Liebschaften musikalisch nach, ließ auch die klangschönen Seiten als Ausdruck seiner schmeichelnden Werbung zur Geltung kommen, betonte aber vorwiegend das Temperament des feurigen, energiegeladenen, leidenschaftlichen Frauenhelden und ließ ihn seine Ambitionen mit überschäumendem Temperament musikalisch ausleben, bis Pauken und Posaunen, Kontrabässe und Celli unheilvoll einen ersterbenden Schluss für den müden, niedergedrückten, kraftlosen, unzufriedenen, vielleicht auch enttäuschten Don Juan ankündigten, mit dem das Werk verhalten ausklang.

Danach folgte die „Symphonie fantastique“. Épisode la vie d’un artite“ (op. 14) von Hector Berlioz mit anderem Charakter und in anderer Form. Berlioz brauchte keine literarische Vorlage, die wurde ihm vom Leben beschert, als er sich in, an Besessenheit grenzender, Liebe zu der irischen Shakespeare-Darstellerin Harriet Smithson, die er als Ophelia in „Hamlet“ erlebte, hineinsteigerte. Seine Liebe wurde zur idée fix und zur Inspiration seiner Symphonie fantastique“, die zu einer der bedeutendsten Programmmusiken des 19. Jahrhunderts und  einem der wichtigsten Wegbereiter der Programmmusik wurde. Als Bewunderer Carl Maria von Webers stand er während seiner ersten Deutschlandtournee 1843 selbst am Pult der damaligen Dresdner Hof- und jetzigen Sächsischen Staatskapelle um die Aufführung zu leiten.

Hrůša begann die fünfsätzige Tondichtung, die teilweise noch der Form der Sinfonie verhaftet ist, mit ihrem bizarren Inhalt, bei dem Realität und Traum verschmelzen, auch hier sehr transparent und feinsinnig und ließ die melodischen Linien spielen. Mit seinem lebhaften Dirigat brachte er die Gefühle, Hoffnungen und Ängste des fast bis zum Wahnsinn Verliebten musikalisch sehr plastisch zum Ausdruck, von schrill bis zu schönen, klingenden Passagen mit sehr schöner einsamer Oboe, sehr sauberen Bläsern, einem schwebendes Duett zwischen Oboe und Englischhorn, einem schwelgerischen Walzer und überbordendem „Hexensabbat“ in einem vielseitig gestalteten, rhythmisch belebten Klangbild, bei dem die sich durch alle Sätze hindurchziehende idée fix immer wieder hörbar auftauchte. 

Beim Schlussapplaus brachten Dirigent und Orchester ihre gegenseitige Wertschätzung zum Ausdruck und das Publikum stimmte mit ein.

Das Konzert wurde von MDR Klassik mitgeschnitten und wird zu einem späteren Zeitpunkt gesendet. Jakub Hrůša wird auch 2023/2024 wieder in Dresden zu erleben sein, beim Saisoneröffnungskonzert des Gustav Mahler Jugendorchesters mit Mahlers „Neunter“ und beim 7. Symphoniekonzert der Staatskapelle mit der „Symphonie liturgique“ von Arthur Honegger.

Ingrid Gerk

 

 

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