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DRESDEN/ Semperoper: REZITAL DER CAPELL-VIRTUOSIN JULIA FISCHER MIT DEN DREI SONATEN FÜR VIOLINE SOLO VON J. S. BACH

10.02.2023 | Konzert/Liederabende

Dresden/Semperoper:  REZITAL DER CAPELL-VIRTUOSIN JULIA FISCHER MIT DEN DREI SONATEN FÜR VIOLINE SOLO VON J. S. BACH – 9.2.2023
 
Alles, was die gebürtige Münchnerin und Ausnahmegeigerin Julia Fischer, in dieser Saison Capell-Virtuosin der Sächsischen Staatskapelle Dresden, spielt, hat seinen besonderen Reiz. Mit ihrer perfekten, ausgefeilten Technik, eleganter Virtuosität und strahlendem Klang veredelt sie alles, was sie sich vornimmt. Sie ist eine ausgezeichnete Solistin mit großem Können und eine starke Persönlichkeit mit Charme und Charisma und starker Präsenz. Ihr Temperament, ihre besondere Eleganz und Schönheit des Spiels sind mitreißend.
 
Für ihr Rezital hatte sie die drei „Sonaten für Violine solo“, die Johann Sebastian Bach zusammen mit den drei „Suiten für Violine solo“ in seiner Köthener Kapellmeisterzeit im Zeitraum von sechs Jahren schrieb, gewählt. Der melancholische Charakter und religiöse Inhalt könnte mit dem unerwartet frühen Tod seiner ersten Frau in Verbindung gebracht werden.
 
Ursprünglich waren die „Sei Solo a Violino senza Basso accompagnato“, wie Bach die drei  Sonaten und drei Partiten in der kalligraphichen Reinschrift (1720) bezeichnete, vorrangig als Studienwerke bekannt und wurden vor allem hinsichtlich Fingerfertigkeit sowie strukturellem Denken und zur musikalischen Geschmacksbildung von Bachs Zeitgenossen und Violin-Virtuosen sehr geschätzt. Möglicherweise wurden sie aber auch von den damaligen Violin-Virtuosen Johann Georg Pisendel, Jean-Baptiste Volumier oder auch Joseph Spieß, dem Konzertmeister des Orchesters in Köthen, oder Bach selbst im kleinen Kreis an den Fürstenhöfen aufgeführt.
 
Den Weg in die Konzertsäle fanden sie – obwohl bereits 1842 in der Leipziger „Neuen Zeitschrift für Musik“ zu lesen war, dass diese Stücke „zum Genusse und nicht zum Studium geschrieben“ seien – erst durch den legendären Violin-Virtuosen Joseph Joachim, der sie zunächst auszugsweise, später als komplette Einzelwerke in seine Konzertprogramme aufnahm. Später machte sie Yehudi Menuhin durch seine Gesamteinspielung populär. Jetzt gehören sie zu den Meisterwerken der abendländischen Musikgeschichte und werden meist komplett in Kammermusik-Konzerten aufgeführt und einzelne Sätze auch gern als Zugabe in großen Konzerten.

Die für nur ein Soloinstrument geschriebenen Sonaten und Partiten „ersetzen“ das Begleitinstrument, der Solist begleitet sich selbst. Indem er seine Finger auf verschiedene Saiten gleichzeitig legt und mit dem Bogen in einer runden Bewegung über alle Saiten führt, kann er auf der Geige mehrstimmig spielen.

Für Julia Fischer muss ein Tag mit Bach beginnen, dessen Musik sie während ihrer Studienzeit intensiv kennen und lieben lernte. Allein vor dem Schmuckvorhang mit ihrer Violine von Giovanni Battista Guadagnini von 1742 meisterte sie souverän die ungewöhnlichen, polyphonen Kompositionen, die eine hochentwickelte Mehrstimmigkeit auf einem einzigen Instrument realisieren, mit frappierender Leichtigkeit ohne Fehl und Tadel und – was bei der Interpretation dieser, mit spieltechnischen Schwierigkeiten gespickten Sonaten selten ist, mit feinsinniger Melodik und klanglicher Transparenz. Bei so manchem Interpreten hört man dann den „Kampf mit den Doppelgriffen“, bei ihr war alles perfekt, leicht und elegant, grazil und klangschön.
 
Seit über 20 Jahren gehört Julia Fischer – zur Geigenelite weltweit. Sie musiziert mit den führenden Orchestern und Dirigenten nicht nur die berühmten Violinkonzerte, sondern auch – wenn auch nicht so oft – die großen Klavierkonzerte und widmet sich der Kammermusik und der Ausbildung der nächsten Generation.
 
Mit unvergleichlicher Transparenz führte sie jede Stimme selbständig und differenziert und ließ sie in harmonischem „Dialog“ mit anderen Stimmen zu einem wunderbaren Gesamtklang verschmelzen. Jede Sonate, jeder Satz hatte seinen eigenen Charakter und Besonderheit. Mit barocker Stufendynamik, aber keine Spur von akademisch trocken oder „antiquiert“, sondern lebensnah, mit Verve und kräftigem Strich zwischen Mezzoforte und feinstem Pianissimo ließ sie kleine, in sich stimmige Welten entstehen, füllte die Spannungsbögen mit Lebhaftigkeit und die Sonaten sehr melodiös und klangschön mit Leben, fächerte Bachs Erfindungsreichtum auf und bescherte dem aufmerksam lauschenden Publikum 60 Minuten fesselndes Hörerlebnis und musikalischen Genuss. Ob langsamer oder schneller Satz, sie spielte alles gleich gut, mit sehr viel Einfühlungsvermögen und voller Spannung. Sie verstand es, auch die Hörer zu begeistern, die zum ersten Mal diese Art Kammermusik erlebten.

Für den enthusiastischen Applaus bedankte sie sich mit der „Sarabande“ aus der „Partita Nr. II d-Moll für Violine solo“ (BWV1004) mit allen Feinheiten des stilistischen Ausdrucks und wunderbarem Klang.

Als Capell-Virtuosin der Sächsischen Staatskapelle ist Julia Fischer außerdem in einem Sonderkonzert im Kulturpalast (25.4.) sowie im 7. Kammerabend der Staatskapelle (27.4.2023) in der Semperoper zu erleben.

Ingrid Gerk

 

 

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