Giuseppe Verdi: Nabucco • Semperoper Dresden • Vorstellung: 21.06.2023
(6. Vorstellung • Wiederaufnahme: 29.05.2023 • Premiere am 25.05.2019)
Viva Verdi!
Klassisch inszenierte Nabuccos werden, von einschlägigen Spielstätten, immer seltener. Im Falle Dresden ist dies kein Verlust.

Foto © Ludwig Olah
David Böschs Umsetzung von Verdis frühem Meisterwerk verlegt die drei Geschichten, die «Nabucco» erzählt, die Geschichte vom Herrscher, der sich zum Gott erhebt und wahnsinnig wird, die Geschichte der zwei Schwestern, die bis aufs Blut um ihre Liebe kämpfen und die Geschichte der Götter, die missbraucht werden, in die Gegenwart. Da die Gegenwart seit dem Premierenjahr 2019 doch eine andere ist, funktioniert die Inszenierung vielleicht noch besser als damals. Die Themen (religiöser) Wahn und Machtmissbrauch haben traurigerweise wieder an Aktualität gewonnen. Patrick Bannwart hat Bösch dazu eine wandelbare, portalhohe Stadtruine auf die Bühne gestellt. Die Kostüme von Meentje Nielsen unterstützen wie das Licht von Fabio Antoci Böschs unangenehm berührende Sichtweise.
Die Sächsische Staatskapelle Dresden unter musikalischer Leitung von Paolo Arrivabeni spielt voll Brio und Italianità und bietet so einen wunderbaren Kontrast. Jonathan Becker hat den Sinfoniechor Dresden, den Extrachor der Semperoper Dresden und den Sächsischen Staatsopernchor Dresden so perfekt vorbereitet, dass nach dem berührend-innig, schlicht mustergültig gesungen Gefangenenchor das Auditorium still bleibt.
Andrzej Dobber besitzt einen Verdi-Bariton, wie man sich ihn wünscht und entsprechen wohlklingend und elegant ist seine Interpretation des Babylonier-Königs. Der Ismaele ist mit Joseph Dennis ausserordentlich stimmkräftig und damit rollengerecht besetzt. Einen imposanteren, stimmprächtigeren und natürlicheren Zaccaria als Alexander Vinogradov dürfte es im Moment kaum geben. Ähnlich überragend, gerade auch in ihrem Zusammenspiel, die Abigaille von Mlada Khudoley und die Fenena von Michal Doron. Tilmann Rönnebeck als Oberpriester des Baal, Simeon Esper als Abdallo Ofeliya Pogosyan als Anna ergänzen das hervorragende Ensemble.
Viva Verdi!
Weitere Aufführungen: 24.06.2023.
21.06.2023, Jan Krobot/Zürich

