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DRESDEN / Semperoper: LA BAYADÈRE mit neuer Solotänzerin

28.02.2016 | Ballett/Tanz

Dresden / Semperoper: „LA BAYADÈRE“ MIT NEUER SOLOTÄNZERIN – 27. 2. 2016

Melissa Hamilton, die in der Ballettpremiere (7.11.2015) und weiteren Vorstellungen von „Manon“ in der Choreografie von Kenneth McMillans zunächst als Gastkünstlerin die Titelrolle tanzte und mit der Leichtigkeit und Ausdruckskraft, mit der sie alle Schwierigkeiten meisterte, stark beeindruckte, gehört nun zum Semperoper Ballett.

Sie ließ sich für die Spielzeit 2015/16 als Solistin des Londoner Royal Ballet, Covent Garden freistellen, um ab dem 1.1.2016 als Erste Solistin in Dresden führende Rollen des neo-klassischen und zeitgenössischen Repertoires, u. a. in Werken von Forsythe, Dawson und Ekman, aber auch in abendfüllenden Handlungsballetten wie „Manon“ (Titelrolle), „Dornröschen“ (Aurora) und „La Bayadére“ zu übernehmen.

Nachdem sie in „La Bayadère“ mit der Choreografie von Aaron S. Watkin nach Marius Petipa mit den im wahrsten Sinne des Wortes zauberhaften Bühnenbildern von Arne Walther und den, der altindischen Kultur entlehnten, Kostümen von Erik Västhed, unterstrichen von dem passenden Lichtdesign (Bert Dalhuysen), mit einem Soloauftritt als eine der drei Schatten mit besonderen Schwierigkeiten, sehr anmutig und grazil getanzt, nachdrücklich auf sich aufmerksam machte, tanzt sie nun auch die Titelrolle, die Tempeltänzerin Nikija.

Im Rahmen der festgelegten Choreografie hat jede Tänzerin auch ein wenig Spielraum für ihre Individualität und ihr tänzerisches Können. Anders als die Vertreterinnen der russischen Schule wie Natalia Sologub, die die Premiere tanzte, und Svetlana Gileva, mit der sie jetzt alterniert, ist ihr Stil weicher und natürlicher. Sie orientiert auch auf den menschlichen Charakter ihrer Bühnengestalten.

Ihr Partner, István Simon war als edler Krieger Solor besonders gut in Form. Seine Sprünge waren besonders hoch und weit, vielfältig und kraftvoll und seine Körperhaltung sehr elegant. Er prägte diesen Abend.

Die Rolle von Nikijas schöner Konkurrentin Hamsatti war bei Courtney Richardson in guten Händen bzw. Beinen. Houston Thomas bestach einmal mehr durch seine expressive Gestaltung der Rolle des obersten Fakirs Madhavan mit seinem, sich aus dem Lauf heraus gekonnt in die devote Unterwürfigkeit Fallen-lassen und andererseits mit ungewöhnlich hohen weiten, sehr dynamischen Sprüngen, um seinem Gerechtigkeitssinn Ausdruck und Nachdruck zu verleihen.

Hannes-Detlef Vogel bemühte sich als Radscha Dugmanta von Golconda und Vater der Hamsatti um etwas mehr Würde und Ana Presta als Rani und Mutter um etwas weniger Belanglosigkeit.

Raquél Martinez als Dienerin der Hamsatti und Fabien Vorranger als Solors Freund Ekavir fanden das richtige Maß zwischen Bühnenwirksamkeit und der ihrer Rolle entsprechenden Zurückhaltung.

Eine besonders ansprechende Leistung vollbrachte Julian Amir Lacey als das Goldene Idol, mit seinen „zackigen“, exakten und anspruchsvollen Bewegungen voller Power,  nicht nur eine Attraktion beim Hochzeitszeremoniell, sondern auch fürs Publikum.

Die andere große „Attraktion“ ist immer wieder das sehr ästhetische „Weiße Bild“, das bei jedem großen romantischen Ballett in der Publikumsgunst ganz oben steht, hier im 2. Akt mit 20 weiß gekleideten Tänzerinnen als „Schatten“, die Solor in Erinnerung an seine geliebte Tempeltänzerin Nikija im Opiumrausch sieht. Sehr wirkungsvoll waren danach die kurzen Auftritte von Melissa Hamilton, die als Vision, Gewissen oder Erinnerung an seine geliebte Tempeltänzerin den Krieger Solor bei seiner Hochzeit umtanzt.

Am Pult der Sächsischen Staatskapelle Dresden stand einmal nicht David Coleman, der auch für die musikalischen Arrangements verantwortlich zeichnet, sondern Mikhail Agresti, der auf reichlich Lautstärke setzte und es den Tänzern nicht gerade leicht machte, wie gewohnt, ihre längeren Soloauftritte genau mit der Musik abzuschließen. Es gab aber sehr schöne Instrumental-Soli im Orchester von Violine (Kai Vogler) und Cello (Simon Kalbhenn).

 Ingrid Gerk

 

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