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DRESDEN/ Semperoper. DORNRÖSCHEN“ ALS GROSSES AUSSTATTUNGSBALLETT

14.05.2016 | Ballett/Tanz

Dresden / Semperoper: „DORNRÖSCHEN“ ALS GROSSES AUSSTATTUNGSBALLETT 12.5.2016

„Zurück zu den guten alten Traditionen“ scheint sich jetzt bei den Inszenierungen der großen abendfüllendenden Handlungsballette abzuzeichnen. Man denke nur an die Neuinszenierung von „Le Corsaire“ an der Wiener Staatsoper. Die „Dornröschen-Inszenierung an der Semperoper ist zwar nicht ganz neu (Pr. 2007), überraschte aber dennoch, auch im Rahmen der Wiederaufnahme, mit ihrer überaus gekonnten dynamischen Bühnengestaltung und großer Ausstattung an Kulissen und Kostümen.

Das Märchen vom Dornröschen, das wegen der Verwünschung einer bösen Fee mit dem gesamten Hofstaat 100 Jahre hinter einer undurchdringlichen Rosenhecke schlafen und vor dem Happy End erst von einem mutigen Prinzen wachgeküsst werden muss, wird in den verschiedensten Versionen erzählt, schon seit dem 14. Jh.

Für die Ballett-Inszenierung an der Semperoper schuf Francine Watson-Coleman eine nette, vom gewohnten Märchen etwas abweichende Geschichte und verlegte die Handlung nach Sachsen in das Dresdner Schloss Albrechtsberg, eines der 3 Schlösser am rechten Ufer der Elbe, das sich Mitte des 19. H. ein Bruder des preußischen Königs (genauer zweier Könige nacheinander) und späteren deutschen Kaisers, bauen ließ, um in 2. Ehe mit seiner großen „nicht standesgemäßen“ Liebe (weil nur von „niedrigem“ Adel) und späteren Gattin dort zu leben – wie geschaffen für die Liebesgeschichte von Dornröschen und ihrem Prinzen.

Arne Walther schuf mit diesem Schloss als Mittelpunkt eine prunkvolle, sehr aufwändige Bühnendekoration, für die er unter Zuhilfenahme sehr geschickt eingesetzter Licht- und Video-Effekte für geniale Verwandlungen auf offener Bühne sorgte und dadurch die Aufführung sehr lebendig und optisch wirksam in sehr ansprechenden Bildern, die mitunter an den, in Dresden geborenen Maler der deutschen Romantik, Ludwig Richter, erinnern, erscheinen ließ. Die Handlung wird trotzdem aus gegenwärtig psychologischer Sicht erzählt.

Erik Västhed schuf die passenden, ebenso aufwändigen, wie farbenfrohen und luxuriös gestalteten Kostüme zu den märchenhaften Kulissen – ein Schwelgen in schönen Farben und Formen, ohne antiquiert zu wirken, ein großes Ausstattungsballett nach historischen Vorbildern mit vielen optisch-ästhetischem Überraschungen, Dramatik und Dynamik, eine neuartige Bühnengestaltung mit Videoprojektionen, die Alt-Vertrautes in neuem Licht genießen lassen.

Den Besucher empfängt ein großes Märchenbuch aus dem die gute Fee heraustanzt, bis sie in der eigentlichen Handlung ankommt. Die Choreografie schuf Aaron S. Watkin nach Marius Petipa (1890). Nun sind allerdings die besonderen  Tänzerinnen und Tänzer, die das SemperoperBallett noch zur Premiere und in den darauffolgenden Vorstellungen prägten, aus persönlichen oder „altersbedingten“ Gründen nicht mehr in der Company. Jetzt hatte die nächste „Generation“ Gelegenheit, ihr gegenwärtiges Können zu präsentieren und sich auszuprobieren. Es wurde viel Spitze und gute Körperhaltung gezeigt, alles mit Eleganz, Anmut und Willen zur perfekten Leistung.

Ansprechende Einzelleistungen boten vor allem Anna Merkulova als Prinzessin Aurora, Alice Mariani als Fliederfee, die auch gute Sprünge zeigte und am Ende einer Figur auf den Punkt genau mit der Musik „stand“, Courtney Richardson als Fee der Lebendigkeit und Rubinfee im „Juwelendivertissement“, Chiara Scarrone als Fee der Schönheit und sehr beeindruckende Saphirfee sowie Jenny Laudadio als Fee der Großzügigkeit und Smaragdfee. Von den Herren beeindruckten Istvan Simon, der als Prinz Florimund Gelegenheit hatte, sein Können zu zeigen, sowie Skyler Maxey-Wert und Václav Lamparter, die als „Zwei Blaue Vögel“ eine interessante „Nummer“ boten und auch als Freunde des Prinzen fungierten.

Als böse Carabosse verlegte sich Anna Presta vor allem auf Gestik. Es gab sehr gute, exakte Ensembleszenen mit schöner optischer Wirkung, und die Paare orientierten auf besonders exakte Übereinstimmung der Körperhaltung und Synchronität.

Die Sächsische Staatskapelle Dresden spielte P. I. Tschaikowskys Musik nicht nur sehr zuverlässig und klangschön, sondern regte sicht- und hörbar auch die Tänzer zu schönen Leistungen an. Sie tanzten nicht selten in idealer Übereinstimmung mit der Musik. Einer der 1. Konzertmeister der Kapelle, Kai Vogler, steuerte, eingebettet in den guten Orchesterklang, schöne, ausgiebige Violinsoli bei, gesanglich und melodiös, deren Innigkeit die Tänzer aufnahmen und in geschmeidige ausdrucksvolle Tanzbewegungen umsetzten, ganz im Einklang mit der Musik.

Die musikalische Leitung lag in den Händen von Paul Conelly, dessen Vorliebe zu Lautstärke nicht unbedingt erforderlich gewesen wäre, den Gesamteindruck aber auch nicht trübte.

Ingrid Gerk

 

 

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