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DRESDEN/Semperoper: 4. SYMPHONIEKONZERT DER SÄCHSISCHEN STAATSKAPELLE DRESDEN UNTER DANIELE GATTI

20.12.2023 | Konzert/Liederabende

 

 

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Daniele Gatti. Foto: Oliver Killig

Dresden/Semperoper: 4. SYMPHONIEKONZERT DER SÄCHSISCHEN STAATSKAPELLE DRESDEN UNTER DANIELE GATTI – 19.12.2023

Nicht zum ersten Mal stand Daniele Gatti, designierter Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden, am Pult des Orchesters und leitete das 4.  Symphoniekonzert der diesjährigen Jubiläumssaison. Die drei Werke des Programmes, zwei Ballettmusiken mit mythologischem Inhalt und eine enthusiastische Sinfonie, schienen wie durch einen „roten Faden“ verbunden, Menschwerdung durch Schöngeist und Frühling, Aufbruch und Hoffnung, ein „Neuanfang“, der auch symbolisch für Gattis neue Tätigkeit als Chefdirigent gesehen werden könnte.

Drei sehr kraftvolle Akkorde des vollen Orchesters eröffneten die Ouvertüre zum Ballett „Die Geschöpfe des Prometheus“ (op. 43) von Ludwig van Beethoven und damit das Programm. Sie stehen in dieser Balettmusik für den Zorn der Götter, denen Prometheus das Feuer geraubt hat, um es den Menschen zu bringen und sie der Unwissenheit zu entreißen, Wie in Beethovens erster Symphonie erhöhen sie hier die Spannung auf das Kommende. Ihnen folgten sehr liebliche Töne mit sehr schöner Oboe, feierliche Klänge für die Musen und ein stürmischer Paukenwirbel für die donnernde Wut des Götterhimmels. Unter Gattis Leitung wurde sehr frisch und kontrastreich musiziert, vehement und gefühlvoll, mit  Energie, Kraft und Verve.

Schon in diesem relativ kurzen Stück, bei dessen Stoffwahl im Hintergrund zunächst auch die Hoffnung auf Napoleon und den „neuen Menschen“ im „befreiten Europa“ mitschwang, was aber durch dessen Machtrausch zunichte wurde, lag viel Intensität.

Choreografie und Originaltext des Balletts sind verschollen, bei der Uraufführung wurde es sehr unterschiedlich aufgenommen (auch Beethovens Musik), aber die Ouvertüre hielt sich als eigenständiges Konzertstück bis heute im Konzertsaal.

Auch beim zweiten Werk, „Apollon musagète“ („Dirigent der Musen“) von Igor Strawinsky, ging es um Ballett und Mythologie. Bereits im “Prometheus“-Ballett taucht Apoll als Gott auf, zu dem Prometheus das erste Menschenpaar zur Verfeinerung durch Wissenschaft und Kunst führt, so dass Strawinskys Ballett inhaltlich wie eine Fortsetzung des Prometheus“-Balletts wirkte.

Widerstreiten bei Beethoven kämpferischer Geist für Prometheus, einen Helden, der sich auf seine eigene Kraft besinnt und den Göttern trotzt, und liebliche Klänge für die schöngeistige Welt des Apollo, führt Strawinsky ausschließlich in eine Welt des sanften Streicherklanges, zu dem er erst spät fand und dessen „Schmiegsamkeit und klangliche Delikatesse“ er dann bewunderte, nachdem er ihn als „zu warm und diffus“ abgetan hatte und die Bläser bevorzugte, die aus seiner Sicht „die Strukturen überaus plastisch nachzeichnen“.

Plastisch nachzeichnend, entstand aber unter Gattis sanften Händen, deren differenzierte Bewegungen bereits große Musikalität verraten, die Illusion von leichtfüßig schwebenden Tänzerinnen, den neun tanzenden Musen, insbesondere der Musik, Dichtkunst und des Gesanges um den griechischen Gott der Künste mit der Kithara, einem Saiteninstrument, als Attribut – eine Reverenz an die Auftraggeberin -, sehr pianissimo begleitet von einem vereinfachten, homogenen Orchester aus nur Streichern mit längerem Violinsolo.

Gatti begann forsch mit den elegischen und von Transparenz geprägten punktierten Rhythmen und ließ es nach sanfter Musik und fülligem Orchesterklang leise ausklingen. Hier dominierten weniger die Kontraste der Klangfarben als vielmehr die der Lautstärke.

Mit diesem, 1928 für ein Festival für zeitgenössische Musik in Washington verfassten und uraufgeführten sowie im gleichen Jahr in Paris von den Ballets russes (Choreografie: George Balanchine) aufgeführten Ballett in zwei Szenen mit 10 verschiedenen „Nummern“, als weißes Ballett konzipiert, und der, von den der französischen Musik des 17. Jahrhunderts und der Klassik orientierten Musik schuf Strawinsky das erste und zugleich Hauptwerk des neoklassischen Bühnentanzes.

Von jugendlichen Impulsen und dem Frühling beflügelt und von Franz Schuberts großer „C‑Dur-Sinfonie inspiriert, schuf Robert Schumann seine erste Symphonie in nur vier Tagen und meinte „Ich schrieb die Symphonie, wenn ich sagen darf, in jenem Frühlingsdrang, der den Menschen wohl bis in das höchste Alter hinreißt“.

Gatti setzte mit der Sinfonie seine Auseinandersetzung mit dem Schaffen Robert Schumanns fort. Er formte die Musik energisch und dennoch mit Feingefühl und Sensibilität. Er ist „ein Macher“, aber einer mit viel Gespür für Klangfarben und feine Differenzierungen. Er inspirierte leidenschaftlich und feinfühlig das Orchester. Bei dieser Aufführung waren die klangvollen Bläser tonangebend, die Pauke unterstrich den Orchesterklang mitgestaltend und harmonisch, nur die Streicher schienen zurückhaltender als gewohnt. Gatti vertiefte sich sehr intensiv in jedes Werk und widmete sich auch den Feinheiten und Details, stets im Hinblick auf das Gesamtwerk. Es war ein inspirierender Abend, der für die Zukunft vieles erwarten lässt.

Ingrid Gerk

 

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